Wien-Wahl 2015

Endgültiges Ergebnis in Wien: FPÖ muss ein Mandat an Grüne abgeben

Grünen-Chefin Maria Vassilakou.
© APA/HARALD SCHNEIDER

Der Sonntag brachte einen überraschend deutlichen Wahlsieg der Wiener SPÖ vor der FPÖ, obwohl die Häupl-Partei Federn lassen musste. Bereits am Montag kamen die Parteigremien zusammen. Und die VP hat schon einen neuen Landesparteichef gefunden.

Wien – In der Nacht zum Dienstag waren die Stimmen der Wien-Wahl endgültig ausgezählt.Die FPÖ muss sich doch mit nur einem Bezirksvorsteher zufriedengeben: Die Briefwähler haben das vorerst ebenfalls blau dominierte Floridsdorf doch noch gedreht und der SPÖ eine hauchdünne Mehrheit verschafft.

Rund 160.000 Briefwahl-Stimmen hatten noch einen Einfluss auf die Mandatsvergabe – die Blauen müssen eines an die Grünen abgeben.

Am Tag nach der Wien-Wahl versuchten sich die Parteien in Selbstanalyse, Konsolidierung und Zukunftsplanung. SPÖ-Chef Bürgermeister Michael Häupl verkündete, noch diese Woche mit allen Fraktionen zu reden und bald eine Koalition haben zu wollen. Die schwer angeschlagene ÖVP kürte indes mit Bundesparteisekretär Gernot Blümel einen neuen Parteichef.

Die Rathaus-Roten haben bei ihren Gremiensitzungen schon über die Koalitionsfrage – Rot-Schwarz oder Rot-Grün – nachgedacht. Jetzt stehen aber erst einmal unverbindliche Gespräche mit allen im Gemeinderat vertretenen Parteien an, deren Ergebnisse samt Koalitionsvorschlag er dann dem Landesparteivorstand vorlegen wird, kündigte Häupl an – ohne einen konkreten Zeithorizont zu nennen. Realistisch sind jedenfalls nur die zwei erwähnten Koalitionsvarianten. Denn eine Zusammenarbeit mit der FPÖ – diese wäre rechnerisch am stabilsten – hatte der Stadtchef bereits dezidiert ausgeschlossen.

Aktuelle Entwicklungen und Reaktionen nach der Wahl in Wien gibt‘s in unserem News-Blog. (TT.com, APA)

Nach der Wien-Wahl 2015

Briefwähler verschoben ein Mandat von Blau zu Grün

06:09 Uhr

Die Wien-Wahl war Montagnacht fertig ausgezählt - samt rund 160.000 Briefwahlstimmen. Sie haben gegenüber dem Ergebnis vom Sonntag ein Mandat von der FPÖ zu den Grünen verschoben. Die FP kommt auf 34 der 100 Gemeinderatssitze - wird also einen Vizebürgermeister stellen und hat die Sperrminorität. Die Grünen müssen nur auf eines der bisher elf Mandate verzichten. Die Wahlbeteiligung kletterte auf 74,8 Prozent.

Die SPÖ legte gegenüber dem am Sonntag verkündeten Gesamtergebnis noch leicht zu, auf 39,6 Prozent, und hat gegenüber 2010 4,8 Prozentpunkte (sowie fünf Mandate auf nun 44) verloren. Die FPÖ hielt sich knapp über der 30er-Grenze, bei 30,8 Prozent, was plus fünf Punkte und sieben Mandate mehr bedeutet. Auf Platz 3 vorgeschoben haben sich die Grünen trotz eines leichten Verlustes von 0,8 Punkten auf 11,8 Prozent. Die ÖVP profitierte zwar ebenso stark wie sie von der Briefwahl, blieb aber mit 9,2 Prozent erstmals - österreichweit bei einer Landtagswahl - einstellig im Stimmenanteil. Sie verlor ebenso wie die SPÖ 4,8 Prozentpunkte und damit sechs der bisher 13 Mandate. Neu in den Gemeinderat ziehen die NEOS ein mit 6,2 Prozent und fünf Mandaten.

Beinahe sensationell war - angesichts der sonst üblichen Rückgänge - die Zunahme der Wahlbeteiligung: Sie legte um 7,1 Punkte auf 74,8 Prozent zu - nachdem sie schon 2010 deutlich angestiegen war. Am Montag wurden (im Vergleich mit dem Sonntagnacht veröffentlichten Ergebnis) noch 158.975 mit Briefwahl bzw. Wahlkarten in "fremden" Wahlkreisen abgegebene Stimmen ausgezählt, 157.020 davon waren gültig. In Summe haben 832.980 Wiener gültig an der Gemeinderats-/Landtagswahl teilgenommen.

