Kindergarten: Schweiz als Vorbild für Zusammenarbeit mit Schule

Wien (APA) - Die Verbesserung des Übergangs vom Kindergarten in die Volksschule bzw. die Aufwertung des Kindergartens zur Bildungseinrichtun...

Wien (APA) - Die Verbesserung des Übergangs vom Kindergarten in die Volksschule bzw. die Aufwertung des Kindergartens zur Bildungseinrichtung haben sich ÖVP und SPÖ im Regierungsprogramm vorgenommen. Als Vorbild könnte dabei die Schweiz dienen, wie sich bei einem Expertengespräch am Dienstag im Rahmen der D-A-CH-Konferenz zur Elementarpädagogik mit Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zeigte.

In der Schweiz wurde gerade ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr in einer etwas abgeschwächten Form eingeführt. Da Bildung Kantonssache ist, verpflichteten sich diese mittels einer sogenannten interkantonalen Vereinbarung zu zwei obligatorischen Kindergartenjahren. In den meisten Kantonen wurden diese per Gesetz umgesetzt, rund 20 Prozent schreiben den Gemeinden zumindest ein zweijähriges Angebot vor, so Hans Ambühl, Generalsekretär der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Dieses werde zu rund 95 Prozent angenommen.

Die Organisationsform ist dabei frei: Die frankophonen Kantone in der Westschweiz würden den Kindergarten traditionell bereits als eine Art schulische Einrichtung sehen, während die Deutschschweizer eher der Vorstellung des Kindergartens als Spielort anhängen, in der es Unterrichtssituationen zu vermeiden gelte.

In der Schweiz sei aber immer klar gewesen, dass der Kindergarten eine Bildungsinstitution ist, betonte Ambühl. „Es war immer schon das Bildungsressort, das sich um den Kindergarten gekümmert hat.“ Auf lokaler Ebene werde außerdem der Kindergarten von der örtlichen Schulleitung verantwortet. „Der Übergang in die Schule ist damit kaum mehr wahrnehmbar.“ Auch ein Datentransfer über die einzelnen Kinder sei selbstverständlich: „Das hat sich im Nu ergeben, wo es vorher noch nicht so war.“

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Anders als in Österreich entscheidet im Regelfall auch nicht die Schulleitung über die Schulreife der Kinder. Vielmehr gebe es ein Gespräch zwischen Eltern und Kindergartenpädagoginnen, in das die Schuldirektion nur bei Bedarf als Moderatorin einbezogen werden kann. „Viel spannender“ ist für Ambühl die „Einkindergartnerung“ mit vier Jahren: Hier werden rund zehn Prozent der Kinder für ein Jahr zurückgestellt - „in aller Regel“ ebenfalls konsensual.

Die Ausbildung der Elementarpädagogen erfolgt an Pädagogischen Hochschulen (PH) und damit auf tertiärem Niveau: Die PH sind dabei in der Anordnung ihrer Angebote frei, betonte Ambühl: So gebe es die Möglichkeit einer speziellen Ausbildung nur für die beiden Kindergartenjahre, andere Ausbildungen umfassen die Unterrichtsbefugnisse für die ersten vier oder gar die ersten acht Jahre. Bei den Öffnungszeiten oder Gruppengrößen der Kindergärten gibt es keine bundesweiten Vorgaben, sondern nur kantonale Regelungen so Ambühl. So entstehe zum Teil eine Art „Wettbewerb“.

Heinisch-Hosek sah in Österreich einen „positiven Druck“: Es setze sich auch hierzulande immer mehr die Auffassung durch, dass der Kindergarten eine Bildungseinrichtung und keine „Aufbewahrungsstätte“ sei. In Sachen fließendem Übergang in die Volksschule wolle sie sich „viel abschauen“: In Österreich sei es nach wie vor so, dass der Eintritt in den Kindergarten ab einem bestimmten Alter als Rechtsanspruch verankert und die erste Hürde mit sechs Jahren ein Gespräch mit der Schulleitung sei. Auch Themen wie die Datenweitergabe vom Kindergarten an die Volksschule müssten geregelt werden.

Bei der Elementarpädagogik-Ausbildung sei sie nicht der Ansicht, „dass morgen alle tertiär ausgebildet werden müssen“. Das würde auch Ansehen und Leistung derjenigen schmälern, die bereits im Beruf stünden. Wichtiger sei es, andere Hürden zu beseitigen: So müsse man etwa als Aufnahmevoraussetzung an einer Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP) nach wie vor vorsingen. Gerade Männer - aber natürlich auch Frauen - würden sich dem aber oft nicht aussetzen wollen. „Die können aber pädagogisch ganz toll sein.“


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