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„Böse“ Zellen als tägliches Brot

Im Kampf gegen den Krebs spielen Innsbrucker Forscher ganz vorne mit. Eine davon ist Karin Jöhrer-Deym, die sich an die Spur der Knochenmarkstumor-Zellen geheftet hat.

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Wissenschafterin mit Leib und Seele: Karin Jöhrer-Deym (r.) bei ihrer Arbeit im Labor. Dietmar Öfner-Velano (l.) und Raimund Margreiter vom Vorstand des Vereins zur Förderung der Krebsforschung in Tirol sind zu Besuch.
© Thomas Böhm

Von Kathrin Siller

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Innsbruck — Umgeben von Mikroskopen, Computern, Pipetten, Gefäßen mit Zellkulturen und allerhand surrenden Gerätschaften sitzt Karin Jöhrer-Deym in ihrem Labor im Tiroler Krebsforschungsinstitut. Ihr blütenweißer Mantel und die blauen Handschuhe passen zum typischen Forscher-Bild. Mit Begeisterung spricht die gebürtige Kärntnerin, die seit über 25 Jahren in Innsbruck lebt, über ihre Arbeit mit den bösartigen Tumorzellen.

Aber was machen sie und ihre Kollegen eigentlich in ihrem täglichen Kampf gegen den Krebs? „Alle Forschungsgruppen an unserem Institut haben einen translationalen Ansatz. Das heißt, wir betreiben nicht nur Grundlagenforschung, sondern arbeiten möglichst patientenorientiert.“ Es wird also intensiv mit der Medizin-Uni zusammengearbeitet. Am Ende eines Projekts soll bestensfalls eine Therapie herausschauen, die den Patienten ganz konkret hilft.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Die studierte Biologin forscht mit ihrer Arbeitsgruppe seit einigen Jahren an der Tumor-Mikro­umgebung des Multiplen Myelom­s, einer besonders tückischen Tumorerkrankung des Knochenmarks. Vier von 100.000 Menschen erkranken pro Jahr daran, es sind vor allem Menschen zwischen 65 und 70 Jahren. Der Tumor frisst unter anderem Löcher in die Knochen, weshalb Patienten an starken Schmerzen leiden. Was der Auslöser für die Krankheit ist, steht noch nicht fest.

„Wir wollen herausfinden, warum der Tumor überhaupt wächst“, sagt die Biologin. „Unentbehrlich dafür sind Vorversuche mit Zelllinien, in unserem Fall von Myelomzellen, die wir bei Zellbanken in Deutschland oder den USA bestellen. Vermehrt werden sie dann von uns“, sagt Jöhrer-Deym. Die Zellen schwimmen millionenfach in durchsichtigen Fläschchen in einer rötlichen Flüssigkeit herum und dienen den Wissenschaftern für ihre Versuche. Mit Proben von Patientenzellen kann dann getestet werden, ob bestimmte Schlussfolgerungen auch für die Erkrankten relevant sind.

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„Medikamente, die auf die bösartigen Zellen wirken, gibt es ja schon, und sie werden auch immer zielgerichteter“, erklärt Jöhrer-Deym. „Allerdings programmiert der Tumor ganz raffiniert seine Umgebung um, und das hemmt den Therapieerfolg.“

Beim Multiplen Myelom weiß man etwa, dass die Tumorumgebung zu etwa 80 Prozent aus Fettzellen besteht. Und offensichtlich können sich die Fett- und Tumorzellen gut leiden. Anhand so genannter Co-Zellkulturen aus diesen beiden Zelltypen können die Forscher zeigen, wie Medikamente wirken, aber auch, wie die Umgebung, in diesem Fall die Fettzellen, das Tumorwachstum unterstützt. Liegt der Schlüssel der Heilung des Multiplen Myeloms also in diesen Fettzellen? Diese Hypothese arbeiten Jöhrer-Deym und ihr Team momentan auf.

Ein weiteres Ziel, das die Wissenschafter anpeilen, ist die personalisierte Tumor­therapie: „Jede bösartige Zelle ist anders. Man kann deshalb keine Schema-F-Therapie über jeden einzelnen Patienten drüberstülpen.“

Mit ihrem Eifer sind die Innsbrucker Wissenschafter freilich nicht alleine. Weltweit wird mit Nachdruck an Krebstherapien geforscht. Wer eine Entdeckung zuerst macht, publiziert zuerst. Förderungen laufen über Publikationen und ohne Förderungen sind den Forschern die Hände gebunden. Auf Jöhrer-Deym und ihren Kollegen lastet also ein enormer Druck — und auch die Hoffnung vieler Krebspatienten.

Forschen finanzieren

Seit 15 Jahren gibt es den Verein zur Förderung der Krebsforschung in Tirol. 2016 wird sich Univ.-Prof. Raimund Margreiter als Obmann aus dem Vorstand zurückziehen. Univ.-Prof. Dietmar Öfner-Velano, Leiter der Uniklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie, wird sein Nachfolger.

In der westlichen Welt sind ein Viertel aller Todesfälle auf Krebs zurückzuführen, Tendenz (aufgrund der erhöhten Lebenserwartung) steigend. Die patientenorientierte Forschung am TKFI ist essenziell und kommt direkt den Patienten zugute. So entwickelten Forscher am TKFI z. B. einen Test zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs.

Das Tiroler Krebsforschungsinstitut (TKFI) finanziert sich ausschließlich über Spenden.

Spenden für das TKFI sind steuerlich absetzbar und fließen ohne Umwege in die Forschung. Ein Spendenkonto gibt es bei der Raiffeisen Landesbank Tirol:

IBAN: AT183600000000604827, BIC: RZTIAT22

Alle Informationen zum TKFI finden Sie unter www.tkfi.at


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