Steirische Wollsdorf Leder mit Umsatzsprung und kleinem Gewinn

Graz/Varazdin (APA) - Der steirische Auto- und Luftfahrtzulieferer Wollsdorf Leder hat 2014/2015 mit Umsatzplus, kleinem Gewinn und guter Au...

Graz/Varazdin (APA) - Der steirische Auto- und Luftfahrtzulieferer Wollsdorf Leder hat 2014/2015 mit Umsatzplus, kleinem Gewinn und guter Auftragslage beendet - trotz der Herausforderung der Werksschließung in Weiz und einem Produktionsstart in Kroatien. Der Umsatz wuchs von 148 auf 156 Mio. Euro, so Geschäftsführer Andreas Kindermann. Die Entscheidung, ein Werk in Varazdin zu bauen, sei richtig gewesen.

„Der Ertrag hätte in Anbetracht des Umsatzsprungs besser sein können“, so Kindermann. Dennoch sei man zufrieden, man habe in diesem Bereich einen Betrag deutlich über einer schwarzen Null verbucht. Genaue Angaben wollte Kindermann nicht machen. Die Eigenkapitalquote habe man auf rund 27 Prozent erhöhen können, die Forschungsquote liege bei etwa drei bis vier Prozent. Den Löwenanteil des Umsatzes mache man im automotiven Bereich mit 77 Prozent, wovon wiederum eine Großteil auf Exporte in Europa entfalle. Vier Prozent steuere der Luftfahrtbereich bei, 19 Prozent der Möbelbereich. Im Bereich hochwertiges Narbenleder für den Lenkradbereich sei man mit über 60 Prozent Marktanteil Weltmarktführer, 2015 wurden bisher rund 5,5 Mio. Stück Lenkradsets produziert.

Die große Herausforderung des abgelaufenen Geschäftsjahres sei die Schließung und Verlagerung der Lenkradlederstanzerei in Weiz gewesen. Hier wurde die Produktion eingestellt. Das Gebäude im Ort habe laut Kindermann keine Ausbaumöglichkeiten mehr geboten. Von den 240 Mitarbeitern in Weiz wechselten 134 in das Stammwerk im nahen Wollsdorf, die restlichen 106 Beschäftigten hätten auf eigenen Wunsch das Unternehmen verlassen.

Aufgrund der guten Auftragslage ist der Mitarbeiterstand im Stammwerk auf 700 angewachsen. „Dies sind fast so viele Beschäftigte wie früher in Weiz und Wollsdorf zusammen“, sagte Kindermann am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Graz. Im neuen Werk in Kroatien sind zur Zeit 320 Leute tätig - Tendenz ausbaufähig. Durch einen Auftrag aus der Luftfahrtindustrie habe man acht zusätzliche Näherinnen aufnehmen können. Insgesamt beschäftigt Wollsdorf Leder rund 1.060 Mitarbeiter. Die Hälfte der Beschäftigten sind Frauen, man bilde sechs Lehrlinge aus. „Das Ledermacherhandwerk lernen unsere Jungen im deutschen Reutlingen“, so Kindermann, in Österreich gebe es keine derartige Ausbildung mehr. An Rohstoffen verwende man übrigens Rinderhäute aus dem Raum Süddeutschland bis Norditalien. Am besten seien dabei die Häute von Tieren aus Stallhaltung, weil diese am wenigsten Beeinträchtigungen wie etwa Stiche oder Verletzungen aufwiesen. „Am besten geeignet sind Bullenhäute, denn auch Kühe haben Schwangerschaftsstreifen“, sagte Kindermann.

Im österreichischen Werk habe man zuletzt rund 2 Mio. Euro investiert - auch in den Trocknungsprozess, wobei sich hier Infrarotstrahlen als geeignet erwiesen, was auch weniger energieintensiv sei. Im laufenden Geschäftsjahr soll in Wollsdorf auch in eine Verbesserung der Geruchsemission investiert werden. „Wollsdorf stinkt“, hatte es im Raabtal oft geheißen, daraufhin habe man Anrainer gebeten, Geruchsbelästigungen zu melden. Herausgestellt habe sich, dass das Werk nur in rund 30 Prozent der Fälle dafür verantwortlich gewesen sei. Dennoch habe man an geruchsintensiven Stellen Anlagen installiert, die schlechte Abluft mittels Einnebelung durch Chemikalien neutralisierten.


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