Acht Wildunfälle pro Stunde: Risiko im Herbst besonders hoch

Im Vorjahr gab es 338 Verletzte bei Unfällen mit Wildtieren. Laut Experten werde die Gefahr oft unterschätzt. Springt ein Tier auf die Straße, heißt es vor allem: bremsen, hupen, abblenden und Ruhe bewahren sowie Ausweichmanöver vermeiden.

(Symbolfoto)
© Keystone

Wien – Mehr als 70.000 Wildtiere werden jährlich auf Österreichs Straßen getötet. Im Vorjahr wurden 338 Menschen bei derartigen Verkehrsunfällen verletzt, zwei starben. Die meisten Wildunfälle passierten laut Statistik Austria in Niederösterreich (87) vor der Steiermark (66), Oberösterreich (61), Kärnten (23), Salzburg (16), Tirol (13), dem Burgenland (11) und Vorarlberg (3). Hier nicht einberechnet sind Unfälle, die nur zu Sachschäden führen, da diese in der Unfallstatistik nicht erfasst sind.

Das Risiko bei Wildwechsel wird oft unterschätzt, Warnschilder ignoriert, mahnten Experten bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien. Witterungsverhältnisse und eine Verminderung des Futterangebots erhöhen die Gefahr im Herbst enorm.

Die Experten von VVO (Österreichischer Versicherungsverband), KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und der Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände verwiesen auf die aktuellen Umstände und adäquate Reaktionen. Derzeit sei vermehrt mit Straßenquerungen zu rechnen. Besondere Vorsicht gilt an Übergängen zwischen Wald, Wiese und Feld. Zusätzlicher Risikofaktor: Die Rushhour fällt derzeit in die Dämmerung und somit in eine für die Tiere sehr aktive Zeit.

Geschwindigkeit drosseln und Aufmerksamkeit erhöhen

„Wildunfälle sind kein Schicksal“, brachte es KFV-Direktor Othmar Thann auf den Punkt. Die meisten ereignen sich zwischen 20.00 und 22.00 Uhr oder in der Morgendämmerung. Besonders zu diesen Zeiten heiße es: Geschwindigkeit drosseln und Aufmerksamkeit erhöhen. Ähnlich argumentierten die Verkehrsklubs ARBÖ und ÖAMTC am Mittwoch in Aussendungen. Ersterer wies unter anderem darauf hin, dass sich der Bremsweg auf nassen Straßen um das Dreifache erhöhen kann.

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Verhindern ließen sich derartige Vorfälle auch mit den wirksamsten Wildschutzeinrichtungen nicht, angepasste Geschwindigkeit und ein vergrößerter Sicherheitsabstand können das Risiko bzw. die Schäden deutlich verringern. Tunlichst zu vermeiden sei nicht zuletzt Ablenkung: „37 Prozent aller Unfälle sind auf Unaufmerksamkeit zurückzuführen“, sagte Thann. „Der Vertrauensgrundsatz gilt für Menschen, aber nicht für Tiere.“ Auch wenn es rund ums Jahr zu derartigen Vorfällen kommen kann, müsse man derzeit „Achtung Wildwechsel“-Schilder besonders ernst nehmen.

Ausweichmanöver vermeiden

Springt ein Tier auf die Straße, heißt es vor allem: bremsen, hupen, abblenden und Ruhe bewahren sowie Ausweichmanöver vermeiden, sie bergen meist mehr Risiko als ein Zusammenstoß. Bei 52 Prozent aller Wildunfälle erfolgt eine Kollision mit einem Reh. Diese treten meist in Gruppen um die fünf Tiere auf und queren Routen oft hintereinander. Kann man einen Zusammenstoß gerade noch verhindern, muss man mit einer Querung weiterer Tiere rechnen. (APA)


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