Europäische Saatgutfirmen spenden für FAO-Vertrag zu Pflanzengenetik
Wien (APA) - In den vergangenen Tagen hat in Wien der Jahreskongress der europäischen Saatgutindustrie (ESA), der die Saatgut Austria angehö...
Wien (APA) - In den vergangenen Tagen hat in Wien der Jahreskongress der europäischen Saatgutindustrie (ESA), der die Saatgut Austria angehört, stattgefunden. Die FAO (Agrar- und Ernährungsorganisation) erhielt einen Scheck über 300.000 Euro, „als freiwilliges Symbol und politisches Zeichen der Unterstützung eines Standardvertrags im Rahmen des FAO-Rechtssystems“, so ESA-Vorstand Garlich von Essen vor Medien.
Dabei geht es um den „Internationalen Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft“ (siehe http://go.apa.at/LWp74HI8), der aus Sicht der ESA „funktioniert“, aber verbessert gehört. Es gehe darum, Samenbanken zu finanzieren, Samen zu konservieren, klassifizieren und weitere Projekte. Die Genressourcen der Welt würden zwar nicht ganz gerettet, aber beim Vertrag, der noch weiterverhandelt wird, handle es sich um ein System dafür, so von Essen. Es gehe um den Zugang zu genetischer Variabilität beim Saatgut und darum, wie man die Finanzierung regelt.
„Der Rückfluss muss stimmen“, sagte der Obmann von Saatgut Austria, Michael Gohn. „Züchtung kostet viel Geld. Und der Forschungskoeffizient gemessen am Umsatz beträgt 15 Prozent pro Jahr - wie in der Pharmabranche.“ Im Vertrag seien alle Partner gleich - egal ob Riesen wie Monsanto oder eine kleine Firma.
Großes Thema beim Kongress waren auch erste Ergebnisse einer Studie der HFFA Research GmbH, beauftragt von der Europäischen Technologieplattform Pflanze für die Zukunft, die 2016 veröffentlicht wird. Die Studie soll als Einschätzungshilfe für die EU-Kommission und deren Fördervergabe dienen. So kommt die Studie unter anderem zum Schluss, dass es EU-weit durch einen Zuchtfortschritt eine Ertragssteigerung von 15 Prozent seit dem Jahr 2000 gab. Inputs wie Dünge- und Pflanzenschutzmittel gingen zurück, da dank Genetik viele Resistenzen einkreuzbar würden. Es gebe „eher eine Extensivierung der Landwirtschaft, kompensiert durch Genetik-Fortschritte“.
Der relative Einfluss der Genetik wird demnach höher. Zwischen 1950 und 1980 lag der Produktivitätsfortschritt durch die Zucht bei 50 Prozent verglichen zu anderen Inputs. Richtung 2050 geht dieser Wert Richtung 80 Prozent, so die ESA.
Die Organisation ist übrigens auch pro Freihandelsabkommen TTIP. Das europäische Sortenschutzrecht würde durch das geplante Abkommen mit den USA nicht gefährdet und nicht geändert. Es käme nur zu Vereinfachungen im gegenseitigen Deklarieren von Saatgut, so von Essen.
Gohn betonte, dass die „Gentechnikfreiheit in Österreich erwünscht ist. Wir können sehr gut damit leben.“ Koordination auf europäischer Ebene fordert er hingegen bei Zulassungen bestimmter Beizmittel. Hier gibt es welche, die in Österreich zugelassen sind, aber im potenziellen Zielland in Europa unbekannt seien, „hier gibt es Handlungsbedarf“.
Züchtungen von österreichischen Saatgutfirmen seien insgesamt zwar gut vertreten am Heimmarkt, züchten aber keineswegs nur für diesen, so Gohn. Für entsprechende Einkünfte im Verhältnis zum Zuchtaufwand müsse man exportieren. Von 96.000 Tonnen Saatgutabsatz um 142 Mio. Euro pro Jahr werden also rund 14.000 Tonnen ausgeführt. 60 Prozent des hierzulande gezüchteten Saatguts sind Getreide und Mais, so Gohn.
Die ESA hat 35 nationale Verbände und 70 Einzelunternehmen als Mitglieder. Über die nationalen Verbände sind einige Tausend Unternehmen repräsentiert.
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