Reutte

Zu knappes Zeitfenster zwingt Tuifl in die Knie

© Tuiflverein Reutte

In Reutte wird es heuer keinen Krampus-Umzug geben. Die Zwangspause wird genutzt, um für 2016 ein komplett neues Konzept auszuarbeiten.

Von Simone Tschol

Reutte –Einmal im Jahr riecht es im Zentrum der Marktgemeinde nach Pech und Schwefel, rasseln Ketten, lodern Feuer, versuchen Krampusse mit allen Mitteln, den Zaungästen die Hölle heiß zu machen. Allein im letzten Jahr waren 43 Gruppen mit 1164 Krampussen beim Tuifllauf mit von der Partie, geschätzte 5000 Zuschauer säumten die Straßen.

Heuer bleibt es im Zentrum von Reutte ruhig. Das schaurig-schöne Spektakel fällt aus. „Wir hatten die Information, dass das Sax-Areal, auf dem nach dem Umzug immer die Krampus-Party steigt, im Frühjahr verbaut werden soll“, erklärt Marcel Philipp, Obmann des Tuiflvereins Reutte, und erklärt weiter: „Wir schicken bereits im März rund 100 Einladungen an die anderen Krampusvereine aus, von denen 40 ausgewählt werden. Als wir dann im Juni oder Juli erfahren haben, dass der Parkplatz hinter der Feuerwehrhalle doch nicht verbaut wird, war es zu spät. Da hatten die Vereine ihre Termine bereits fixiert. Die Absage ist zwar für Reutte nicht günstig, aber bevor ich keine Gruppen mehr herbringe, lasse ich es lieber sein.“

Und ein Krampuslauf ohne anschließende Party? Für den Verein undenkbar. „Allein der Umzug kostet uns, bis wir zum Laufen kommen, jedes Jahr 10.000 Euro. Das Fest mit 1500 bis 2000 Besuchern ist unsere wichtigste Einnahmequelle“, beschreibt Philipp die eigentliche Problematik.

Untätig werden die Reuttener Tuifl aber trotzdem nicht sein. Sie legen heuer den Fokus auf die Gastauftritte. So wird die Truppe am 14. November am österreichweit größten Umzug in Mürzzuschlag in der Steiermark, am Umzug in Lermoos (21. November), am Nachtumzug im deutschen Erkheim (28. November) und am 6. Dezember in Hainfeld, St. Pölten, teilnehmen.

Auch wenn der Umzug in Reutte heuer vom Veranstaltungskalender gestrichen ist – die Vorbereitungen für nächstes Jahr laufen bereits auf Hochtouren. Derzeit wird ein neues Veranstaltungskonzept ausgearbeitet, denn der Tuifllauf soll noch größer werden. Als neuer Veranstaltungsplatz könnte, so die ersten Überlegungen, jener zwischen Hofer und FMZ dienen. „Dann hätten wir eine längere Laufstrecke – vom Spechtparkplatz hinunter zum zentralen Kreisverkehr und durch die ganze Lindenstraße. Und wir würden dort auch weiter von den Anrainern wegrücken. Dann wäre auch die Lautstärke ein nicht mehr ganz so großes Problem. Aber diesbezüglich ist momentan noch nix fix“, lässt Philipp durchblicken. Er hofft, dass das Vorhaben, mit dem neuen Konzept in neue Veranstaltungsbereiche vorzustoßen, dann auch bei Gemeinde und BH wieder auf Zustimmung trifft.