Ski Alpin

Selbst Hirscher staunte über das deutsche Selbstvertrauen

Wer wird am Ende der Saison jubeln ? Deutschlands Ski-Star Felix Neureuther (l.) oder wieder der Salzburger Marcel Hirscher?
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Felix Neureuther und Fritz Dopfer schwärmen vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden (25.10.) vom stärksten deutschen Ski-Team seit Langem.

Von Susann Frank

Uderns –„Bin ich schick genug angezogen?“, fragte Felix Neureuther einen Offiziellen des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) und grinste verschmitzt. Zum großen Medien-Termin im neuen Vier-Sterne-Superior-Hotel Residenz Zillertal in Uderns erschien das deutsche Slalom-Ass in unkonventioneller, legerer Kleidung und wie gewohnt gut gelaunt.

Dabei hatte der „Spezi“ und auch Dauerrivale von Marcel Hirscher gesundheitlich gesehen ab dem Frühjahr wenig zu lachen. Sein langjähriges Kreuz mit dem Kreuz machte es dem 31-Jährigen unmöglich, bis vor drei Wochen auch nur einen Schwung im Schnee zu ziehen.

Reha-Einheiten mit seinem neuen Physiotherapeuten, dem Schwazer Oliver Saringer, und Kräftigungsübungen bestimmten den Alltag des Slalomweltcup-Zweiten. Das erste Mal auf Ski habe er sich dann „wie auf rohen Eiern gefühlt“, berichtete der WM-Bronzegewinner im Slalom. Ob er beim Riesentorlauf in Sölden (25.10.), eines „der anstrengendsten Rennen der Saison“ für ihn, starten werde, wollte er abhängig von seinem Befinden erst kurz vor dem Saison-Auftakt kommende Woche entscheiden.

Sprüche wie: Er wünsche sich „Gesundheit und Hirscher soll Schachprofi werden“, zählen ebenso zum Repertoire des wohl ewigen Lausbuam wie seine ehrgeizigen Ziele. So peilt der wortgewandte Bayer trotz seiner latenten Rückenprobleme eine Karriere bis zu den Olympischen Spielen 2018 in ­Pyeongchang (KOR) an. Und diese Saison will er auch mit weniger Trainingsläufen den anderen das Leben schwermachen. „Bei mir muss es auf den Punkt funktionieren.“

Der Ehrgeiz des Technikspezialisten wurde und wird allerdings auch durch eine neue Situation im deutschen Herren-Team angestachelt. Es hat personellen Zuwachs gegeben: sowohl bei den Fahrern als auch bei den Trainern. „Unsere Mannschaft steht sensationell gut da. Wir sind acht Burschen und vier Trainer. Ich weiß nicht, wann es so etwas das letzte Mal gab“, sagte Neureuther. Der gebürtige Tiroler und Wahl-Deutsche Fritz Dopfer (Vize-Weltmeister Slalom/28) und er seien jetzt die zwei Alten im Team. Der Gesamtweltcup-Fünfte Dopfer, der diese Saison sowohl im Slalom als auch im Riesenslalom zum Favoritenkreis zählen will, betonte: „Jetzt kann man sich richtig gut gegenseitig pushen.“

Auch das Bild nach außen sei nun ein neues. „Wir werden als Mannschaft wahrgenommen.“ Neureuther schilderte folgendes Erlebnis: „Marcel hat neben uns im Pitztal trainiert und kam zu mir und sagte: ,Die Jungs geben ja richtig Gas.‘“

Der neue Auftritt ist ausgerechnet dem österreichischen Erfolgstrainer Mathias Berthold geschuldet. Brachte der Vorarlberger bei den rot-weiß-roten Herren von 2010 bis 2014 Asse wie Abfahrts-Olympiasieger Matthias Mayer hervor, zeichnet der 50-Jährige verantwortlich für den historischen Erfolg bei den deutschen Technik-Herren in der vergangenen Saison. Zudem verhinderte er die angedachte Aufgabe der Abfahrtsgruppe im schwarz-rot-goldenen Alpinlager, holte Physiotherapeut Saringer vom ÖSV und setzte in Zusammenarbeit mit DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier auf mehr Technik-Trainer und ein neues Nachwuchssystem. „Mathias meinte, dass wir den Hype mit Felix und Fritz nützen könnten und so die Spitzenleute fordern, wie sie es bräuchten“, erklärte Maier.

Ob die Deutschen jetzt den Österreichern den Kampf ansagen wollen? „Die Jungen müssen erst einmal etwas gewinnen. Und sich über die Österreicher lustig machen wäre, wie wenn sie sich über die deutsche Nationalmannschaft lustig machen würden“, betonte Neureuther. Auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, ist für den berühmten und beliebten Sohn von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther wichtig. Als er im Radio gehört habe, dass die Österreicher sich für die Fußball-EM schon über ein Hotel für das Endspiel Gedanken gemacht hätten, habe er „schon geschmunzelt“.