Seiltänzer und Wortjongleur: Multitalent Wolfram Berger wird 70

Wien/Basel (APA) - Österreich hat Wolfram Berger einst hinter sich gelassen, „um dem ständigen Heruntergezogenwerden zu entfliehen“, sagte d...

Wien/Basel (APA) - Österreich hat Wolfram Berger einst hinter sich gelassen, „um dem ständigen Heruntergezogenwerden zu entfliehen“, sagte der gebürtige Grazer kürzlich der „Neuen Zürcher Zeitung“. Beruflich zieht es den Wahlbasler als Schauspieler, Regisseur, Kabarettist, Sänger und Entertainer aber nach wie vor regelmäßig in heimische Gefilde - auch rund um seinen 70. Geburtstag am Montag (12. Oktober).

In Wien etwa steht das Multitalent mit der markanten Stimme aktuell für den ORF/ARD-Vierteiler „Pregau“ von Nils Willbrandt vor der Kamera, nimmt sein „Solo-Spektakel“ „Kaiser Joseph II und die Bahnwärterstochter“ nach Herzmanovsky-Orlando als Ö1-Hörspiel auf und feiert neben u.a. Karl Markovics und Wolfgang Böck am 24. Oktober „20 Jahre Neue Wiener Concert Schrammeln“ im Konzerthaus. Und in Graz steht der Wortjongleur demnächst mit seinen beliebten Programmen „Liebeslieder“ und „Jandl“ auf der Bühne - feiert ebenda am 12. Oktober aber „in geschlossener Gesellschaft“, wie seiner umfangreichen Terminliste auf seiner Website zu entnehmen ist.

1945 in Graz als Sohn eines Spenglers geboren, spielte Wolfram Berger schon während der Schulzeit Theater bei der Grazer Laientruppe „Spielvögel“. Nach dem Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz wurde er direkt an das Grazer Schauspielhaus engagiert, wo er unter anderem 1968 die Hauptrolle in der Erstaufführung von Peter Handkes „Kaspar“ und in der Uraufführung von Horvaths „Zur schönen Aussicht“ spielte. Werner Düggelin holte ihn 1970 ans Theater Basel, Claus Peymann nach einem Zwischenstopp in Zürich 1978 nach Stuttgart und Bochum. Doch dann, wie Berger es umschreibt, „wurde es ihm zu eng in den Theaterkästen“.

1980 sagte er sich schließlich von festen Theater-Engagements los und ist seitdem freischaffend als Darsteller in Film, Fernsehen und am Theater, als Sprecher im Radio sowie mit Lesungen und musikalischen wie auch satirischen oder poetischen Kleinkunstprogrammen unterwegs. Ab 1981 war Berger zudem an der Schauspielakademie Zürich als Lehrender und in der freien Schweizer Theaterszene als Regisseur tätig. Mit der Dramaturgin und Regisseurin Corinna Claus gründete er 1986 das „Rotta-Theater“, wo er u.a. die musikalische Performance „Die Wiederkäuer“ und wiederholt seinen „Karl-Valentin-Abend“ solo oder mit wechselnden Klavierpartnern realisierte. Valentin ist Bergers großes Vorbild, sein „künstlerisches Vitamin“, wie er sagt.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Später entstanden zahlreiche „Großkunst“-Programme wie „Engel im Kopf“ oder „Jazz Me If You Can“ mit Texten Ernst Jandls, auf Theaterbühnen war er immer wieder als Gast zu sehen, etwa am Theater Basel in „Fledermaus“ unter der Regie von Herbert Wernicke oder beim „steirischen Herbst“ in Urs Widmers „Sommernachtswut“. Daneben entstanden zahlreiche, teils prämierte Hörspiel- und Hörbuchproduktionen, aber auch mit Lyrik und Geschichten war und ist er oft im Radio zu hören.

Vor der Kamera ist Berger seit 1973 äußerst aktiv, als er sein Kinodebüt in Markus Imhoofs „Fluchtgefahr“ gab. In weiterer Folge sollte er mit Regisseuren wie Hans Liechti, Michael Haneke, Fritz Lehner, Wolfgang Murnberger oder Dieter Berner arbeiten; im Fernsehen verkörperte er u.a. den Schweizer Fahnder „Eurocop“ und spielte in Krimireihen wie „Tatort“ und „Trautmann“ mit. Für seine Darstellung eines an Alzheimer erkrankten Auswanderers in This Lüschers Vater-Sohn-Drama „Rider Jack“ wurde er beim Montreal World Film Festival kürzlich als bester Schauspieler ausgezeichnet.

Geehrt wurde Berger im Laufe seiner Karriere weiters mit dem „Salzburger Stier“ 1997 (den der „gebürtige Österreicher und gelernte Schweizer“ für die Schweiz annahm), mit dem Großen Ehrenzeichen des Landes Steiermark, einem Nestroy sowie dem Preis für den besten ORF-Schauspieler des Jahres im Hörspiel 2001. „Im Grunde seines Herzens (- und seines Könnens!) ist Wolfram Berger ein Zauberer und ein Unikum obendrein. Ein wunderbarer Einzelgänger und ein absoluter Ensemblespieler“, würdigte Laudator Hermann Beil 2001 Berger als einen der „das Theater rettenden Schauspielern“. „Er ist ein Seiltänzer, der alles riskiert. Und weil er immer riskiert, stürzt er nie ab.“

(S E R V I C E - Aktuelle Termine unter www.bergerwolfram.at)


Kommentieren