Reisebus-Unfall in Obsteig: Mit Glück an Tragödie vorbei
Ein Großaufgebot von Einsatzkräften barg gestern 34 Insassen eines Reisebusses. Dieser war von einem Lkw-Anhänger getroffen worden und darauf in den Straßengraben gekippt.
Von Reinhard Fellner und Matthias Reichle
Obsteig – Großalarm für alle Rettungskräfte im Bezirk Imst. Um 17.23 Uhr meldete gestern die Leitstelle, dass sich auf der Mieminger Straße ein Busunfall mit mehreren Verletzten ereignet hatte. Dabei war ein ungarischer Reisebus, der mit 33 Fahrgästen aus China gerade in Richtung Fernpass unterwegs war, auf der kurvigen Straße mit dem Anhänger eines Sattelzuges aus dem Bezirk St. Johann im Pongau kollidiert. Durch die Wucht des seitlichen Anpralls kippte der bergwärts fahrende Reisebus meterweit die Böschung am Straßenrand hinunter.
Laut Polizeisprecher Stefan Eder wurden dabei 22 der Businsassen verletzt. Eine Person schwer aufgrund einer massiven Beckenverletzung. Aufgrund der äußerst schnell funktionierenden Rettungskette waren erste Einsatzkräfte schon knapp zehn Minuten später vor Ort, auch nachfolgende Autofahrer leisteten Erste Hilfe. Bezirksrettungskommandant Martin Dablander zur Tiroler Tageszeitung: „Die Verunglückten waren allesamt schockiert. Die größte Herausforderung für uns war anfangs, dass keine der Personen Deutsch, ja nicht einmal Englisch sprach.“
110 Feuerwehrleute der Feuerwehren Obsteig, Silz, Mieming und Telfs bargen zeitgleich mit der Erstversorgung Verunglückte aus dem Bus und dem Böschungsbereich. Oben auf der Straße wurden für die Unfallopfer Rettungsliegen und Decken zur Verfügung gestellt. Die schwerer verletzten Personen wurde anschließend mit den Hubschraubern Christophorus 1, RK2 und Martin sofort in die Klinik geflogen, wie Bezirksfeuerwehrinspektor Josef Wagner bestätigte.
Glück im Unglück
Nach Ansicht aller Beteiligten handelte es sich bei dem gestrigen Unfall trotz der Dramatik und der Situation im schwierigen Gelände jedoch um Glück im Unglück. War doch zunächst befürchtet worden, dass sich noch Personen unter dem Bus befänden. Dies insbesondere deshalb, da seitens des ungarischen Buslenkers erst widersprüchliche Angaben zur Anzahl der Insassen gemacht worden waren und so anfänglich Verunfallte noch als vermisst galten.
Erst eine halbe Stunde später konnte diesbezüglich Entwarnung gegeben werden. Noch unklar ist, unter welchen Umständen der Bus mit dem Lkw-Anhänger kollidiert war. Polizeisprecher Eder: „Fest steht nur eine seitliche Kollision. Ob der Anhänger ausgebrochen ist oder eines der Fahrzeuge die leichte Rechtskurve geschnitten hat, muss erst ermittelt werden.“ Der Lkw-Zug war jedenfalls erst beim Gasthof Fernblick in Fronhausen stehen geblieben. Eder gegen 20.30 Uhr: „Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat mittlerweile die Sicherstellung beider Fahrzeuge angeordnet.“
Bereits wenig später war der total beschädigte Reisebus aus der Böschung gehoben. Dazu war die Berufsfeuerwehr Innsbruck mit einem Kranwagen nach Obsteig gekommen. Ein Oberländer Abschleppunternehmen unterstützte die Bergung des tonnenschweren Busses. Der aufgestaute Verkehr musste kurzzeitig umgeleitet werden.