Wien-Wahl: Gudrun Kugler will nicht umstritten sein
Wien (APA) - In den Reihen der Wiener ÖVP wird künftig Gudrun Kugler im Gemeinderatssaal einen Platz einnehmen. Die für ihre christlich-kons...
Wien (APA) - In den Reihen der Wiener ÖVP wird künftig Gudrun Kugler im Gemeinderatssaal einen Platz einnehmen. Die für ihre christlich-konservative Einstellung bekannte Juristin schaffte den Einzug über die Vorzugsstimmen. Sie zählte auch 2005 bei der Wien-Wahl zu den schwarzen Nominierten. Damals sorgte ihre Kandidatur für Kritik von SPÖ und Grünen. Deren Nachwehen spürt sie nun - will das aber nicht.
Vor zehn Jahren warf ihr beispielsweise die damalige Frauen- und nunmehrige Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) vor, „in der radikalen AbtreibungsgegnerInnen-Szene nachweislich fest verankert“ zu sein. „Im Wiener Gemeinderat gibt es keinen Platz für frauenfeindlichen Fundamentalismus“, polterte die Sozialdemokratin damals. Einer der Gründe für die rote Kritik: Die radikale Anti-Abtreibungsorganisation „JA zum Leben“ sprach damals eine Wahlempfehlung für Kugler aus.
Kugler unterstrich im Interview mit der APA, dass sie sich damals in Stellungnahmen „klar“ davon distanziert hätte: „Eine Gruppe hat mich mit absurden Argumenten, die ich nie geteilt habe und die haarsträubend waren, unterstützt.“ Der Gemeinderätin in spe zufolge habe besagte Organisation übrigens in diesem Wahlkampf die FPÖ unterstützt. Weiters beteuerte sie, weder radikal noch frauenfeindlich zu sein: „Wer mir die Chance gibt und sich die Forderungen ansieht, wird sehen, dass er das meiste davon mittragen kann.“ Kugler hat es 2005 übrigens nicht in den Gemeinderat geschafft.
Auch „umstritten“, so wie sie in manchen Medien derzeit bezeichnet wird, möchte die 38-Jährige nicht sein: „Dass mich viele Grüne und Rote nicht mögen, das gehört zum politischen Dialog.“ Aber von ihrer Partei, der ÖVP, sei sie immer unterstützt worden und nie umstritten gewesen: „Ich habe sicher mehr Farbe als viele andere. Aber Farbe ist ja etwas, was man sich in der Politik wünschen sollte.“ Was ihre künftige Polit-Arbeit betrifft, so möchte sie ihre Schwerpunkte auf die Themen Familie, Menschenwürde - und Rechte, Internationales und Europa legen.
Sie kann allerdings nicht zu 100 Prozent ausschließen, nicht gegen die Parteilinie zu stimmen: „Ich bin zuallererst meinem Gewissen, meinen Überzeugungen und auch meinen Wählern verpflichtet, aber ich glaube, dass es keinen Konflikt geben wird.“ Denn ihre Überzeugungen würden Eins zu eins mit jenen der ÖVP übereinstimmen. Das sei beispielsweise beim Thema Abtreibung der Fall: „Im ÖVP-Grundsatzprogramm steht drinnen: ‚Wir lehnen die Abtreibung ab‘“, zitierte Kugler. Und diese Meinung vertrete sie.
Was das Stichwort „Homoehe“ betrifft, so betont sie: „Es gibt viele Arten von Liebe. Es gibt aber eine Art der Liebe, die für den Staat ganz besonders interessant ist: Das ist die, in der Kinder entstehen und deswegen finde ich es sinnvoll die derzeitige Gesetzeslage beizubehalten.“ Voll des Lobes ist die Neo-Mandatarin für den neuen Landesparteichef Gernot Blümel. „Ich glaube, er ist jemand, der überzeugend ist, der ein Charisma hat, auf Leute zugehen kann. Ich glaube, es wird eine sehr gute Zusammenarbeit“, ist sie sich sicher.
Kugler hat Jus studiert, einen Master der Theologischen Studien zu Ehe und Familie und ist außerdem Magistra der Gender Studies. Politisch aktiv wurde die Vorsitzende der ÖVP-Frauen im 15. Wiener Gemeindebezirks mit 28 Jahren, als sie nach Auslandsaufenthalten in Brüssel und New York nach Wien zurück kam. Sie tritt für christliche Werte ein: Für sie heiße gelebtes Christentum, in allem eine Haltung der Liebe zu haben: „Es heißt auch Authentizität und dass ein Miteinander trotz Meinungsverschiedenheiten auf guter Basis möglich sein kann.“
Die christlichen Werte hätten übrigens auch Österreich geprägt: „Wenn wir diese Prägung über Bord werfen, dann fehlt uns etwas in der Substanz.“ Auf die Frage, ob durch Zuwanderung Andersgläubiger eine Gefahr ausgehe, befand sie: „Integration gelingt immer dann am Besten, wenn die aufnehmende Gesellschaft eine starke gemeinsame Werteidentität hat. Ich glaube, dass wir das nicht haben - und dass es deswegen zu Schwierigkeiten kommen kann.“
Gemeinsam mit ihrem Mann Martin hat sie in den vergangenen zehn Jahren zwei Unternehmen aufgebaut: Ein NGO-Beratungsunternehmen und eine Online-Dating-Agentur für Gläubige. Wobei das Paar bei letzter laut eigenen Angaben geschafft haben, eine Nische zu besetzen - sie wurde bisher in zehn Länder expandiert. Sie ist außerdem Mutter von vier Kindern zwischen ein und neun Jahren. Wie sie es schafft, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen? „Das ist eine große Herausforderung. Ganz wichtig sind Disziplin und Effizienz.“ Auch der persönliche Preis sei hoch: „So was geht natürlich auf Kosten von Freundinnen und Freizeitbeschäftigungen für die keine Zeit mehr bleiben.“
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