Zwangsrückruf von VW-Dieselautos in Deutschland und Österreich

Volkswagen muss die Abgas-Manipulationen bei Dieselautos in Ordnung bringen. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt hält die eingesetzte Software für verboten und zwingt den Konzern zu einer Großaktion - das bekommen nun Millionen Autofahrer zu spüren.

Millionen Autofahrer müssen wegen des VW-Abgas-Skandals im nächsten Jahr mit ihrem Diesel in die Werkstatt.
© REUTERS/Stefan Wermuth

Wolfsburg – Im Skandal um manipulierte Abgaswerte zwingt das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Volkswagen zum Rückruf von 2,4 Millionen Fahrzeugen. „Die angeordnete Rückrufaktion beginnt Anfang 2016“, sagte Deutschlands Verkehrsminister Alexander Dobrindt am Donnerstag in Berlin. Auch in Österreich ordnete Verkehrsminister Alois Stöger (SPÖ) einen Rückruf an.

Autos dürfen weiter gefahren werden

„Das ist ein Rückruf in einer Dimension, die auch das nötige Maß an Kontrolle und Überwachung nötig macht“, begründete Dobrindt die Aktion, obwohl VW dies zuvor auf freiwilliger Basis angeboten hatte. Das Unternehmen arbeite aber konstruktiv mit den Behörden zusammen. Bis wann alle Autos dann wieder den Regeln entsprächen, sei noch offen. Ein nötiges Bauteil für einen Teil der Motoren, stehe laut VW erst in knapp einem Jahr zur Verfügung. Die Autos dürften aber weiter gefahren werden, da sie verkehrssicher seien.

Bis Ende November müsse Volkswagen die technischen Lösungen für die Fahrzeuge dem KBA erläutern, sagte Dobrindt. Konkret heißt das, das VW die eingebaute Software entfernen muss, mit der die Fahrzeuge erkennen konnten, wann sie auf einem Abgas-Prüfstand stehen. Entsprechend reduzierte der Motor dann den Stickoxid-Ausstoß. Dies war zunächst in den USA aufgefallen. Dort drohen dem Autobauer hohe Strafzahlungen und Schadensersatzforderungen. Nach dem US-Justizministerium und der Umweltbehörde EPA nehmen nun auch die US-amerikanischen Wettbewerbshüter Ermittlungen gegen Volkswagen auf.

Nach der Enthüllung in den USA wurde bekannt, dass weltweit rund elf Millionen VW mit der Manipulationssoftware ausgerüstet waren. Allein in Deutschland wurden 2,8 Millionen Fahrzeuge mit der Software zugelassen. Diese war offenbar auch scharf geschaltet: „Das war wohl in allen Fahrzeugen so der Fall“, sagte Dobrindt. Die Differenz zu den 2,4 Millionen Autos, für die nun ein Rückruf angeordnet wurde, erklärte Dobrindt damit, dass etwa 400.000 manipulierte Autos nicht mehr auf den Straßen unterwegs seien.

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363.00 Autos in Österreich müssen in Werkstätte

In Österreich müssen rund 363.000 Dieselautos des Volkswagenkonzerns in die Werkstätten. Auslöser war die Anordnung des deutschen Kraftfahrt-Bundesamts, das laut österreichischem Verkehrsministerium (BMVIT) für einen Rückruf europaweit zuständig ist. Die Rückrufaktion startet 2016, analog zu Deutschland, so das BMVIT.

„Unsere rechtliche Prüfung hat ergeben, dass die Anordnung des KBA auch für jene Autos gilt, die in Österreich unterwegs sind. Das heißt konkret: Auch in Österreich müssen Inhaber der betroffenen Autos in die Werkstätte fahren. Für die Autofahrer soll kein Nachteil entstehen. Diese Rückrufaktion muss zu 100 Prozent erfüllt werden. Das BMVIT prüft derzeit das rechtliche Vorgehen, um die Überprüfung der Aktion sicherzustellen. Es ist an Porsche Österreich (als Importeur, Anm.), die Autofahrerinnen und Autofahrer zu informieren“, so Ministeriumssprecherin Andrea Heigl am Donnerstag.

Auf Minister-, Beamten- und Unternehmensebene werde derzeit das weitere Vorgehen abgeklärt. In Österreich wurden 363.400 Modelle aus der Volkswagen-Konzernmarkenpalette manipuliert - konkret geht es dabei um 180.500 VW-Pkw, 24.400 VW-Nutzfahrzeuge, 72.500 Audi, 54.300 Skoda und 31.700 Seat.

Modelle, Marken und der Motor

Die Affäre um manipulierte Dieselautos bei Volkswagen betrifft Millionen Fahrzeuge. Doch welche genau? Noch immer sind viele Fragen offen - eine erschöpfende Liste aller fraglichen Modelle gibt es nicht. Einige der bisher bekannten Fakten:

MODELLE - Bei der Kernmarke Volkswagen-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebenten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen. Die Software steckt aber auch in Modellen der Baureihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 bei der VW-Oberklasse-Tochter Audi. Dieselmotoren, die in verschiedenen Exemplaren der Konzernmarken Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgasskandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Diesel-Ausgaben der Modelle Caddy und Amarok betroffen.

MARKEN - Der neue VW-Vorstandschef Matthias Müller gab in einer Rede vor der Belegschaft in Stammwerk Wolfsburg an, dass weltweit insgesamt rund 5 Millionen Autos der Kernmarke Volkswagen-Pkw unter die Affäre fallen. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge. Der vom Kraftfahrt-Bundesamt jetzt angeordnete Rückruf bezieht sich auf rund 2,4 Millionen Autos in Deutschland.

MOTOR - VW zufolge ist der Dieselmotor mit der konzerninternen Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die europäische Abgasnorm EU 5 und wird mit 1,6 oder 2,0 Litern Hubraum angeboten. Auch mit 1,2 Litern Hubraum gibt es EA-189-Motoren. Betroffen sind die Baujahre 2009 bis 2014. Hinweise auf weitere Antriebe neben dem EA 189 gibt es bisher nicht. Neuwagen mit Motoren, die die strengere Abgasnorm EU 6 erfüllen, sind nicht betroffen.


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