Eine politische Punkrock-Show: Refused und Rise Against in Wien

Wien (APA) - Die Vorzeichen für einen inhaltlich ergiebigen Abend standen gut. Immerhin waren am Donnerstag mit Refused und Rise Against zwe...

Wien (APA) - Die Vorzeichen für einen inhaltlich ergiebigen Abend standen gut. Immerhin waren am Donnerstag mit Refused und Rise Against zwei Vertreter des dezidiert politischen Punkrocks in der Wiener Stadthalle zu Gast. Wobei: Der bisherige Karriereweg der beiden Bands könnte unterschiedlicher nicht sein. Den Fans war das herzlich egal, sie feierten komplexe Rhythmik wie knackige Dreiminüter gleichermaßen.

Anfang der 1990er gegründet, sind Refused derzeit nach langer Schaffenspause wieder als gut eingespieltes Team unterwegs und begeistern neben obligatorischen Tracks der stilprägenden Platte „The Shape of Punk to Come“ (1998) vorwiegend mit neuen Songs. Passenderweise hat man das Comebackalbum, das im Sommer erschienen ist, „Freedom“ getauft - durchaus doppeldeutig zu verstehen, will man sich doch einerseits von Erwartungshaltungen freispielen und sieht andererseits die gesellschaftliche Entwicklung in Europa und der Welt nach wie vor alles andere als positiv.

Denn die Schweden um Sänger Dennis Lyxzen sind prinzipiell das, was man System- und Kapitalismuskritiker nennen darf: Da wird institutionelle Religion in „Dawkins Christ“ angeprangert oder zum „War on the Palaces“ aufgerufen. Serviert werden diese lyrischen Ergüsse mit einer durchaus fordernden Kombination aus stakkatoartigen Gitarrenriffs, dichten Arrangements und immer wieder durchbrechender Dissonanz. Nicht umsonst heißt ihr bis heute größter Hit „New Noise“ und beginnt mit der Zeile „Can I scream?“. Beim Auftritt selbst blieb aber auch Zeit für augenzwinkernde Momente, als etwa Slayers „Raining Blood“ angerissen wurde und Lyxzen, auf einer Monitorbox stehend, zum Rhythmus passend seine Hüften kreisen ließ.

Auf die leichte Schulter nehmen Refused ihre Aufgabe allerdings keineswegs. Von der revolutionären Kraft der Musik ist da die Rede, davon, dass man Dinge beim Namen nennen sollte, wie es die Band etwa im (leider nicht gespielten) Song „366“ zur aktuellen Flüchtlingskatastrophe macht. Schließlich seien Künstler wie die Dead Kennedys mit ihren politischen Themen ein Grund dafür, „dass ich heute in engen Hosen vor euch stehe“, so Lyxzen. „Musik ist mehr als Leben oder Tod, es ist alles.“ Melodramatische Geste hin oder her, mit Stücken wie „Tannhäuser/Derive“ oder „Rather Be Dead“ konnte die Gruppe jedenfalls auf ganzer Linie überzeugen.

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Was im Anschluss auch für Rise Against festgehalten werden konnte: Die Gruppe aus Chicago hat sich über die Jahre eine stetig wachsende Fanschar erspielt, dabei konsequent auf melodiösen Rock im nachvollziehbaren Rahmen setzend. Sänger Tim McIlrath, der aufgrund einer Handverletzung nach einem Mountainbike-Unfall die Gitarrenaufgaben dem befreundeten Musiker Neil Hennessy überlassen musste, hatte die Masse von Anfang an im Griff, setzte als überzeugender Frontmann passende Akzente und führte durch das kurzweilige, rund eineinhalbstündige Set.

Einen Bruch im künstlerischen Schaffen suchte man dabei vergeblich - vom zehn Jahre alten Gassenhauer „Black Masks & Gasoline“ bis zum Opener „The Great Die-Off“ von der aktuellsten Platte „The Black Market“ (2014) fügte sich hier alles zu einem einheitlichen Gesamtbild. Zugegeben: Den revolutionären Aspekt, den Refused noch in Ansätzen ihrer Performance beifügen, durfte man von den US-Amerikanern nicht erwarten. Aber Songs wie „Hero of War“, der das Kriegsgeschehen aus einer sehr persönlichen Perspektive beleuchtet, haben durchaus das Zeug, zum Nachdenken anzuregen. Und wenn das gerade nicht gefragt war, wurden vom Publikum in der Stadthalle ausreichend Moshpit wie Stimme strapaziert. Immerhin befand man sich auf einer Punkrock-Show.

(S E R V I C E - http://officialrefused.com; www.riseagainst.com)


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