Milch: Solidarität vom Tourismus gefordert

Bauernkammerpräsident Hechenberger befürchtet, dass jetzt viele Bauern die Stalltüren für immer schließen.

Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger.
© Schnegg

Von Peter Nindler

Innsbruck –Angesichts der angespannten finanziellen Situation und des massiven Preisverfalls bei der Milch (30 Cent) brodelt es unter den Bauern. „Wobei sie nicht einmal mehr protestieren, sondern es gibt eine stille Resignation“, sagt Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger. Viele Landwirte würden sich derzeit fragen, ob es überhaupt noch Sinn mache. Sollte der Milchpreis noch länger im Keller bleiben, befürchtet der Kammerchef, dass in den nächsten Monaten viele Bauern die Stalltüre für immer schließen.

Die Landwirtschaftskammer bietet zwar Beratung über Kosteneffizienz an, „doch die Einsparungspotenziale sind auch einmal ausgereizt“, fügt Hechenberger hinzu. Außerdem drücke die Stimmung massiv auf das Investitionsklima. „Ohne Perspektiven wollen die Bauern auch nicht mehr investieren und halten sich zurück.“ Das alles ergebe eine Abwärtsspirale, die es zu stoppen gelte. In die Pflicht nimmt Hechenberger deshalb den heimischen Tourismus und die öffentliche Hand. „Während unsere Konsumenten treue Kunden sind, würde ich mir aber mehr Engagement von der Hotellerie und Gastronomie erwarten“, hofft Hechenberger auf eine Trendumkehr zu Tiroler Qualität und Milch.

Dass die öffentlichen Großküchen ebenfalls sehr zurückhaltend bei heimischen Produkten und der Tiroler Milch sind, ärgert Hechenberger am meisten. „Ob in Krankenhäusern oder Betrieben des Landes, es kann doch nicht sein, dass dort das Billigstbieterprinzip vorherrscht.“ Die Landespolitik müsse hier bewusstseinsbildend wirken und notfalls eingreifen.

Agrarreferent LHStv. Josef Geisler (VP) gibt seinem Bauernbundkollegen nur teilweise Recht. „Unsere Regionalitätsschiene wirkt vor allem im Tourismus, hier bin ich zufrieden. Natürlich könnte es noch mehr sein.“ Bei den öffentlichen Einrichtungen versteht Geisler die Kritik, „weil es tatsächlich Nachholbedarf gibt. In den öffentlichen Küchen müssen wir mit unseren Produkten stärker Fuß fassen, das ist uns bisher noch nicht so gelungen.“

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Die Tiroler Grünen verlangen hingegen eine Beratungsoffensive der Landwirtschaftskammer in Richtung Umstieg auf Bio- oder Heumilch. „Wenn die Bäuerinnen und Bauern mit Bio- und Heumilch bis zu 60 Cent pro Liter Milch bekommen, ist es höchste Zeit, mit guter Beratung die Umstellung der Höfe voranzutreiben“, betont Agrarsprecherin LA Gabi Fischer.


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