Kate Winslet in „Steve Jobs“: „Hatte noch nie so viel Freiraum“ 1
London/Hollywood (APA) - In „Steve Jobs“, dem neuesten Film über den verstorbenen, berüchtigt fordernden Apple-Gründer, verkörpert Kate Wins...
London/Hollywood (APA) - In „Steve Jobs“, dem neuesten Film über den verstorbenen, berüchtigt fordernden Apple-Gründer, verkörpert Kate Winslet neben Michael Fassbender die Macintosh-Marketingchefin Joanna Hoffman. Privat hat die britische Schauspielerin, die kürzlich 40 geworden ist, mit Computern und Internet aber nichts am Hut, wie sie im Interview anlässlich der Europapremiere des Films am Donnerstag in London sagte.
Frage: Drehbuchautor Aaron Sorkin nähert sich Steve Jobs nicht in Form eines Biopics, sondern backstage über drei Produktpräsentationen 1984, 1988 und 1998. Ihre Figur Joanna Hoffman ist im Film diejenige, die sich hinter den Kulissen nicht zurückhält, Jobs in beruflichen wie auch privaten Belangen zu kritisieren. Wie nahe ist sie der realen Figur?
Kate Winslet: Sie war nie mütterlich gegenüber Steve, war eher wie eine Schwester und definitiv wie eine Freundin. Als ich Zeit mit Joanna Hoffman verbracht habe, haben wir über den Charakter immer in dritter Person gesprochen. Die Filmfigur ist ein Mix aus mehreren Personen und repräsentiert die starken Frauen in Steves Leben. Aber Joanna war in jedem Falle die Ausnahme dahin gehend, dass sie ihm Konter gegeben hat und keine Angst vor ihm hatte. Sie hat ihn gleichberechtigt angesehen und hatte nie ein Problem mit seiner Sturheit, seiner Entschlossenheit. Sie hat in solchen Momenten eher mit den Augen gerollt und gedacht: „Ach, Steve...“.
Frage: Es ist bekannt, dass Steve Jobs mit Kollegen nicht gerade zimperlich umgegangen ist, um das Beste aus ihnen herauszuholen. Hat Joanna seine Gesellschaft dennoch genossen?
Winslet: Oh ja, das hat sie, sie waren sehr gute Freunde, auch ihre Familien standen sich nahe. Sie hat ihm gegenüber starke Zuneigung und viel Respekt empfunden. Und sie war loyal. Auch alle anderen, die wir getroffen haben – etwa Andy Hertzfeld (Chefprogrammierer in Jobs“ Mac-Team, Anm.), John Sculley (ehemaliger Apple-CEO, Anm.), Stephen Wozniak (Apple-Co-Gründer, Anm.) und Andrea Cunningham (Jobs“ Pressesprecherin, Anm.) – empfinden diese Zuneigung bis heute. Sie haben viele Geschichten zu erzählen, darunter natürlich Frustrierendes. Aber niemand ist wütend wegen etwas, das Steve gesagt oder getan hat. Diese Loyalität und diese Hingabe, die sie ihm und seiner Vision gegenüber hatten, reichen tief.
Frage: Ist eine so enge, kollegiale Beziehung wie jene von Steve und Joanna auch in der Filmbranche möglich?
Winslet: Absolut! Ich habe immer wieder solche Beziehungen und engagiere mich aktiv dafür. Auch mit Michael (Fassbender als Steve Jobs, Anm.): Wir haben uns immer wieder gegenseitig Feedback gegeben, uns gesagt, wenn wir mal zu langsam oder nicht gut genug waren. Es ist so wichtig, sich das sagen zu können. Ich möchte nicht in einer Situation sein, in der ich nicht die Meinung anderer höre. Ich kann die Hälfte der Zeit ja selbst nicht sagen, ob ich es richtig hinbekommen habe.
Frage: Wie gehen Sie auf Ihre Co-Stars ein?
Winslet: Jeder Schauspieler ist komplett anders. Wenn man in einem Ensemblefilm wie „Steve Jobs“ spielt, muss man jeden so akzeptieren, wie er ist. In diesem Fall vor allem Michael. Noch bevor ich ihn kennengelernt habe, habe ich zu Danny Boyle (Regisseur des Films, Anm.) gesagt: Ich werde hundertprozentig hinter ihm stehen und ihn stützen, du musst dir keinerlei Gedanken machen. Ich wusste, es wird Teil meiner Aufgabe sein, wirklich mit und bei ihm sein, ihn zu beobachten, zu sehen, wie es ihm geht, zu erkennen, wann er seinen Freiraum braucht. Er ist nun mal der Hauptdarsteller und muss als solcher die Führung übernehmen. Deshalb war er derjenige, dem bei den Proben der erste Gedanke und die stärkste Meinung zustanden. Das war einfach notwendig, um sein Selbstbewusstsein insoweit zu festigen, diese Rolle zu spielen. Speziell, weil sie öffentlich so herumgereicht wurde (vor Fassbender waren Christian Bale und Leonardo DiCaprio in der engeren Auswahl, Anm.). Er musste die Rolle zu seiner machen. Und ich weiß, wie sich das anfühlt.
Frage: War das Ausmaß der Proben bei diesem Film ungewöhnlich für Sie?
Winslet: Ich hatte noch nie so viel Probenzeit und so viel Freiraum, alle möglichen Fehler zu machen und aus dem Weg zu räumen. Als Schauspieler wussten wir nicht nur unsere sehr ausführlichen Dialoge in- und auswendig, weil wir sie zehn Tage lang vor jedem Akt immer und immer wieder wiederholt hatten. Zu dem Zeitpunkt, an dem wir ans Set kamen, waren wir schon bei unserer 100. Performance, nicht unserem Premierenabend.
~ ISIN US0378331005 WEB http://www.apple.com/ ~ APA329 2015-10-16/13:54
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