Nahost-Konflikt - Schüsse in Jerusalems Ruheoase zu hören

Jerusalem (APA) - Das Österreichische Hospiz zur Heiligen Familie gilt als Oase der Ruhe in Jerusalems Altstadt. Als am Mittwochnachmittag e...

Jerusalem (APA) - Das Österreichische Hospiz zur Heiligen Familie gilt als Oase der Ruhe in Jerusalems Altstadt. Als am Mittwochnachmittag eine Journalistendelegation nach einem Abstecher zur Klagemauer in der Pilgerherberge einkehrte, wurde diese Ruhe plötzlich von Schüssen durchbrochen. Ein Palästinenser, der nur wenige hundert Meter entfernt einen Wachmann mit einer Stichwaffe attackierte, war von Polizisten erschossen worden.

Die Idylle im gemütlichen Garten des Hospizes wurde dadurch nur kurz gestört. Schwester Bernadette Schwarz, die Vizerektorin des Hospizes, erzählte den Journalisten von den Aktivitäten des Hauses. Sie ist seit 1999 in der Stadt und an Unruhen gewöhnt, während der Zweiten Intifada (Palästinenser-Aufstand, Anm.) sei es viel schlimmer gewesen, berichtete sie.

Doch erst jüngst habe man ein Konzert mit hundert Gästen veranstaltet und wegen eines ähnlichen Vorfalls habe die israelische Polizei die Tür des Hospizes gesperrt. „Wir haben einfach noch einmal die Küche geöffnet“, so die pragmatische Nonne. Die Gäste hätten gelassen reagiert, immerhin sei das Hospiz berühmt für seine Schnitzel und die Jerusalem-Pizza. Um Mitternacht habe die Polizei schließlich die Türen wieder geöffnet und alle konnten nach Hause gehen.

Das Hospiz ist nicht nur unter Österreichern, die etwa ein Viertel der Gäste ausmachen, beliebt. 45 Prozent der 124 Betten belegen demnach Deutsche, so die Nonne. Kurzfristig ein Zimmer zu bekommen sei äußerst schwierig, Hauptreisezeit sei „365 Tage im Jahr.“ Unterstützung erhält die „Österreichische Gesellschaft vom Heiligen Land“, die die seit 1863 geöffnete Pilgerherberge betreibt, zur Zeit von neun Zivildienern.

Zur politischen Lage könne sie nicht viel sagen, „dafür bin ich nicht zuständig“, so Schwester Bernadette. Eine Spannung sei jedoch spürbar. Alle ihre Mitarbeiter seien Palästinenser und die würden nach Dienstschluss nicht mehr alleine das Haus verlassen, sondern zusammenwarten um in Gruppen nach Hause zu gehen.

Die Journalistengruppe macht noch einen kurzen Abstecher aufs Dach, von dem man einen wunderbaren Blick auf den Felsendom und die Al-Aksa-Moschee hat. Danach geht es raus aus dem muslimischen Viertel der Altstadt durch das Damaskus-Tor. Am Boden liegen Patronenhülsen, eine größere Menschenansammlung macht Fotos. Der Eingangsbereich vor dem Tor ist nass. Hier wurde offenbar das Blut des jungen Attentäters weggespritzt.

Ein paar Dutzend Menschen beginnen „Allahu akbar“ (Gott ist groß) zu intonieren. Rama, eine palästinensische Journalistin, die die Delegation begleitet, erklärt, dass die Leute so ihre Trauer ausdrücken, solche Rufe aber oft zu Verhaftungen führten. Dies hat ein Israeli gehört, der sich sofort erzürnt einschaltet. „Niemand kommt ins Gefängnis, wenn er ‚Allahu akbar‘ schreit, wenn er Messer zückt aber schon“, so der 42-jährige Barak, der aus der Gegend von Haifa stammt.

Die Palästinenserin und der Israeli beginnen lebhaft zu diskutieren. Es wird offensichtlich, dass es zu jedem der jüngsten Ereignisse zwei verschiedene Sichtweisen gibt. „Fanatische Leute von beiden Seiten sind das Problem“, so Barak und Rama stimmt in diesem Punkt zu. Einig werden sie sich zwar nicht, doch immerhin reden sie miteinander. Baraks Fazit hingegen ist düster: „Hier wird es niemals Frieden geben.“