Flüchtlinge - Athen moniert „rassistische Kriterien“ bei Verteilung

Athen (APA/Reuters) - Die EU muss nach Einschätzung Griechenlands verhindern, dass Mitgliedsländer bei der Verteilung von Flüchtlingen Sonde...

Athen (APA/Reuters) - Die EU muss nach Einschätzung Griechenlands verhindern, dass Mitgliedsländer bei der Verteilung von Flüchtlingen Sonderwünsche äußern. Athen habe Schwierigkeiten, Flüchtlinge an bestimmte Staaten weiterzuschicken, die „rassistische Kriterien“ für die Aufnahme von Asylbewerbern hätten, sagte der neue Migrationsminister Yannis Mouzalas in einem am Sonntag veröffentlichten Reuters-Interview.

„Ansichten nach dem Motto ‚wir wollen zehn Christen‘ oder ‚75 Muslime‘ oder ‚wir wollen große, blonde, mit blauen Augen und drei Kindern‘ sind eine Beleidigung für die Persönlichkeit und Freiheit der Flüchtlinge“, betonte der griechische Minister. „Europa muss kategorisch dagegen sein.“

Mouzalas nannte kein Land beim Namen. In der Vergangenheit hatten allerdings unter anderem die Slowakei und Zypern eine Präferenz für christliche Flüchtlinge erkennen lassen. Zudem hatte Ungarn eine Einwanderungswelle von Muslimen als Bedrohung „christlicher Werte“ Europas bezeichnet.

Die EU hat sich darauf geeinigt insgesamt 160.000 Flüchtlinge in den 28 Mitgliedsländern zu verteilen - die meisten kommen aus Syrien und Eritrea. Mouzalas appellierte an die EU, hierfür strikte Quoten einzurichten, „sonst verwandelt sie sich in einen Markt für Menschen, und Europa hat nicht das Recht, das zu tun“.

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Im Allgemeinen können Flüchtlinge sich nicht das Land aussuchen, in das sie geschickt werden. Seit Jahresbeginn sind rund 400.000 Flüchtlingen nach Griechenland gekommen. Die meisten stammen aus Syrien, Afghanistan sowie dem Irak. Manche versuchen über Mazedonien weiter nach Nordeuropa zu reisen. Tausende - vor allem Afghanen - stecken aber mangels Geld in Griechenland fest und können ihre Flucht nicht fortsetzen. Europas Behörden behandeln Menschen aus Afghanistan nicht systematisch als Flüchtlinge.

Dies hat zur Folge, dass sie aus dem Verteilungsverfahren ausgeschlossen sind. „Es ist absurd zu glauben, dass Afghanen kommen, um bessere Arbeit zu finden“, kritisierte Mouzalas. „Dort gibt es einen lang anhaltenden Krieg, man ist nirgendwo sicher. Das ist die Wirklichkeit.“


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