Spenden für die Forschung: Mühsame Arbeit „im Steinzeitalter“
Wien (APA) - Beim Versuch, private Mittel für den Forschungsbereich einzuwerben, komme man schnell zu dem Schluss, dass Österreich „im Stein...
Wien (APA) - Beim Versuch, private Mittel für den Forschungsbereich einzuwerben, komme man schnell zu dem Schluss, dass Österreich „im Steinzeitalter“ feststeckt. Das erklärte der ehemalige Geschäftsführer des Wissenschaftsfonds FWF, Gerhard Kratky, am Mittwoch bei der Tagung des Fundraising Verband Austria in Wien. Ein Gesetzespaket könnte Veränderung bringen, lässt aber noch auf sich warten.
Laut einem Aktionsplan der Regierung sollen Gemeinnützige Stiftungen bald ähnlich einfach wie Vereine gegründet werden können und die Spendenabsetzbarkeit für solche Stiftungen erleichtert werden. Von dem angekündigten „Gemeinnützigkeitspaket“ erwarteten sich die Teilnehmer einer Diskussion im Rahmen der Tagung eine Art Initialzündung, was die Möglichkeiten für Hochschulen und Forschungsinstitutionen betrifft, private Geldgeber zum Engagement zu motivieren.
Bedauert wurde, dass das lange erwartete Gesetzespaket bisher noch nicht in Begutachtung geschickt worden ist. Klar sei, dass auch die heimischen Institutionen in Sachen Fundraising professioneller werden müssen, der größere Hemmschuh seien aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die viel zitierte fehlende Kultur zum Mäzenatentum.
In Zeiten klammer öffentlicher Kassen und entsprechend langsam wachsender Hochschulbudgets seien viele Institutionen seit einigen Jahren vermehrt gezwungen, die Fühler in Richtung potenzieller Mäzene auszustrecken. Angesichts dessen werde es in Zukunft einen größeren Wettbewerb geben. Das sei „eine gute Sache“, leider ist der Kuchen klein, da eine Kultur des privaten Engagements in dem Sektor immer noch kaum entwickelt ist, so Kratky, der sich seit einigen Jahren im Auftrag des FWF dem Thema „Mäzenatentum in der Forschung“ widmet.
Trotz immer strukturierterer Versuche seien Fundraising-Erfolge oft eine Art „Lucky Punch“, wie Michael Krebs, der sich am Institut für Molekulare Biotechnologie in Wien (IMBA) seit einigen Jahren in dem Bereich engagiert, ausführte. Es brauche jedenfalls langwierige Aufbauarbeit, die oft damit beginne, einfach zu erklären, was Wissenschaft überhaupt ausmacht und was man mit Forschung bewegen kann.
Man brauche „viel Geduld und muss auch leidensfähig bleiben“, meinte Gottfried Stienen von der „Paracelsus Medizinische Privatuniversität“ in Salzburg - eine Einrichtung, die immerhin eine Spende in Höhe von 70 Mio. Euro von Dietrich Mateschitz für ein neues Forschungszentrum für Querschnittslähmung erhalten hat. Vom ersten Kontakt mit einem potenziellen Geber bis zur Vertragsunterzeichnung vergingen oft zwölf bis 18 Monate. Die Chancen auf Erfolg stiegen jedenfalls, wenn man einen Mäzen finde, der in ein Forschungsthema emotional involviert ist und in dem Bereich „etwas gestalten möchte“.
Tiere seien besonders gute Emotions-Botschafter, insofern habe man an der Veterinärmedizinischen Universität Wien einen Vorteil, so Rektorin Sonja Hammerschmid. Trotzdem war es Glück, als man 2010 den Zuschlag für die Einrichtung eigenes eigenen Forschungsinstituts - finanziert durch die Schweizer Messerli-Stiftung - erhielt. Seit diesem „Glückstreffer“ habe man „enorm viel dazu gelernt“, so Hammerschmid, für die Fundraising zum großen Teil „Chefsache“ ist.
Großspender seien in ihrer Motivation und Erwartungen oft anders als Menschen, die sich mit eher kleinen Beträgen engagieren, erklärte Eva Aldrich, Präsidentin des internationalen Qualitätssicherungsverbandes für Fundraising-Organisationen CFRE, in einem Vortrag. Viele hätten selbst Unternehmen aufgebaut und wollen daher den „Impact ihrer Arbeit auch sehen“. Sie verfolgen eine „Vision“ und suchen daher nach visionären Wissenschaftern, mit denen sie eine Beziehung aufbauen können, sagte die US-Amerikanerin. Oft seien daher nicht die professionellen Fundraiser, sondern die Forscher selbst die besten Ansprechpartner für solche Mäzene. „Die wollen manchmal sogar ihre Hände schmutzig machen und mit den Wissenschaftern ins Feld gehen“, so Aldrich.
Kommentare