Briefwähler bewahrten SPÖ vor blauem Floridsdorf

23:35 Uhr

Die FPÖ muss sich doch mit nur einem Bezirksvorsteher zufriedengeben: Die Briefwähler haben das vorerst ebenfalls blau dominierte Floridsdorf doch noch gedreht und der SPÖ eine hauchdünne Mehrheit verschafft. Damit kann SPÖ-Bezirkschef Georg Papai - erst seit März 2014 im Amt - im 21. Bezirk weiter regieren.

Zwischenzeitlich - nach Auszählung der Stimmen ohne Wahlkarten - hatte es so ausgesehen, als ob nicht nur Simmering, sondern auch Floridsdorf künftig FPÖ-dominiert sein würden. Dank Briefstimmen schaffte es die SPÖ schließlich doch noch, mit 38,36 Prozent äußerst knapp vor der FPÖ mit 37,15 Prozent auf Platz 1 zu landen. Die Differenz war mit rund 1.000 Stimmen allerdings mehr als gering.

Weit abgeschlagen angesichts der starken Duellanten die übrigen Parteien: Die Grünen landeten mit 7,30 Prozent auf dem dritten Platz, die ÖVP kam auf 6,48 und die NEOS auf 3,65 Prozent. Die Liste "Wir für Floridsdorf" schaffte mit 4,95 Prozent erneut den Sprung ins Bezirksparlament.

Währing wechselt von Schwarz auf Grün

21:48 Uhr

Die Grünen haben nach der Hochburg Neubau mit Währing nun einen weiteren Bezirk erobert. Sie verwiesen bei der Bezirksvertretungswahl 2015 die ÖVP auf den zweiten Platz - wenn auch durchaus knapp: Die Öko-Partei kam laut Endergebnis mit Briefwahlstimmen auf 28,07 Prozent (plus 2,29 Prozentpunkte), die Schwarzen folgten mit 27,26 Prozent quasi auf dem Fuß (minus 3,37 Prozentpunkte).

Neue Bezirksvorsteherin im 18. Bezirk wird wohl die frühere Landessprecherin der Grünen, Silvia Nossek. Langzeit-Bezirkschef Karl Homole (ÖVP) muss das Zepter weiterreichen. Das bürgerliche Währing gilt schon seit einigen Jahren als eines der Hoffnungsfelder der Grünen - die sich unter anderem dafür stark gemacht haben, das von der Volkspartei vehement abgelehnte Parkpickerl im Bezirk einzuführen.

Maria Vassilakou bleibt

20:55 Uhr

Foto: APA/HANS PUNZ

Maria Vassilakou bleibt den Wiener Grünen erhalten. In der Landeskonferenz ihrer Partei stellte sie am Abend die Vertrauensfrage und wurde mit 25 Pro- bei zwei Gegenstimmen in allen Funktionen - unter anderem Stadträtin und Vizebürgermeisterin - bestätigt. Sie werde daher die Partei in allfällige Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ führen, sagte sie danach vor Journalisten.

Vassilakou hatte Ende August in einem APA-Interview ihren Rückzug in Aussicht gestellt, sollte ihre Partei bei der Wien-Wahl verlieren. Nach dem sich abzeichnenden Verlust eines Mandats habe sie eine Nacht darüber geschlafen und Montagabend in dem Parteigremium ihren Rücktritt angeboten. Die Reaktion: Man habe sie "fürchterlich beschimpft", so Vassilakou, aber nicht wegen ihrer vagen Aussagen zu den persönlichen Konsequenzen am Wahlabend, sondern dafür, überhaupt einen Rückzug in den Raum gestellt zu haben. Ihr Angebot sei nicht angenommen worden.

Sie wolle sich für ihr unbedachtes Handeln entschuldigen, sagte Vassilakou. Die Verknüpfung ihres Verbleibs mit einem Wahlsieg sei "sicherlich nicht eine Glanzleistung" gewesen. Jenen Wählern, die ihr nun vorhalten, dass man auch den Grünen nicht glauben könne, sage sie: "Nobody is perfect." Über das Wahlergebnis sei sie am Sonntag "sehr unglücklich" gewesen, auch am Tag danach sei sie nicht wesentlich glücklicher. Ob sie Sonntagabend aber tatsächlich an Rücktritt gedacht habe, wollte sie nicht beantworten.

Erster Bezirk: Tirolerin scheitert knapp

20:41 Uhr