Bürger bitten: Innsbrucker Polizei soll mehr Präsenz zeigen
Nicht erst seit den drei teilweise brutalen Überfällen fühlen sich viele Menschen in Innsbruck unsicher. Ein Lokalaugenschein im Stadtteil Pradl.
Von Brigitte Warenski
Innsbruck –Kälte, Fußball- und Eishockeyspiel: Die Straßen im Innsbrucker Stadtteil Pradl sind an diesem Freitagabend beinahe menschenleer.
In der Stube eines traditionellen Gasthauses kann man nicht über Gäste klagen, die sich gern bereit zeigen, über ihre Ängste zu sprechen. Nicht erst seit den drei jüngsten Überfällen nahe der Friedensbrücke, wo in einem Fall die Opfer sogar mit geladenen Pistolen bedroht wurden, fühlen sie sich in Innsbruck unsicher. „Ich gehe schon seit einem Jahr am Abend nicht mehr allein auf die Straße, weil meiner Bekannten und mir zwei Männer nachgelaufen sind“, sagt Ida Vorderwinkler. Ihre Nichte Lisa-Marie sieht sich zwar nicht als besonders „ängstlich“, lässt sich aber dennoch nach dem Ausgehen immer mit dem Taxi direkt vor die Haustür bringen. „Ich bitte den Taxifahrer auch zu warten, bis ich im Haus bin.“ Besonders schlimm findet die junge Frau aber die Situation am Bahnhof: „Ich werde ganz oft blöd angeredet.“ Von der Polizei fühlt sie sich im Stich gelassen: „Sie sind zwar da, stehen aber nur in Gruppen herum.“ Auch Elisabeth Felbinger wünscht sich mehr und bessere Polizeipräsenz. „Ich muss durch einen Innenhof gehen und das ist wirklich unheimlich, weil man oft mehrere Männer streiten hört. Ich wünsche mir von der Polizei, dass sie mehr Anwesenheit zeigt.“
Der oft von den Innsbruckern geäußerten Kritik, es fehle in der Stadt an Polizeipersonal, hält der Pradler Postenkommandant Hubert Thonhauser das – sichtbar große – Engagement seines Teams entgegen. „Wir machen alles, was uns im wirklich großen Revier, das sich von der Autobahn über Amras bis zur Grenze Reichenau zieht, möglich ist.“ Rund um die Uhr sind Streifenwagen unterwegs, aber auch zu Fuß wird der Stadtteil kontrolliert. Im Rapoldipark kommen Thonhauser und seiner Kollegin Karin Hangartner zwei Mädchen entgegen, die gerade eine Freundin durch den Park begleitet haben. „Allein würde ich nie durch den Park gehen“, sagt uns eines der Mädchen. Ein junger Bursche, der sein Fahrrad durch den Park schiebt, lächelt die Polizisten freundlich an und grüßt. Dass ihre Präsenz so wohlwollend aufgenommen wird, freut Thonhauser und sein Team sehr. Seit den Überfällen werden auch sie vermehrt von den Menschen vor allem tagsüber angesprochen. „Dabei zeigt sich, dass die Ängste sehr diffus sind, weil sich die Menschen halt schwertun, zwischen harmlosen Flüchtlingen zu unterscheiden, die sich im Park einfach aufhalten, und zum Beispiel möglichen Drogendealern“, so Thonhauser. Für die Polizei ist diese Unterscheidung tägliches Brot. Bei der Streife wird sozusagen abgescannt, was sich in der Umgebung tut. „Wir beobachten und wenn uns wer auffällig vorkommt, führen wir eine Kontrolle durch“, sagt Thonhauser. Zu erkennen, wann Handlungsbedarf ist, lehrt einen Polizisten in erster Linie „die Erfahrung“, sagt Thonhauser – und der „Hausverstand“, ergänzt Hangartner, die wie ihre Kollegen auch mit unangenehmen wie brenzligen Situationen konfrontiert wird. Heiße Diskussionen, die nicht selten in Streitereien enden, erleben die Polizisten meist nach der Sperrstunde der Nachtlokale. „Nichts ist schwieriger, als mit einem Betrunkenen umzugehen. Manche spielen vor uns den Clown, andere rasten komplett aus“, sagt Thonhauser. Heute Nacht bleibt der Pradler Truppe dies Gott sei Dank erspart.
Mehr Flüchtlinge bedeuten nicht höhere Kriminalität
Nach den jüngsten Straftaten in der Nähe der Innsbrucker Friedensbrücke will die Polizei das Sicherheitsgefühl der Frauen stärken. Laut Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler werden nun „Verhaltenskurse“ angeboten. „Das sind keine Selbstverteidigungskurse, sondern es geht um das richtige Verhalten in kritischen Situationen.“ Anmeldungen bei Katja Tersch vom Landeskriminalamt (katja.tersch@polizei.gv.at). Beruhigen möchte Kirchler jene, die durch den Flüchtlingsstrom die Kriminalitätsrate steigen sehen. „Es halten sich in Innsbruck vermehrt junge Männer aus Flüchtlingsgebieten auf. Dies ist jedoch nicht gleichbedeutend mit erhöhter Kriminalität.“