Flüchtlinge - Kleinschmidt: „Wirtschaft hinter allen Konflikten“

Wien (APA) - „Die Trennung in Wirtschafts- oder Kriegsflüchtlinge ist falsch, denn im Endeffekt steckt die Wirtschaft hinter allen Konflikte...

Wien (APA) - „Die Trennung in Wirtschafts- oder Kriegsflüchtlinge ist falsch, denn im Endeffekt steckt die Wirtschaft hinter allen Konflikten“, sagte Kilian Kleinschmidt, globaler Netzwerker und Berater der Österreichischen Bundesregierung in Flüchtlingsfragen, im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung „Alles Wirtschaftsflüchtlinge?“ in der Hauptbücherei Wien am Donnerstagabend.

Der vom Südwind-Magazin in Kooperation mit der Hauptbücherei Wien veranstaltete Event behandelte Themen und Zusammenhänge rund um Flucht, Migration und Entwicklung. Kleinschmidt erläuterte, dass viele der Flüchtlinge, die derzeit nach Europa kommen würden, zwar aus Syrien seien, aber sich auch aus dem Jemen, Irak oder Minderheiten aus Afghanistan oder Eritrea, die vor dem dortigen brutalen Militärdienst flüchten würden, der Sklavenarbeit gleiche, dem Strom anschließen würden.

„Die Ressourcen dieser Welt gehören allerdings uns allen“, so der Berater in Flüchtlingsfragen, weswegen es seiner Meinung nach eine neue Ordnung brauche, um das Management all der „Menschen in Bewegung“ - egal ob es sich um die Millionen von Klimaflüchtlingen oder jenen die aus sklavenähnlichen Verhältnissen flüchteten - zu ermöglichen.

Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin des Europaparlamentes und Delegationsleiterin der österreichischen Grünen im Europaparlament, betonte in der Podiumsdiskussion, dass sich in der aktuellen Situation, dieser „Solidaritätskrise“, der Mangel an politischem Willen in der Vergangenheit räche sowie den Mangel eine europäische Politik durchzusetzen. Dublin etwa hätte bereits bei dessen Novellierung 2012 abgeschafft werden müssen, doch es sei nicht mehrheitsfähig gewesen. Oder dass es bis 2001 die Möglichkeit in österreichischen Botschaften gegeben hätte legal Asyl zu beantragen, die dann allerdings abgeschafft worden sei.

Ebenso reflektiert wurde, ob die Entwicklungspolitik Gefahr laufe, zur Vermeidung unerwünschter Migration instrumentalisiert zu werden. Youssouf Simbo Diakite, Gründer des Vereins Afrikanischer Studierender (VAS) in Österreich, wies zum einen auf das Potenzial der Migranten für Europa hin, aber auch auf das Potenzial der Diaspora für die Herkunftsländer, die nicht nur viele finanzielle Mittel zurückschicken würden sondern auch vor Ort Schulen, Spitäler und Projekte initiierten und aufbauen würden und so auch Arbeitsplätze schafften. „Dadurch kommen auch wieder weniger Menschen nach Europa.“

Irmgard Kirchner vom Südwind-Magazin betonte, dass Flucht und Migration stattfänden und man sich darauf einstellen müsse. „Mehr Mut wäre notwendig“, so Lunacek, und die Politik müsse vor allem auch gegen die Angst ankämpfen. „Angst ist einer der schlimmsten Gründe um Politik zu machen. Eigentlich gehört Politik gemacht um Angst zu nehmen.“