Vermisste Studenten in Mexiko - Tausende Seiten Dokumente öffentlich

Mexiko-Stadt (APA/AFP) - Im Fall von 43 vermissten mexikanischen Studenten hat die Generalstaatsanwaltschaft in einem ungewöhnlichen Schritt...

Mexiko-Stadt (APA/AFP) - Im Fall von 43 vermissten mexikanischen Studenten hat die Generalstaatsanwaltschaft in einem ungewöhnlichen Schritt 54.000 Seiten mit Dokumenten zu den umstrittenen Ermittlungen auf ihrer Homepage veröffentlicht. Darunter ist die Aussage eines Mitglieds einer Drogenbande, demzufolge mindestens neun der Opfer an einem anderen Ort als bisher offiziell angegeben getötet wurden.

Die Studenten waren Ende September 2014 in Iguala im Bundesstaat Guerrero verschwunden. Nach der Darstellung des damaligen Generalstaatsanwalts Jesus Murillo Karam nahmen Polizisten die Lehramtsstudenten auf Anweisung des Bürgermeisters fest und lieferten sie an Mitglieder des Drogenkartells Guerreros Unidos aus. Laut dieser Version wurden sie von Bandenmitgliedern ermordet und auf einer Mülldeponie bei der Stadt Cocula verbrannt. Der Staatsanwaltschaft zufolge seien die Studenten irrtümlich für Mitglieder eines rivalisierenden Drogenkartells gehalten worden.

Familien und Menschenrechtsgruppen äußern seit langem Zweifel an dieser Version, auch weil es keine stichhaltigen Beweise für die Verbrennungen gibt. Laut den nun veröffentlichten Dokumenten liegen widersprüchliche Aussagen der mehr als hundert Verdächtigen vor, die seither festgenommen wurden, darunter auch Mitglieder des Kartells Guerreros Unidos und lokale Polizisten. So sagte das bekennende Mitglied der Guerreros Unidos, Marco Antonio Rios Berber, dass 13 Studenten auf einen Hügel außerhalb von Iguala gebracht worden seien, wo mindestens neun getötet, teils verbrannt und in einer Grube verscharrt worden seien.

Der Fall hat Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto in Bedrängnis gebracht. Zum Jahrestag des Verschwindens der Studenten vor rund zwei Wochen demonstrierten tausende Menschen in Mexiko-Stadt. Sie forderten ein Ende der Straflosigkeit in Mexiko - hinter dem Fall der 43 Studenten würden sich tausende Verschwundene verbergen. In Mexiko gelten 20.000 Menschen als vermisst.

Zu Untersuchungen in dem Fall waren österreichische Experten herangezogen worden. Am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck (GMI) wurden sterbliche Überreste untersucht. Forensiker identifizierten zwei Opfer anhand von Leichenteilen, die auf der Abfalldeponie gefunden worden waren.