Präimplantationsdiagnostik - Aus Kulturflüssigkeit offenbar möglich 1

Wien (APA) - Seit Jahren tobt eine vor allem weltanschaulich motivierte Debatte über die Präimplantationsdiagnostik (PID) im Rahmen der In-V...

Wien (APA) - Seit Jahren tobt eine vor allem weltanschaulich motivierte Debatte über die Präimplantationsdiagnostik (PID) im Rahmen der In-Vitro-Fertilisierung (IVF). Wozu bisher Zellen des Embryos notwendig waren, könnte in Zukunft ohne sie an genetischem Material aus der Kulturflüssigkeit erfolgen. Ein Projekt dazu des Wiener IVF-Pioniers Wilfried Feichtinger soll jetzt in größerem Rahmen untersucht werden.

„Nach der Reform des Fortpflanzungsmedizingesetzes dürfen wir eine PID aus Blastozysten durchführen. Das ist der Entwicklungsstand einer befruchteten Eizelle unmittelbar vor der Implantation. Dazu müssen wir aber eine Biopsie vornehmen, um zumindest eine Zelle zu gewinnen. Das ist invasiv“, sagte Feichtinger. 1981 war er einer jener Gynäkologen an der Wiener Universitätsklinik im AKH, welche erstmals in Österreich eine IVF-Behandlung erfolgreich durchführten. Am Wochenende (9. und 10. Oktober) fand in Wien ein zweitägiges Symposium zum Thema „Reproduktionsmedizin und Genetik“ statt, bei dem Feichtinger seine neuen Ergebnisse vorstellte.

Feichtinger hat im März dieses Jahres an seinem „Wunschbaby Institut - WIF“ in Wien erstmals eine neue Methode für die Präimplantationsdiagnostik verwendet, auf die er über die Idee eines italienischen Wissenschafters gekommen war: „Dieser hat die Idee gehabt, dass genetisches Material der befruchteten Eizelle in der Kulturflüssigkeit nachzuweisen sein müsste, in der man die befruchteten Eizellen aufbewahrt. Womöglich könnte man damit eine nicht-invasive genetische Untersuchung durchführen.“

Der erste Fall stellte sich eben im Frühjahr dieses Jahres ein. „Im Zuge ihrer IVF-Behandlung hatte eine Patientin eine Polkörperdiagnostik zur genetischen Abklärung ihrer Eizelle, eine gesetzlich erlaubte Variante der Präimplantations-Diagnostik (PID), wie wir sie schon seit zehn Jahren durchführen. Normalerweise bekommen wir die Ergebnisse binnen zwei bis drei Tagen. Es lag aber das Wochenende dazwischen. Während auf das Ergebnis der Polkörperdiagnostik gewartet wurde, entwickelte sich diese Eizelle zur sogenannten Blastozyste“, erzählte der Gynäkologe. Das ist das Stadium der Embryonalentwicklung, die etwa ab dem fünften Tag nach der Befruchtung eintritt.

Das Ergebnis der Polkörperdiagnostik, bei der seit rund zehn Jahren nicht-invasiv zumindest das genetische Material der Mutter analysiert werden kann, ergab in diesem Fall mehrere genetische Veränderungen: eine Monosomie am Chromosom 12 und eine Trisomie am Chromosom 21. Ein Embryotransfer hätte wegen der Anomalie auf dem Chromosom 12 nicht stattfinden können, weil der Embryo nicht überlebensfähig gewesen wäre. Um die Idee des italienischen Wissenschafters zu überprüfen, untersuchten Feichtinger und sein Team die Kulturflüssigkeit, in welcher die sich entwickelnde befruchtete Eizelle bis zum vierten Tag aufbewahrt worden war. Zur Überraschung der Beteiligten ließ sich genetisches Material aus der Nährlösung extrahieren und vervielfältigen. Damit wurde eine genetische Untersuchung möglich.

„Zu unserer Begeisterung erhielten wir dasselbe Ergebnis, wie schon aus den Polkörpern (Monosomie 12 und Trisomie 21; Anm.), womit der Beweis erbracht war, dass eine komplette und korrekte Chromosomenanalyse im Sinne einer Präimplantationsdiagnostik sogar aus dem Kulturmedium möglich ist“, sagte der Experte. Der Vorteil liegt darin, dass bei der ebenfalls nicht-invasiven Polkörperdiagnostik nur das Erbmaterial der Mutter untersucht werden kann. Genetisches Material einer Blastozyste ist das komplette Untersuchungsmaterial mit den Erbinformationen von Mutter und Vater.

(Zu diesem Thema sind zwei Bilder im AOM vom 25. März 2015)