Landespolitik

Bewährungsprobe steht den Spitälern noch bevor

Gerhard Seier von der Gewerkschaft, Renate Larndorfer, Sprecherin Arge Klinikärzte, Ludwig Gruber von der Ärztekammer und Zentralbetriebsrat Gerhard Hödl (v. l.) riefen gestern zur Betriebsversammlung.
© Thomas Böhm

Obwohl die Ärzte dem Gehaltspaket zugestimmt haben, spießt es sich in einigen Kliniken. In den Dienstplänen könnten sich Lücken auftun.

Von Anita Heubacher

Innsbruck –An der Anästhesie gärt es. Obwohl bessere Gehälter für 2016 ausverhandelt wurden, ist die Stimmung gedämpft. Weil im Laufe des Jahres sehr viel gearbeitet wurde, wird es jetzt gegen Ende des Jahres eng. 30 der 160 Anästhesisten müssten tagelang Zeitausgleich nehmen, warnte ein Arzt gestern bei der Betriebsversammlung der Landesärzte. Ohne Anästhesisten keine oder weniger Operationen und damit längere Wartezeiten für Patienten. Auch in den kleineren Häusern der tirol kliniken wie in Natters wird es eng.

Der Hörsaal an der Klinik war gestern gut gefüllt, das Verhandlungsteam stolz auf die Ergebnisse und dennoch verhalten in der Erwartungshaltung. „Betriebsversammlungen können immer eine Eigendynamik entwickeln“, meinte Zentralbetriebsrat Gerhard Hödl. Auch im nächsten Jahr sollen 11,2 Millionen Euro plus Dienstgeberbeiträge den tirol kliniken und 3,7 Millionen Euro den Bezirkskrankenhäusern für Gehaltsnachbesserungen zur Verfügung gestellt werden. Wieder eine Übergangslösung, bis das neue Gehaltsschema tatsächlich steht. Mitte 2016 soll es soweit sein. Allein den Ärzten fehlte gestern der Glauben und wohl auch der Überblick. Gehälter seien kaum innerhalb Tirols zwischen den Bezirksspitälern und den Landeskrankenanstalten zu vergleichen, geschweige denn mit jenen in anderen Bundesländern, der Schweiz oder Deutschland, meinte Ludwig Gruber, Spitalsärztesprecher in der Ärztekammer.

Ein junger Allgemeinmediziner hatte jedoch seine Rechnung schnell parat. Mit dem „Schweigegeld des Landes“, wie er es nennt, sei er heuer auf 2000 Euro netto, ohne Dienste, gekommen. „Das ist weitaus weniger, als mein Kollege in Vorarlberg verdient.“ Dass es für 2016 wieder „nur“ eine Übergangslösung gibt, findet der junge Arzt „nicht gut“, stimmt aber am Ende dennoch zu.

„In manchen Abteilungen wird es knapp“, meinte Renate Larndorfer, Sprecherin der ARGE Klinikärzte. „Patienten werden Einschränkungen spüren“, meint die Unfallchirurgin. „Notfälle werden immer behandelt werden.“ Allein, bei der Definition „Notfall“ tun sich zwischen behandelndem Arzt und Patient oft Welten auf.

Larndorfer war bei den Verhandlungen mit Landeshauptmann Günther Platter und Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (beide ÖVP) dabei. „Es ist ein guter Kompromiss“, meint sie zur Übergangslösung.

Unterschiedliche Annäherungen gibt es auch zwischen Ärzten und Spitalsbetreibern, was die Nachbesetzung von Ärztestellen angeht. Die tirol kliniken erklären, sie hätten bereits 100 Stellen mit Ärzten und anderem medizinischen Personal aufgestockt, Ärzte erklären, sie würden davon wenig merken. „In ganz Österreich fehlen Ärzte. Unabhängig davon, ob die Gehaltsverhandlungen bereits gelöst sind oder nicht“, sagte Ärztekämmerer Gruber.

Die Verhandlungen will das Team im November wieder aufnehmen. Es wird „zweigleisig“ verhandelt. Einmal für Ärzte ab Mitte 40, die im alten Gehaltssystem bleiben dürften. Das alte System soll verbessert werden. Es belohnt nach dem Senioritätsprinzip. Je länger man dabei ist, desto besser steigt man aus. Junge Ärzte sollen ins neue Gehaltsschema, dort sind die Anfangsgehälter höher.

Die Ärztevertreter sind froh, dass sich die Arbeitgeberseite auf diese „Zweigleisigkeit“ eingelassen hat. Sie kostet unterm Strich mehr. Es wird nämlich noch lange dauern, bis sich die Gehaltskurve tatsächlich abflacht und man dort hinkommt, wo man hinwill: Zu einem konkurrenzfähigen Gehaltsschema für alle Spitäler, das höhere Anfangsgehälter und eine flachere Kurve gegen Ende vorsieht.