Deutsche Netzbetreiber rechnen mit höheren Stromtrassen-Kosten

Berlin (APA/Reuters) - Die deutschen Stromnetzbetreiber rechnen wegen des unterirdischen Baus von Nord-Süd-Stromtrassen mit höheren Kosten u...

Berlin (APA/Reuters) - Die deutschen Stromnetzbetreiber rechnen wegen des unterirdischen Baus von Nord-Süd-Stromtrassen mit höheren Kosten und längerer Bauzeit als die Regierung. Die Projekte würden im Zuge des geplanten Vorrangs für Erd-Kabel wohl um 10 bis 12 Mrd. Euro teurer, sagte der technische Geschäftsführer des Netzbetreibers Amprion, Klaus Kleinekorte, am Mittwoch in Berlin.

Die deutsche Regierung hatte dagegen von Mehrkosten von 3 bis 8 Mrd. Euro gesprochen. Kleinekorte zufolge werden zudem die von Amprion geplanten Trassen nun frühestens 2027 oder 2026 fertig sein. Auch der Netzbetreiber Tennet ging zuletzt von drei Jahren Verzögerung aus.

Eigentlich sollten die sogenannten Stromautobahnen, die Windstrom aus dem Norden nach Süden bringen sollen, spätestens 2024 fertig sein. Hintergrund ist, dass 2022 das letzte AKW vom Netz geht. Um die zeitliche Lücke zu überbrücken, muss daher mit konventionellen Kraftwerken und Umleitungen im Netz operiert werden, die wiederum höhere Kosten verursachen.

Vor allem auf Druck von CSU-Chef Horst Seehofer entschieden die Koalitionsspitzen, die beiden wichtigsten Nord-Süd-Trassen zu großen Teilen unter die Erde zu legen. Das Kabinett hat ein entsprechendes Gesetz zum Vorrang für Gleichstromleitungen unter der Erde schon beschlossen. Dies wird etwa 1.000 Kilometer betreffen. Besonders in Bayern hatte es großen Widerstand von Bürgerinitiativen gegen den Bau von Überlandleitungen gegeben.

Kleinekorte verwies auf erste Erfahrungen mit dem Bau von Erdkabeln. Besonders die Querung von Straßen und Gas-Pipelines sei aufwendig und brauche viel Zeit. Die Regierung hatte argumentiert, auf der anderen Seite bedeute auch weniger Widerstand und Klagen von den Bürgern einen schnelleren Bau. Die Kosten des Netzausbaus werden über den Strompreis auf alle Kunden umgelegt.