Berufungsprozess gegen Foltergefängnis-Direktor in Rumänien begonnen

Bukarest (APA/AFP) - In Rumänien hat am Mittwoch der Berufungsprozess gegen den früheren Foltergefängnis-Direktor Alexandru Visinescu begonn...

Bukarest (APA/AFP) - In Rumänien hat am Mittwoch der Berufungsprozess gegen den früheren Foltergefängnis-Direktor Alexandru Visinescu begonnen. Der 90-Jährige war im Juli in erster Instanz wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Nach dem Auftakt des Berufungsverfahrens vertagten die Richter den Prozess sofort auf den 25. November, damit sich Visinescu einen Anwalt besorgen kann.

Visinescu leitete von 1956 bis 1963 die gefürchtete Haftanstalt Ramnicu Sarat und soll dort ein „Vernichtungsregime“ gegen politische Gefangene aufgebaut haben. Er ist der erste frühere Gefängnisleiter, der wegen Verbrechen während der kommunistischen Herrschaft unter Diktator Nicolae Ceausescu vor Gericht stand.

Die Anklageschrift schildert die systematische Misshandlung und Bestrafung von politischen Häftlingen: Sie saßen in Einzelhaft, bekamen nicht genug zu essen und wurden geschlagen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kamen mindestens 14 Gefangene unter der Aufsicht von Visinescu ums Leben. Der zeigte zu keinem Zeitpunkt Reue oder Bedauern. Am Mittwoch lehnte er es ab, sich vor Journalisten zu äußern.

Insgesamt wurden in Rumänien in den Jahren 1945 bis 1989 etwa 600.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert. Wenige Verantwortliche wurden bisher zur Rechenschaft gezogen. Ceausescu und seine Frau Elena wurden nach dem Umsturz 1989 hingerichtet.