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120 Jahre Nobel-Vermächtnis: Letzter Wille aus schlechtem Gewissen?

Stockholm (APA/dpa) - Acht Jahre, bevor Alfred Nobel starb, erschienen in den Zeitungen Nachrufe auf ihn. Es ist ein Irrtum: Die Presse hatt...

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Stockholm (APA/dpa) - Acht Jahre, bevor Alfred Nobel starb, erschienen in den Zeitungen Nachrufe auf ihn. Es ist ein Irrtum: Die Presse hatte den falschen Vornamen aufgeschnappt und Nobel mit seinem Bruder Ludvig verwechselt. Doch was der Erfinder da über sich lesen musste, gefiel ihm gar nicht.

„In den Nachrufen stand, dass er jemand war, der sein ganzes Geld mit Dynamit und Sprengstoffen verdient hatte - und über den es sehr schwierig sei, zu sagen, dass er der Menschheit etwas Gutes getan hätte“, erzählt Gustav Källstrand vom Nobelmuseum.

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Das harsche Urteil der Journalisten, die ihn sogar als „Kaufmann des Todes“ betitelten, war ein Weckruf für den reichen Schweden. Doch noch etwas anderes führte wohl dazu, dass er 1895 - vor 120 Jahren - in seinem Testament verfügte, dass seine Reichtümer in eine Stiftung zur Vergabe der Nobelpreise fließen sollen. Eine Frau.

Die österreichische Friedenskämpferin Bertha von Suttner und den Dynamit-Erfinder Alfred Nobel verband eine innige Freundschaft - von der sich Nobel zunächst wohl mehr erhofft hatte. Die Frau, die für kurze Zeit als seine Privatsekretärin anheuerte, sei „genau die Frau gewesen, nach der Alfred so lange gesucht hatte“, schreibt der Autor Lars-Ake Skagegard 1993 in einem Buch über den Nobelpreis-Stifter.

„Sie hat ihn ermuntert, einen Teil seines Vermögens an verschiedene Friedensbewegungen zu spenden“, sagt Källstrand. Ihr erzählte Nobel später von seinen Plänen, einen Friedenspreis zu stiften - vermutlich hatte sie ihn dazu inspiriert. Wie seine berühmteste Erfindung genutzt wurde, deprimierte Nobel der Legende nach sehr.

Die anderen Preise erwähnte er seiner Freundin gegenüber nicht. „Aber die Idee, das Geld für Wissenschaft oder philanthropische Zwecke zu spenden, anstatt es der Familie zu überlassen, ist wahrscheinlich älter“, meint Källstrand. Erstens habe seine Familie genug Geld gehabt. Zweitens sei Nobel der Überzeugung gewesen, dass geerbter Reichtum faul mache. Stattdessen habe er Menschen auszeichnen wollen, die der Gesellschaft mit ihren Ideen Nutzen gebracht hätten. Ob der Forscher sich zu Lebzeiten ausgemalt hat, welchen mächtigen Aufruhr er mit seinem eigenwilligen Testament verursachen würde?

Einige seiner Verwandten machte der letzte Wille fuchsteufelswild, sie fochten ihn vor Gericht an. „Manche sagen, sie waren einfach gierig und hatten es auf das Geld abgesehen“, sagt Källstrand. Andere meinten, sie seien aufrichtig besorgt um das Vermächtnis Nobels gewesen. „Nobel mochte keine Anwälte, weshalb er auch keinen Anwalt genommen hat, als er sein Testament schrieb“, sagt der Historiker. Nicht nur deshalb entbrannte eine Kontroverse um das Dokument.

Denn Nobel hatte nur verfügt, dass Preise in fünf Disziplinen jeweils an die gehen sollen, „die im abgelaufenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben“. Wie das Ganze vor sich gehen soll, ließ er offen. Seine beiden Testamentsvollstrecker standen vor einer Mammutaufgabe. Auch die Institutionen, die er mit der Vergabe der Preise beauftragt hat, waren überrascht. „Sie hatten keine Ahnung, was los war, und waren auch ein bisschen nervös“, sagt Källstrand.

Manche zögerten, die Aufgabe anzunehmen - auch, weil die internationale Presse frotzelte, die Nobelpreise könnten den kleinen Ländern Schweden und Norwegen mehr Ärger als Ruhm bringen. Vielen Schweden passte auch nicht, dass die Norweger den Friedenspreis verleihen sollen: Die Union der beiden Länder befand sich in einer Krise.

Bis alle Probleme gelöst waren - mit Nobels Familie kam es zum Vergleich - dauerte es lange. Fünf Jahre nach dem Tod des Großindustriellen wurden die nach ihm benannten Preise zum ersten Mal verliehen. Bis heute geschieht das eisern nach nahezu denselben, ganz speziellen Regeln, die man in der kommenden Woche, wenn die diesjährigen Nobelpreisträger bekannt gegeben werden, wieder beobachten kann. Was genau sich Nobel dabei aber vor 120 Jahren gedacht hat, wird wohl immer ein nicht ganz gelöstes Rätsel bleiben.


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