Internationale Pressestimmen zur Lage in Jerusalem
Jerusalem/Ramallah (APA) - Internationale Tageszeitungen kommentieren am Donnerstag eine drohende Eskalation im Nahost-Konflikt:...
Jerusalem/Ramallah (APA) - Internationale Tageszeitungen kommentieren am Donnerstag eine drohende Eskalation im Nahost-Konflikt:
„Independent“ (London):
„Die vorherigen Intifadas (Aufstände) der palästinensischen Bevölkerung entstanden durch ein Gefühl der Machtlosigkeit, das auch heute weitverbreitet ist. Es sind zahlreiche Zutaten für eine kollektive Explosion beisammen. Was heute fehlt, ist die politische Führung. Die bisherigen Angriffe waren überwiegend spontan, ohne Verbindung zu bestimmten bewaffneten Gruppen. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas hat Ruhe angemahnt. Ohne politische Stütze dürfte die Gewalt kaum zu einem Massenaufstand führen. Doch Israels scharfe Reaktion ist kaum dazu angetan, die Gewalt zu beenden, oder andere Palästinenser daran zu hindern, sich in die Schlacht zu stürzen.
„Hospodarske noviny“ (Prag):
„Israel kämpft mit einer Welle palästinensischer Angriffe, für die schon die Bezeichnung „dritte Intifada“ verwendet wird. Fast täglich sterben zufällig ausgewählte Menschen bei Messerangriffen auf den Straßen. Die Ursache ist unklar, Auslöser könnten aber die Zugangseinschränkungen für Muslime zum Tempelberg sein. Sicher ist jedenfalls, dass sich die Palästinenser auf sozialen Netzwerken gegenseitig zu den Angriffen ermuntern. Auf Fotos ist zudem zu sehen, wie Jugendliche auf Demonstrationen den jüdischen Staat mit Modellraketen beschießen. Manch einer könnte sagen: Gott sei Dank, dass hierzulande bislang nur mit Galgen geschwenkt wird.“
„L‘Humanite“ (Paris):
„Mehrere Generationen Palästinenser sind in die militärische Besatzung hinein geboren worden, haben unter ihr gelitten und sind mit der Demütigung der Einpferchung in ihren von Kolonien umgebenen Heimatgebieten gestorben. (...) Ihre Eltern haben an das Versprechen von Oslo geglaubt, an den Händedruck von (dem damaligen Palästinenserführer) Jassir Arafat und (dem damaligen israelischen Regierungschef) Yitzhak Rabin, der die Perspektive zweier Staaten - Israel und Palästina - eröffnete, die friedlich in den Grenzen von 1967 zusammenleben. Seit zwei Jahrzehnten nun widmen sich aufeinanderfolgende Regierungen Israels der Zunichtemachung dieses Friedensprozesses. Für Netanyahu (...) ist die Aufrechterhaltung des Kriegs eine strategische Entscheidung.“
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