Tierversuche: Für „Forschung auf höchstem Niveau notwendig“

Wien (APA) - Wie geht eine dem Tierschutz und Tierwohl verpflichtete Uni mit dem Thema Tierversuche um? Pragmatisch, wie ein Workshop der Ve...

Wien (APA) - Wie geht eine dem Tierschutz und Tierwohl verpflichtete Uni mit dem Thema Tierversuche um? Pragmatisch, wie ein Workshop der Veterinärmedizinischen Universität Wien kürzlich zeigte. So bewertet man in einer Kommission schon intern Projektanträge und setzt auf Ethik. Für Rektorin Sonja Hammerschmid ist aber auch klar: „Für medizinische Forschung auf höchstem Niveau sind Tierversuche notwendig.“

Tiergesundheit ist eines der expliziten Ziele der Vetmeduni - und das bedinge medizinische Forschung für deren Weiterentwicklung, was letztendlich auch der Menschengesundheit zu Gute komme, betonte Hammerschmid vor Journalisten. „Es gibt - noch, muss man sagen - keine Alternativmethoden, die den lebenden Organismus ersetzen können“, so die Rektorin. Jedes Humanmedikament habe einen Tierversuchs-Hintergrund, „das ist unabdingbar“.

So sieht das auch Veronika Sexl vom Institut für Pharmakologie der Vetmeduni. In der Pharmakologie sei man nach wie vor auf das Tiermodell angewiesen, meint die Krebsforscherin. In der Toxikologie, also etwa bei der Untersuchung der Giftigkeit von Substanzen, sei man dagegen bei Alternativmethoden schon einen Schritt weiter. Dort würden die sogenannten 3R-Prinzipien gut funktionieren, wonach Tierversuche grundsätzlich „vermieden, vermindert und verbessert“ (engl: replace, reduce, refine) werden sollen.

Hammerschmid betonte, dass die Vetmeduni „Tierschutz und Tierwohl auf ihrer Agenda stehen hat“ und auf Prozesse setze, die den 3R-Prinzipien genügen. Zudem führt eine aus Uni-Angehörigen zusammengesetzte „Ethik- und Tierschutzkommission“ eine interne Vorbegutachtung von Anträgen durch, bevor das vorgeschriebene behördliche Verfahren für die Genehmigung von Tierversuchen angegangen wird.

Die Rektorin verweist auch auf den 2011 eingerichteten Lehrstuhl für Ethik in der Mensch-Tier-Beziehung „der uns helfen soll, ethisch zu reflektieren, was wir in der täglichen Arbeit tun“. Dieser Lehrstuhl bedeutet auch, dass bereits Studenten mit Fragen der Ethik konfrontiert werden, so Hammerschmid. Die Studenten werden zudem im Fach „Labortiermedizin“ unterrichtet, sagte Thomas Rülicke vom Institut für Labortierkunde.

Rülicke versucht die Dimensionen zurechtzurücken und verweist im Vergleich zu den rund 200.000 Versuchstieren, die jährlich in Österreich verwendet werden, auf die rund 80 Mio. Tiere, die hierzulande geschlachtet werden. „Im Laufe eines 80-jährigen Lebens kommen im Schnitt auf jeden Österreicher etwa 1.000 Schlachttiere, aber nur zwei Labortiere“, sagte Rülicke.

Herwig Grimm, Professor für Ethik in der Mensch-Tier-Beziehung am Messerli-Institut der Vetmeduni, war für die Erarbeitung des Kriterienkatalogs für die Schaden-Nutzen-Analyse verantwortlich, der nun in Begutachtung geschickt wurde. Er sei dabei aus einer „akademischen Distanz“ an das Thema herangetreten.

Klar ist für ihn aber, dass Tierversuche in der Regel belastend seien und nicht dem beforschten Tier, sondern dem Menschen bzw. anderen Tieren zugutekommen. Dabei müsse der Zweck die Belastung rechtfertigen - und das sei nicht etwas, „das alleine durch die Wissenschaft bewertet wird, sondern zunehmend auch gesellschaftspolitisch“.

Grimm betonte, dass mit den Versuchstieren „schutzbedürftige Wesen für fremde Zwecke gegen ihre mutmaßlichen Interessen belastet und genutzt werden“. Deshalb sei eine Rechtfertigung für Tierversuche, etwa in Form der im Tierversuchsgesetz vorgeschriebenen Schaden-Nutzen-Analyse, notwendig. Die zentrale Frage dabei sei, „welche Belastungen sind wir bereit in Kauf zu nehmen, um den erwarteten Nutzen zu erreichen“.