Der Ökonom Angus Deaton: Macht Geld glücklich und zufrieden?
Stockholm (APA/dpa/Reuters) - Geld macht glücklich - aber nur bis zu einem bestimmten Jahreseinkommen. Unter anderem diese Erkenntnis hat di...
Stockholm (APA/dpa/Reuters) - Geld macht glücklich - aber nur bis zu einem bestimmten Jahreseinkommen. Unter anderem diese Erkenntnis hat die Welt dem neuesten Wirtschaftsnobelpreisträger zu verdanken, dem Schotten Angus Deaton. Armut hingegen mache Menschen sowohl unzufrieden als auch unglücklich, fand der heute 69-Jährige im Jahr 2010 gemeinsam mit Kollegen heraus.
Deaton forscht und lehrt an der amerikanischen Elite-Universität Princeton. Auch heute noch sind es die Zusammenhänge von wirtschaftlicher Lage und Konsum mit Gesundheit und gefühltem Glück, die ihn beschäftigen. Einen Schwerpunkt legt er auf das Schwellenland Indien und die Frage, wie Armut sich wissenschaftlich fassen und messen lässt. In Arbeit ist seinem Lebenslauf zufolge eine Schrift darüber, welche Rolle Glücksmessung in der Politik spielen könnte.
„Um eine Wirtschaftspolitik zu entwerfen, die das Wohlergehen fördert und Armut reduziert, müssen wir zuerst die individuellen Konsumentscheidungen verstehen“, lobte das Nobelpreis-Komitee die Arbeit des 69-jährige Deaton, der in Schottland geboren wurde und seit 1983 an der Princeton University in den USA forscht und lehrt. „Mehr als jeder andere hat Angus Deaton dieses Verständnis verbessert.“
Konkret hob die Akademie drei wissenschaftliche Errungenschaften von Deaton hervor. Um 1980 hatte Deaton erstens gemeinsam mit dem Ökonomen John Muellbauer ein System entwickelt, um die Nachfrage für verschiedene Güter zu schätzen. Dieses System sei wichtig für wirtschaftspolitische Entscheidungen, heißt es in der Mitteilung. So helfe es Regierungen abzuschätzen, wie sich beispielsweise eine Mehrwertsteuererhöhung auf den Konsum auswirke und welche sozialen Gruppen dabei verlieren oder gewinnen.
Zweitens hob die Akademie Deatons Studien um 1990 hervor, die den Zusammenhang zwischen Konsum und Einkommen untersuchten. Dabei zeigte er auf, dass der Schlüssel zu einem besseren Verständnis von makroökonomischen Daten in der in der Betrachtung von Individuen liegt.
Und drittens würdigte die Akademie auch die jüngeren Arbeiten des Briten. Deaton nutzte für seine Ergebnisse die Befragung von Haushalten in Entwicklungsländern. Mithilfe von Daten zu den Konsumausgaben habe er Lebensstandard und Armut berechnet, erklärte die Akademie.
Der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler kam am 19. Oktober 1945 in Edinburgh zur Welt, sein schottischer Akzent ist aber kaum noch wahrnehmbar. Eine hartnäckige Skepsis und einen Widerwillen, Glück zu bemerken oder zuzugeben, habe er wohl seiner Herkunft zu verdanken, sagte Deaton, der häufig Fliege trägt, einmal in einem Interview. Seine Schwester und er waren demnach die ersten in der Familie, die auf die Universität durften. Er hat sowohl die britische als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und zwei erwachsene Kinder.
In Princeton lehrte Deaton bereits 1979/80 als Gastdozent. Weitere Stationen waren die renommierte englische Universität Cambridge, wo er 1974 promovierte, und Bristol. 2009 wurde er zum Präsidenten der traditionsreichen American Economic Association gewählt.
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