Kate Winslet 2: „Du bist nur so gut wie dein letzter Job“
London/Hollywood (APA) - Frage: Joanna hat im dritten Akt des Films großen Einfluss darauf, dass Steve Jobs auf sein Leben zurück blickt und...
London/Hollywood (APA) - Frage: Joanna hat im dritten Akt des Films großen Einfluss darauf, dass Steve Jobs auf sein Leben zurück blickt und Entscheidungen überdenkt. Tendieren Sie auch dazu?
Kate Winslet: Es ist nicht so, dass ich auf das, was ich erreicht habe, zurück schaue. Aber die schiere Menge an Leben, die ich gelebt habe, ist mir durchaus bewusst. Und auch die Anzahl an Filmen, die ich gedreht habe. Das überwältigt mich ein wenig, jetzt, da ich 40 geworden bin. Meinen ersten Film habe ich mit 17 gedreht, das ist schon unglaublich. Ich mache das seit 23 Jahren und tue es immer noch – das gibt mir ein gutes Gefühl. Aber ich schaue mir keine früheren Filme mit mir an, niemals!
Frage: Welchen Rat würden Sie der jungen Kate Winslet geben, die gerade als Juliet Hulme in Peter Jacksons „Heavenly Creatures“ besetzt wurde?
Winslet: Mach das Beste aus jeder einzelnen Gelegenheit! Denn du bist nur so gut wie dein letzter Job, das ist wirklich wahr! Mit dem Casting für „Titanic“ hatte ich es noch nicht geschafft. Ich habe mir das Recht, in dieser Position zu bleiben, hart erarbeitet. Man kann nie genug wissen, nie genug lernen, nie genug versuchen. Aber manchmal hilft es, nicht zu viel über etwas nachzudenken. Vor manchen Szenen in „Steve Jobs“ habe ich mich unheimlich gefürchtet. In meinen Zwanzigern hätte ich mir bestimmt den Kopf darüber zerbrochen, hätte sie tausendmal im Kopf durchgespielt. Aber heute funktioniert das nicht mehr.
Frage: Hat Joanna Hoffman den Film bereits gesehen? Was war ihr Urteil?
Winslet: Sie fand ihn toll, sie hat mir danach eine sehr nette E-Mail geschrieben. Und sie wollte, dass ich Michael ausrichte, wie schön sie es fand, ein wenig von Steves Wärme in seiner Darstellung durchschimmern zu sehen.
Frage: Manch Zuseher fragt sich dennoch, wie Joanna so lange bei Steve bleiben konnte. Hätten Sie ihm die Treue gehalten?
Winslet: Nicht alles war tatsächlich so, wie es im Film dargestellt ist. Joanna hat nur fünf Jahre für Steve gearbeitet, sie ist kurz vor oder nach der Präsentation seines NeXT-Computers 1988 gegangen. Aber sie hat sich ihm sehr verpflichtet gefühlt, hat an das geglaubt, was er tat. Sie wusste, wie er tickt, dass er Leute herausfordert und mitunter Prognosen manipuliert, um seine Produkte weiter zu bringen. Sie hat ihm in manchen Fällen schon mal gesagt: „Steve, ich hol gleich ein Messer und bring dich um!“ Aber sie lacht über solche Geschichten. Sie waren wie Bruder und Schwester. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, über so lange Zeit mit jemandem zu arbeiten, einfach, weil ich das nie erlebt habe. Manchmal frage ich mich, wie Schauspieler in Seifenopern es schaffen, immer mit denselben Menschen zu tun zu haben. Deshalb könnte ich nie in einem Büro arbeiten, ich würde eher Suppe kochen und an einer Straßenecke verkaufen.
Frage: Haben Sie je in einem Büro gearbeitet?
Winslet: Ja, ich habe es probiert, aber nicht lange durchgehalten.
Frage: Ähnlich schwer tun Sie sich mit Computern, besitzen selbst gar keinen. Macht es Ihnen Sorgen, in welch digitaler Welt Ihre drei Kinder aufwachsen?
Winslet: Angst habe ich keine, weil ich glaube, dass wir immer noch selbst darüber bestimmen. Ich mache mir weniger Sorgen um meinen Elfjährigen und meine 15-Jährige als um meinen Zweijährigen: Er nimmt mittlerweile einfach alles in die Hand und tut so, als wäre es ein Telefon. Kürzlich hat er sich eine Spielkarte ans Ohr gehalten und gesagt: „Hallo?“ Mein Ehemann (Ned Rocknroll, Anm.) und ich konnten es kaum glauben. Die Vorstellung, etwas zu drücken oder zu wählen, ist unserem Sohn fremd. Stattdessen wischt er (wie auf iPhones, Anm.). Wir sind uns darin einig, dass wir nicht wollen, dass er so aufwächst. Unser Sohn ist sehr clever und kopiert alles, was er sieht.
Frage: Haben Sie dementsprechend klare Regeln daheim, was Internetnutzung angeht?
Winslet: Wir haben sehr strenge Regeln und gar keine Computer zuhause. Von diesen Dingern kann man besessen werden, sie machen süchtig. Mein elfjähriger Sohn hat kein iPhone, meine Tochter mittlerweile schon. Aber zuhause haben sie keinen Zugang zum Internet oder zu sozialen Medien. Das sagt einem der Hausverstand.
Frage: Nutzen Sie fern von zuhause soziale Medien wie Twitter?
Winslet: Ich war noch nie in meinem Leben auf Twitter.
Frage: Sind Sie gar nicht neugierig?
Winslet: Nein, warum zur Hölle sollte ich auch? Ich habe ein Leben zu leben, mich interessiert das nicht. (lacht)
ZUR PERSON: Kate Winslet ist eine sechsfach Oscar-nominierte Schauspielerin. Ihr Filmdebüt feierte die gebürtige Britin in Peter Jacksons „Heavenly Creatures“, ihren Durchbruch als 21-Jährige in James Camerons Blockbuster „Titanic“. Für ihre Rolle in Stephen Daldrys Verfilmung des Bernhard-Schlink-Romans „Der Vorleser“ erhielt sie ihren ersten Oscar als beste Hauptdarstellerin. Neben „Steve Jobs“ ist sie demnächst auch im 50er-Jahre-Comedy-Drama „The Dressmaker“ und im Thriller „Triple 9“ zu sehen.
(Die Fragen stellte u.a. Angelika Prawda/APA.)
(S E R V I C E – „Steve Jobs“ feiert am Sonntag als Abschlussfilm des BFI London Film Festivals seine Europapremiere und startet am 12. November in den österreichischen Kinos. www.stevejobsthefilm.com)
~ ISIN US0378331005 WEB http://www.apple.com/ ~ APA335 2015-10-16/14:01
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