Flachsen auf tropischen Themeninseln
Kulturminister Ostermayer kündigte auf der Frankfurter Buchmesse die Einführung eines Österreichischen Buchpreises an.
Aus Frankfurt: Joachim Leitner
Frankfurt –„Weniger Events, mehr Literatur“, hat Buchmessen-Chef Jürgen Boos für den diesjährigen Betriebsausflug der internationalen Literaturbranche nach Frankfurt angekündigt. Wobei sich die rund 7000 ausstellenden Verlage offensichtlich nur einen Aspekt dieser Direktive zu Herzen nahmen: Nicht nur bei den großen Publikumsverlagen zeugen meterhohe Neuerscheinungsstapel von publizistischer Umtriebigkeit, Experimentierfreude und gehöriger Geschäftstüchtigkeit. Also, ja: mehr Literatur. Aber weniger Events? Natürlich nicht.
Die Frankfurter Buchmesse ist – auch an den ersten, nur für Fachbesucher geöffneten Tagen – ein Zirkus geblieben. Auch wenn die prominenten Gelegenheitsschriftsteller, die Schwarzeneggers, Gottschalks und Katzenbergers, weniger präsent sind als in den Vorjahren, ist die Messe ein Gerenne geblieben. Ein Hetzen von Stand zu Stand, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Schließlich will man nichts verpassen – und dementsprechend oft erlebt man das Gleiche. Sänger und angehender Bestsellerautor Thees Uhlmann („Sophia, der Tod und ich“) zum Beispiel: drei große Auftritte in drei Stunden. Und bewundernswert viel Talent darin, immer neu klingende Antworten auf gleichtönende Fragen zu finden. Oder Uhlmanns österreichisches Gegenstück: „Austrofred“ Franz Adrian Wenzl, der am späten Nachmittag und bei Temperaturen am Gefrierpunkt einem wackeren Grüppchen Begeisterungswilliger auf der Open-Air-Bühne ordentlich einheizte. Heldenhaft.
Wobei die eigentlichen Events erst stattfinden, wenn die Messe um 19 Uhr ihre Tore schließt. Verlagspartys und Empfänge: Fachsimpeln und Flachsen bis spät in die Nacht. Startpunkt in die traditionell besonders lange Mittwochnacht war der Österreich-Empfang, der heuer im ehrwürdigen Museum Städel ausgerichtet wurde. Nicht nur das erwies sich als Grund zum Feiern: Kulturminister Josef Ostermayer kündigte die Einführung des zuletzt von einer Autoreninitiative geforderten Österreichischen Buchpreises an. Nach dem Vorbild des Deutschen Buchpreises soll damit für die Texte heimischer Autoren sowie Bücher, die in österreichischen Verlagen erschienen sind, öffentliche Aufmerksamkeit ermöglicht werden. Wie in Deutschland soll es eine Long- und eine Shortlist für den Preis geben.
Womit auch für Gesprächsstoff für künftige Österreich-Empfänge gesorgt sein dürfte. Schließlich stammt mit Marlene Streeruwitz eine der vehementesten Kritikerinnen des Deutschen Buchpreises aus Österreich. Laut Ostermayer soll der Preis mit „15.000, vielleicht 20.000 Euro“ dotiert sein. Die Mittel dafür stellen Kulturministerium und der Hauptverband des österreichischen Buchhandels. Auch eine Auszeichnung für Buchhandlungen soll bereits im kommenden Jahr erstmals verliehen werden. Welche Höhe dieser Buchhandlungspreis haben wird, sei noch nicht klar, so Ostermayer.
Wortspielerisch präsentiert sich in Frankfurt das diesjährige Gastland der Buchmesse, Indonesien. Im rätselhaften Präsentationspavillon werden „T(r)opical Islands“, also tropische Themeninseln, aufbereitet: eine crossmediale Geografienachhilfestunde im Ambiente einer hypermodernen Hotellounge. Gamelan-Musik sorgt für Exotik, Schattenspiel-Theater gar für einen Hauch unerwarteter Erotik. Von der blutigen Geschichte und den von Beobachtern erhobenen Foltervorwürfen gegen die aktuelle Regierung hört man wenig. Dabei ist gerade die Literatur, die Texte von Laksmi Pamuntjak zum Beispiel, diesen Traumata auf der Spur. Man sollte sie lesen. Wenn man zwischen zwei Events die Zeit dafür findet.
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