USA wollen zugespitzten Nahost-Konflikt entschärfen
Die Welle an Messerattacken in Jerusalem und die damit verbundene aufgeloderte Feindschaft zwischen Israelis und Palästinensern in Israel beunruhigt Präsident Obama zutiefst.
Washington – Im zugespitzten Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern bemühen sich die USA um eine Entschärfung der Krise. US-Präsident Barack Obama zeigte sich äußerst besorgt über die jüngste Gewalt in der Region. Sein Außenminister John Kerry will mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nach einem Weg aus dem Konflikt suchen.
„Diese Art von willkürlicher Gewalt wird zu nichts führen als zu mehr Elend und Unsicherheit“, sagte Obama am Freitag im Weißen Haus. Kerry will Netanyahu kommende Woche zu einem Krisengespräch in Deutschland treffen, wie Netanyahus Sprecher Ofir Gendelman auf Twitter mitteilte.
Auch Mark Toner, Sprecher im State Department, bestätigten ein solches Treffen. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte zuvor am Freitag mitgeteilt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Netanyahu am Mittwochabend empfangen werde.
„Exzessive Gewaltanwendung“
Zuletzt hatte es erhebliche Spannungen zwischen Washington und Jerusalem über das Vorgehen der Israelis gegen Palästinenser gegeben. Das US-Außenministerium hatte von „exzessiver Gewaltanwendung“ gesprochen und beiden Seiten Terrorakte vorgeworfen. Das Verhältnis von Obama und Netanyahu gilt seit langer Zeit als belastet.
Obama stellte aber erneut klar, dass Israel ein Recht habe, seine Bürger vor Messer-Attacken und Gewalt auf den Straßen zu schützen. „Alle müssen sich darauf konzentrieren, sicherzustellen, dass keine unschuldigen Menschen getötet werden“, sagte er nach einem Treffen mit Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye.
Sowohl Netanyahu als auch der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas und andere Menschen in einflussreichen Positionen müssten versuchen, Gewalt anheizende Rhetorik zu vermeiden. Kerry telefonierte am Freitag mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas, wie ein US-Diplomat mitteilte.
20-Jähriger getötet
Die Gewaltwelle setzte sich unterdessen fort. Bei Zusammenstößen mit dem israelischen Militär wurde ein 20-jähriger Palästinenser am Grenzzaun zum Gazastreifen getötet. Ein Zwölfjähriger sei verwundet worden, bestätigte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza. Israelische Soldaten hätten das Feuer auf palästinensische Demonstranten eröffnet, nachdem diese den Grenzzaun mit Steinen angegriffen hätten, berichteten Augenzeugen.
Zudem diskutierte der UNO-Sicherheitsrat am Freitag in einer Sondersitzung über Wege zu einem „Ende des sinnlosen Blutvergießens im Nahen Osten“. „Wir rufen alle Seiten dazu auf, die Unverletzlichkeit von heiligen Stätten zu akzeptieren“, sagte der stellvertretende UNO-Generalsekretär Taye-Brook Zerihoun am Freitag in New York bei der Sitzung.
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon habe den Brandanschlag von Palästinensern auf das Josefsgrab bei Nablus im Westjordanland als „verwerfliche Tat“ verurteilt, erklärte Zerihoun zudem. Ban verlange, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Dutzende Palästinenser hatten das Josefsgrab am Freitag im Morgengrauen angegriffen, wie die israelische Armee und palästinensische Sicherheitskreise mitteilten.
Streit um Tempelberg als Auslöser
Der Streit um den Tempelberg gilt als einer der Auslöser für eine Serie palästinensischer Schuss- und Messerattacken, bei denen seit Monatsbeginn sieben Israelis getötet und Dutzende verletzt worden sind. Mehr als 30 Palästinenser wurden getötet, knapp die Hälfte davon Attentäter, die im Zuge ihrer Anschläge erschossen wurden.
Die anderen starben bei Unruhen im Westjordanland oder bei Zusammenstößen mit dem israelischen Militär am Grenzzaun zum Gazastreifen. In anderen Quellen ist die Rede von knapp 40 Toten auf palästinensischer Seite. Rund 1500 Palästinenser erlitten nach Angaben des Roten Halbmonds bei Konfrontationen Verletzungen.
Der Führer der radikal-islamistischen Hamas-Bewegung im Gazastreifen, Ismail Haniya, hatte vor genau einer Woche zu einer „dritten Intifada“ (Aufstand) aufgerufen. Am Freitag erklärte Haniya, diese „Intifada“ müsse nun „ausgeweitet“ werden. (APA/dpa/AFP)
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