Bürgerkrieg in Syrien

Russische Jets und syrische Armee richteten offenbar Massaker an

Diese Aufnahme soll laut dem russischen Verteidigungsministerium einen Angriff auf ein Waffendepot des Islamischen Staats zeigen. Moskau fliegt jedoch laut westlichen Angaben wesentlich mehr Angriffe auf gemäßigte Rebellen.
© RUSSIAN DEFENCE MINISTRY

Mindestens 60 Menschen wurden bei einem Angriff auf Rebellengebiete getötet, darunter viele Kinder. Aktivisten sprechen von einem Massaker.

Homs/Brüssel – Bei russischen Bombardierungen und Angriffen der syrischen Armee auf Rebellengebiete nördlich der Stadt Homs sind mindestens 60 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien auch viele Kinder, meldete die in Großbritannien ansässige „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ am Freitag.

Ein Aktivist aus dem Ort Talbiseh berichtete, viele Menschen seien noch unter Trümmern begraben. Die oppositionsnahen Menschenrechtler sprachen von einem „Massaker“.

Angriff auf von Rebellen gehaltene Enklave

Die syrische Armee und ihre Verbündeten hatten am Donnerstag mit russischer Luftunterstützung einen Großangriff auf Orte nördlich der zentralsyrischen Stadt Homs begonnen. Dort beherrschen Rebellen eine von Regimetruppen eingeschlossene Enklave.

Hassan Abu Nuch, Aktivist aus Talbiseh, erklärte, russische Jets hätten am Donnerstag 35 Angriffe auf die Region geflogen. Es komme nur noch sehr wenig Nachschub über Schmuggelrouten in das Gebiet um Talbiseh. Dort leben ihm zufolge noch mehrere Zehntausend Menschen.

Die Armee begann zugleich laut Aktivisten einen größeren Angriff südlich der Stadt Aleppo. Dort gebe es heftige Kämpfe, erklärten die Menschenrechtsbeobachter. Osama Abu Seid, Berater der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) sagte, das Regime eröffne mehrere Fronten gleichzeitig in der Hoffnung, Geländegewinne zu erzielen.

Hollande: Assad hat keine Zukunft

Das russische Eingreifen in den Syrien-Konflikt wird nach Einschätzung von Frankreichs Staatschef François Hollande nicht zu einem Machterhalt von Präsident Bashar al-Assad führen. „Die russische Intervention kann das Regime stärken, aber sie wird Baschar nicht retten“, sagte Hollande in der Nacht zum Freitag nach dem EU-Gipfel in Brüssel.

Frankreichs Präsident Francois Hollande.
© Fuentes/REUTERS

Die Frage, welche Rolle Assad in einem politischen Übergangsprozess spielen könnte, war nach Angaben von Hollande bei den Diskussionen in Brüssel kein Thema. Bereits bei den Friedensverhandlungen im vergangenen Jahr in Genf sei vereinbart worden, dass Gespräche über eine Übergangsregierung zwischen Vertretern der moderaten und demokratischen Opposition und Repräsentanten des Regimes geführt werden müssten. Ob Assad am Anfang, in der Mitte oder am Ende gehe, spiele keine so große Rolle, machte Hollande deutlich. Wichtig sei, dass er keine Zukunft habe.

Beim Gipfel hatte Hollande zunächst mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem britischen Premier David Cameron über die Lage in Syrien beraten. Im Anschluss gab es auch eine Diskussion in großer Runde. (APA/dpa)