„Altes Kulturgut darf nicht im Boden ersticken“
Waalgruppe erkundet alte, teils verschwundene Bewässerungskanäle im Obergricht. Allein in Nauders konnten 30 Waale dokumentiert werden.
Von Helmut Wenzel
Nauders, Pfunds –Auch wenn die „Spurenlage“ der oft jahrhundertealten Bewässerungsanlagen sehr dünn ist: Eine Gruppe historisch interessierter Hobbyforscher hat sich zum Ziel gesetzt, alte Lebensadern der Landwirtschaft im Alpenraum zu erkunden – zunächst im Obergricht. Erster Schritt war die Sichtung einschlägiger Literatur und Forschungsarbeiten.
Nur vom Schreibtisch aus macht es wenig Sinn, das Projekt anzugehen, stellten Werner Holzner, Burghart Fiechtner und Herbert Jenewein von der privaten Initiative „Tiroler Waalgruppe“ fest. „Daher gehen wir ins Feld, um mit Einheimischen in Kontakt zu kommen, die uns mit ihrem Wissen weiterhelfen können“, erläuterte Holzner.
In den vergangenen Tagen und Wochen war die Gruppe in der Reschenregion und in Pfunds unterwegs. Mit Franz Kurz habe man einen kundigen Nauderer getroffen. Ergebnis der gemeinsamen Nachforschungen: Ein Bewässerungssystem mit 30 Kanälen konnte dokumentiert und nachgezeichnet werden. Viele Waale wären in der Landschaft kaum noch erkennbar, einige wären wegen des Siedlungsbaus verschwunden. In der Liste der Nauderer Waale finden sich Namen wie Kirchenwaal, Parditsch-, Krummenwiesen-, Pradanolf-, Arsang- oder Mamalungawaal. „Das Waalnetz erstreckt sich über mehrere Kilometer. Dabei sind diverse Nebenwaale noch gar nicht berücksichtigt“, schildert Holzner.
In Pfunds ist die Gruppe mit Hilfe von Altbürgermeister Peter Schwienbacher auch auf durchaus intakte Abschnitte gestoßen, etwa auf den oberen Höfewaal. Derartig gepflegte Waalwege könnte man sich nur wünschen. „Aber leider herrscht bei uns wenig bis null Interesse am Erhalt der Waale. Das ist bedauerlich. Wir sind der Meinung, dass das alte Kulturgut nicht im Boden ersticken darf“, betont die Gruppe. Ein Grund für das geringe Interesse liege auch in den immer wieder unklaren Wasserrechten.
In der Schweiz und in Südtirol hingegen hätten Waale und Waalwege einen vergleichsweise hohen Stellenwert. „Im Kanton Wallis sind alte Bewässerungskanäle in die Liste des Unesco-Kulturerbes aufgenommen worden“, zeigt die Tiroler Waalgruppe auf.
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