Straches „Selbstdemontage“ im Netz

TT-Karikaturist klagte FPÖ-Chef auf Urheberrechtsverletzung und bekam Recht.

Das Original.
© Szyszkowitz

Innsbruck –Man nehme Teile einer politischen Karikatur, montiere sie mit Teilen einer anderen und siehe da: Die ursprünglich intendierte Kritik verwandelt sich in allerschönste Parteiwerbung. So geschehen mit einer Karikatur von Markus Szyszkowitz, alias Rachel Gold, dessen bereits vor drei Jahren in der Tiroler Tageszeitung erschienener Cartoon mit dem Titel „Selbstdemontage“ in die Hände von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache fiel. Und Anfang dieses Jahres auf dessen Facebook-Seite auftauchte. Allerdings in völlig veränderter Form: Strache verwendete nur Teile der Karikatur, nämlich die „Selbstdemontage“ von Faymann und Spindelegger, sich selbst – von Szyszkowitz ursprünglich mit einem Billa-Sackerl über dem Kopf gezeichnet – stellte er in seiner Version als lachenden Dritten auf einen deutlich erhöhten Sockel.

Freie Facebook-Interpretation auf HC Straches Facebook-Seite.
© Screenshot: TT

Eine Verletzung des Urheberrechts, urteilte das Wiener Handelsgericht im Juli. Nicht nur Szyszkowitz, sondern auch sein Berufskollege Bernd Weidenauer hatten dort Klage eingebracht, nachdem der FPÖ-Chef in seiner Facebook-Montage auch eine Strache-Darstellung Weidenauers verwendet hatte. Strache habe „das Cartoon des Klägers ohne dessen Einwilligung und ohne Anführung der Urheberrechtsbezeichnung“ veröffentlicht, „um für seine Partei, die FPÖ, zu werben“, befand das Gericht, der Beklagte hat eine Schadenersatzzahlung zu leisten und muss das Urteil vier Wochen lang auf seiner Facebook-Seite veröffentlichen. Eine Revision von Straches Anwälten wurde jetzt vom Oberlandesgericht abgewiesen.

In der FPÖ wollte man auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung das Urteil nicht weiter kommentieren. Noch habe die Partei Zeit, um gegen das Urteil ein Rechtsmittel einzubringen. Noch sei aber keine Entscheidung gefallen, hieß es aus dem Büro von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. (TT)

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