Deutliche Lebenszeichen

Lebender Mann für tot erklärt: Ärzte ignorierten Ehefrau

(Symbolfoto)
© Keystone

Eine Amerikanerin hat gegen einen Arzt und weiteres Personal eines Krankenhauses in Buffalo Klage eingereicht, weil sie ihren für tot erklärten Mann nicht noch einmal untersuchen wollten, obwohl er noch lebte.

Buffalo – Vor ziemlich genau einem Jahr begann für Tammy Cleveland in North Tonawanda ein Albtraum: Sie erhielt von der Ex-Frau ihres Mannes einen Anruf: Michael sei in einem Shop zusammengebrochen und ins Krankenhaus eingeliefert worden. Es sehe nicht gut aus.

Was danach folgte, ließ die Witwe jetzt vor ein US-Gericht ziehen, wie die „Buffalo News“ berichten. Die Frau ist sicher: Michael könnte noch leben, wenn die Ärzte ihr Glauben geschenkt hätten.

„Deutliche Lebenszeichen“

Der Reihe nach: Tammy Cleveland erreichte kurz nach dem Notruf das DeGraff Memorial Krankenhaus in ihrer Heimatstadt. Nach Stunden voller Hoffen und Bangen nahm sie der behandelnde Arzt beiseite und meinte, dass es vorbei sei: Ihr 46-jähriger Gatte wurde für tot erklärt. Tammy und ihre Tochter könnten sich nur noch verabschieden.

Als die Witwe in den Raum kam, in dem ihr Mann lag, kam ihr die Situation sofort komisch vor. Michael hatte die Augen offen und fixierte sie damit. Seine Glieder zuckten.

Tammy holte den jungen Arzt und eine Stationsschwester zurück ins Zimmer und berichtete von ihrer Beobachtung. Beide aber wiegelten ab, ohne dem vermeintlich Toten auch nur eines Blickes zu würdigen. „Der Arzt erzählte mir, dass es nur so scheine, als würde mein Mann noch leben, weil noch Luft aus seinen Lungen weiche“, erklärte Cleveland in den eingereichten Gerichtsunterlagen laut Buffalo News. „Ich wusste nicht, was ich denken sollte. Der Arzt verließ den Raum aber ich konnte ihm einfach nicht glauben.“

Je mehr Zeit verging, desto mehr Lebenszeichen gab Michael von sich. Aber der Arzt, den sie mehrmals rufen ließ, wiegelte immer wieder ab. So vergingen letztlich Stunden, ohne dass sich jemand um den Ehemann kümmerte.

Gerichtsmediziner war skeptisch

Erst als der Gerichtsmediziner auftauchte, kam Bewegung in die Sache: „Ich schrie ihn an: ,Sind Sie hier, um festzustellen, dass mein Mann nicht tot ist? Schauen Sie ihn an: Er ist es nicht‘“, so die Witwe weiter. Der Gerichtsmediziner warf einen Blick auf den Körper des Mannes und verließ dann entschuldigend den Raum.

Laut Gerichtsakten sprach er umgehend mit dem behandelnden Arzt. Ihm wurde erklärt, dass die Reaktionen des „Toten“ von den Medikamenten stammen würden, die ihm verabreicht worden seien. Der Gerichtsmediziner, der in seiner 17-jährigen Amtszeit noch nicht einen Körper auf diese Art reagieren sah, ging noch einige Male zurück ins Zimmer, um nach Michael zu sehen. Schließlich erklärte er dem Arzt: „Ich nehme diesen Körper nicht mit. Ich gehe. Wenn er aufhört, Lebenszeichen von sich zu geben, rufen Sie mich an und ich komme zurück.“

Ganze vier Mal versuchte die Familie den jungen Arzt dazu zu bewegen, seine Todeserklärung noch einmal zu überprüfen. Erst drei Stunden später ließ er sich endlich dazu herab.

„Er hat einen Puls“

„Mein Gott, er hat einen Puls“, entfuhr es dem Mediziner laut „Buffalo News“. Wenig später hatte Michael wieder so viel Leben in sich, dass er versuchte, sich aufzusetzen. Der behandelnde Arzt versuchte mit aller Kraft, ihn wieder ins Bett zu drücken.

Der Patient wurde umgehend ins größere Buffalo General Krankenhaus gebracht werden. Doch die Ärzte dort schafften es nicht, ihm das Leben zu retten. Er starb am darauffolgenden Vormittag. Die Autopsie ergab, dass Michael Cleveland an den Folgen eines Herzinfarktes – genauer gesagt an der Sauerstoffunterversorgung des Gewebes, ausgelöst durch Flüssigkeit in der Lunge, die bei der Herzattacke kollabiert war.

Tammy Cleveland und ihre Anwälte sind sicher: Michaels Leben hätte gerettet werden können, wenn die involvierten Ärzte und Krankenhausmitarbeiter schneller reagiert hätten.

Die Buffalo News versuchten mehrfach, eine Stellungnahme des betroffenen Arztes zu bekommen, aber weder er noch sein Anwalt wollten sich äußern. Tammy Cleveland will mit dem Gerichtsprozess nur eines erreichen: „Ich will dem Doktor nur noch einmal ins Gesicht schauen. Er soll mir sagen, dass er das nie wieder einer Familie antut.“ (rena)