Zum Studieren nach Wien und wieder retour
Beinahe jeder zehnte Tiroler Student absolviert sein Studium in Wien. Die Großstadt und die Vielfalt an Studien locken. Dennoch kehren viele zurück.
Von Carina Engel
Wien –Das elterliche Nest verlassen, nach Wien ziehen, ein Studium beginnen, neue Freunde gewinnen – jährlich wagen rund 200 Tiroler diesen Schritt und tauschen ihre Heimat gegen die Bundeshauptstadt. Nahezu jeder zehnte Tiroler Student geht somit seinem Studium an einer der neun öffentlichen Universitäten in Wien nach.
Die Gründe für den Umzug sind jedoch verschieden: Während einige die Heimat verlassen, um erste Erfahrungen in einer anderen Umgebung zu sammeln, ist für die Mehrheit vor allem die Wahl des Studiengangs ausschlaggebend. „Das Hauptmotiv für einen Umzug nach Wien ist wohl, dass das Studium, das man absolvieren möchte, in Tirol nicht angeboten wird“, meint Marco Meusburger, selbst Student an der Technischen Universität (TU) sowie Leiter des Tiroler Studentenheims in Wien, das pro Jahr rund 125 Studierende aus Nord-, Ost-, und Südtirol beherbergt.
Dass vor allem fachspezifische Universitäten immer mehr Tiroler anlocken, lässt sich auch anhand der Studierendenzahlen belegen: Während die Gesamtzahl der Tiroler an der allgemeinen Universität Wien in den vergangenen zehn Jahren von rund 600 auf 480 gesunken ist, hat sich der Anteil der Tiroler an der Universität für Bodenkultur (BOKU) im selben Zeitraum von 109 auf 233 mehr als verdoppelt.
BOKU-Studentin Anna ist eine von ihnen. Vor zwei Jahren kehrte die Innsbruckerin ihrer Heimat den Rücken, um in Wien Umwelt- und Bioressourcenmanagement zu studieren. Mittlerweile fühlt sich Anna an ihrem neuen Wohnort sehr wohl, auch wenn „es anfangs ein bisschen schwierig für mich war, mich einzugewöhnen“, gibt die 21-Jährige zu. Gerade die Umzugsphase bringt für die angehenden Studierenden eine Menge Schwierigkeiten mit sich. Die Suche nach einem leistbaren WG- oder Wohnheimplatz wird auch in der Großstadt Wien immer schwieriger, erklärt Lucia Grabetz aus dem Vorsitzteam der ÖH-Bundesvertretung: „Es gibt einerseits viel zu wenig leistbare Studierendenwohnheime in Wien, andererseits kosten WG-Zimmer aufgrund der steigenden Mieten oft über 400 Euro im Monat.“
Zudem seien die Lebenshaltungskosten in den letzten Jahren kräftig gestiegen, die Bemessungsgrundlagen für Beihilfen jedoch nicht an diese geänderten Verhältnisse angepasst worden. Die Höchststudienbeihilfe liege mit rund 670 Euro im Monat „weit unter dem Existenzminimum“, kritisiert Grabetz. „Ich musste mir einen Nebenjob suchen, damit ich mir das Leben in Wien finanzieren kann“, erzählt der 19-jährige Stefan, der an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) studiert. Wer sich wie er für ein Studium mit Zugangsbeschränkung entscheidet, muss sich neben der Wohnungs- und Jobsuche auch noch für die entsprechende Aufnahmeprüfung vorbereiten. „Das war stressig“, resümiert der Tiroler.
Der Umzug in die Bundeshauptstadt lohne sich aber, findet Politikwissenschaft-Studentin Lena. Die 21-Jährige genießt vor allem das facettenreiche Freizeitangebot in ihrer neuen Heimat. Zudem könne man in der Großstadt internationale Kontakte knüpfen und bekomme somit ein Gefühl für andere Kulturen. „Diese Vielfalt fasziniert mich und durch sie habe ich Wien lieben gelernt“, schwärmt die Studentin. Eine Rückkehr nach Innsbruck kommt für sie zurzeit nicht in Frage.
Für die Mehrheit der Bewohner des Tiroler Studentenheims allerdings sehr wohl. „Der Großteil kehrt nach dem Studium wieder zurück in die Heimat, nur wenige bleiben langfristig in Wien“, erklärt Heimleiter Meusburger, der nach Abschluss seines Studiums selbst seine Rückkehr nach Tirol plant. Prinzipiell sei Wien zwar eine durchaus lebenswerte Stadt, „was aber einfach fehlt, sind die Berge“.
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