Ein Haus, das eine Brücke ist

Um mit ihrem Wohnheim Olympisches Dorf einen möglichst kleinen Fußabdruck in der Landschaft zu hinterlassen, haben ARTEC-Architekten das Haus auf Stelzen gestellt.

© 150918_258bi_architekt

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Am schönsten noch freien Platz im Olympischen Dorf leben nun 118 pflegebedürftige alte Menschen. Direkt neben dem Inn in bzw. über einer parkähnlichen Landschaft mit einer wunderbaren Aussicht in praktisch alle Richtungen. Geplant vom Wiener Architekturbüro ARTEC, dessen Projekt die 20 ebenfalls zum Wettbewerb für das Wohnheim Olympisches Dorf geladenen Konkurrenten einstimmig aus dem Rennen geworfen hat.

Gelingt Bettina Götz und Richard Manahl mit ihrem Entwurf doch das scheinbar Unmögliche: Nämlich eine riesige Kubatur scheinbar zu marginalisieren, indem sie raffiniert aufgegliedert bzw. partiell auf schlanke Stelzen gestellt ist. Um ganz bewusst „einen möglichst geringen Fußabdruck“ in der Landschaft zu hinterlassen, wie Richard Manahl sagt.

Nähert man sich dem neuen Wohnheim, erscheint der 140 Meter lange, schmale und nur eingeschoßige raumhoch verglaste Trakt, der zwischen zwei Wohntürme geschoben ist, unaufgeregt. Hier sind die öffentlichen Bereiche wie die Verwaltung, der Friseur, ein großer Mehrzweckraum genauso wie das Café untergebracht, während das eigentliche Wohnheim dahinter in vier Geschoßen in die Höhe gestapelt ist. Als schlanke, einhüftig angelegte, vielfältig gegliederte, beidseitig durchlässige Baukörper.

Alle 118 Einzelzimmer sind nach außen orientiert, die zu großzügigen Aufenthaltsbereichen aufgeweiteten Gänge nach innen. Ein hoher Sehschlitz ist neben der Tür zu jedem der Zimmer eingelassen, um auf diese Weise das Private zum Öffentlichen durchlässig zu machen. Dem Bewohner oder der Bewohnerin vielleicht Lust darauf machend, sich auf der bequem gepolsterten Bank niederzulassen, die vor jedem Zimmer in eine kleine Nische eingelassen ist. Gedacht zum einfach nur Dasitzen, zum Schauen oder Plaudern.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Jedes der Geschoße öffnet sich durch riesige Terrassen, auf denen kleine Gärten angelegt sind, bzw. teilweise überdachte Balkone mit Ausblicken in die unterschiedlichsten Richtungen. Während das Dach des Eingangstrakts in einen wunderschön labyrinthartigen „Demenzgarten“ verwandelt ist.

Die Vorhänge in den einheitlich funktionell eingerichteten Zimmern sind in jeder der fünf Stationen anders. Funktionieren fast als so etwas wie ein Leitsystem. Denn die Architekten haben sich jedes Detail dieses Hauses für Menschen mit ganz besonderen Bedürfnissen überlegt. Um etwa die Stiegenhäuser raffiniert zu verstecken, damit sich niemand in ihnen verirrt. Die Küchen in den Stationen stehen frei im Raum, vor den durchgehenden Fensterbändern stehen Bänke, von denen aus sich von Haus zu Haus bzw. in die Landschaft blicken lässt.

Das Wohnheim Olympisches Dorf sei eigentlich mehr eine Brücke als ein „normales“ Haus, sagt Richard Manahl. Anspielend darauf, dass sein größter Teil fünf bis acht Meter aufgeständert und dreieckig zueinander angeordnet über dem öffentlich zugänglichen Park „schwebt“. Der markanteste „Brückenpfeiler“ ist eigentlich eine wie ein Schneckenhaus angelegte Kirche, die anderen sind schlank und aus Sichtbeton gebaut. Dem Spannbetonskelettbau mit Passivhausstandard ist eine Fassade aus vorgefertigten Holzelementen vorgehängt, die wiederum mit Aluplatten verkleidet sind. Jede fünfte von ihnen glänzt, was die Fassaden reizvoll aufzulöst, zu die Umgebung reizvoll spiegelnden Schaufenstern macht.


Kommentieren


Schlagworte