Ein Heim für Kinder: Tiroler helfen in Moldawien
Moldawien ist das Armenhaus Europas, Waisenkinder sind besonders betroffen. Die Hilfsorganisation Concordia will die Not mit Tiroler Hilfe lindern.
Von Thomas Hörmann
Chisinau –Die Armut in Moldawien ist ebenso wie die Arbeitslosigkeit groß. Die Eltern wandern auf der Suche nach Jobs aus, die Alten und die Kinder bleiben zurück. „Wie viele Kinder verlassen wurden oder als Waisen in Moldawien leben, wissen wir nicht genau“, sagt Michael Zikelis von der österreichischen Hilfsorganisation Concordia. „Aber es müssen zig Tausende sein, allein in den staatlichen Großheimen sind derzeit 5000 Kinder untergebracht.“ Concordia versucht seit Jahren, die Not der jungen Moldawier zu lindern. „Wir wollen so viele Kinder wie möglich auffangen.“ Und zwar mit Hilfe von Pflegeeltern. „Dafür benötigen wir aber Häuser, die jetzt nach und nach angekauft und den Familien zur Verfügung gestellt werden.“
Das Konzept ist einfach: Concordia sucht kleine Familien mit maximal zwei leiblichen Kindern, die bereit sind, bis zu fünf Schützlinge aufzunehmen. Um den Raumbedarf kümmert sich die österreichische Hilfsorganisation: „Wir kaufen Häuser, adaptieren und renovieren die Gebäude und stellen sie den Pflegefamilien zur Verfügung“, erzählt Zikelis. Rund 100.000 Euro sind pro Haus nötig.
Die Hilfsorganisation kümmert sich aber nicht nur um die Unterkünfte, sondern auch um die Auswahl der Pflegeeltern. In dem Bereich bestehe kein Mangel, „es melden sich genügend Eltern, etwa 20 Prozent sind dann tatsächlich geeignet“, schildert Zikelis. Geeignet bedeutet, dass sie bestimmte Kriterien erfüllen müssen. „Zuallererst schauen wir uns an, welches Motiv die Leute für die Aufnahme der Kinder haben.“ Kandidaten mit der Neigung zu Alkohol sind ebenso wie Kettenraucher unerwünscht. „Die Bildung spielt hingegen keine so große Rolle.“
Die Pflegeeltern in spe müssen nicht nur geeignet sein, sondern auch Idealismus einbringen. Die Aufwandsentschädigung für die Aufnahme der Waisen ist so gering, dass es „peinlich ist“, sagt Zikelis. Einen Euro pro Tag und Kind Aufwandsentschädigung zahlt die moldawische Jugendwohlfahrt den Eltern. „Das ist selbst für die örtlichen Verhältnisse fast gar nichts.“ Dazu kommen etwa 80 Euro pro Monat, die ein Elternteil quasi als Lohn für die Betreuung der Kinder erhält. „Der andere Elternteil soll arbeiten gehen, nicht zuletzt auch, um den Kindern normale Familienverhältnisse zu bieten.“
Da Jobs in Moldawien Mangelware sind, greift Concordia – sofern nötig – auch in diesem Bereich ein. „Wir versuchen, einen Arbeitsplatz zu vermitteln. In Einzelfällen sind die Väter auch bei uns angestellt“, sagt Zikelis.
Wie die Eltern müssen auch die Häuser bestimmte Kriterien erfüllen. Das beginnt beim Standort – „Wir wollen Wohnorte mit einer guten Infrastruktur vor allem im schulischen Bereich“, erklärt der Direktor von Concordia Moldau. Und das heißt, dass die Kinder die Möglichkeit haben sollen, in ihren neuen Heimatgemeinden die Matura zu machen. „Wir wollen aber auch keine sterbende Stadt mit einer hohen Abwanderungsquote.“ Die Häuser müssen ausreichend groß für die maximal neunköpfigen Familien sein und über eine gute Bausubstanz verfügen.
Bisher hat Concordia acht Häuser finanziert und 55 Kinder bei Gastfamilien untergebracht. Insgesamt betreut die Hilfsorganisation 240 Kinder. Viele davon in einem ehemaligen Ferienlager in Pirita. Die Waisen leben dort in kleinen Gruppen zusammen und werden von Concordia-Mitarbeiterinnen betreut. Ein Konzept mit Ablaufdatum – „Deutlich besser ist es, wenn die Kinder bei Familien leben“, versichert Zikelis.
Wir bauen ein TT-Haus in Moldawien
Die Tiroler Tageszeitung hat sich ein ebenso ehrgeiziges wie sinnvolles Ziel gesteckt: Wir wollen mit Hilfe unserer Leserinnen und Leser ein Haus für eine Familie mit fünf Waisenkindern in Moldawien finanzieren. Etwa 100.000 Euro sind dafür nötig. „Gemeinsam mit ihrer Leserschaft konnte die TT schon viel Not — vor allem in unserem eigenen Land — lindern. Ich danke allen Tirolerinnen und Tirolern für ihr großes Herz, das sie immer wieder beweisen, wenn wir zu einer Spendenaktion aufrufen“, sagt Moserholding-CEO Hermann Petz. „Aktuell erleben wir, welch enorme Bedeutung es hat, dass Menschen in anderen Ländern stabile Verhältnisse und vor allem auch Zukunftschancen vor Ort vorfinden. Deshalb wollen wir diesmal mit einer Aktion in eine der ärmsten Regionen Südosteuropas gehen. Wir wollen Kindern und Jugendlichen eine Chance geben, denn in ihrer Hand liegt die Zukunft ihres Landes. Wir bauen ein Haus in Moldawien und wir bauen auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser.“
Innerhalb eines Jahres soll das TT-Haus bezugsfertig sein. Wir werden regelmäßig über die Fortschritte des Projektes berichten. Zum Abschluss werden wir mit mehreren Spendern voraussichtlich im Frühsommer 2016 dabei sein, wenn das Haus in Moldawien der Pflegefamilie übergeben wird.
Spenden-Kontonummer:
IBAN: AT12 3200 0012 0703 4499
BIC: RLNWATWW
Raiffeisen Landesbank (RLB) NÖ-Wien AG
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