Günther Feuerstein wird 90: Architekt mit expandiertem Kulturbegriff
Wien (APA) - Als „Katalysator der Wiener Nachkriegsszene in der Architektur“ ist Günther Feuerstein einmal bezeichnet worden. Neben seiner p...
Wien (APA) - Als „Katalysator der Wiener Nachkriegsszene in der Architektur“ ist Günther Feuerstein einmal bezeichnet worden. Neben seiner praktischen Tätigkeit im experimentellen und partizipatorischen Wohnbau hat der gebürtige Wiener, der am Mittwoch seinen 90. Geburtstag feiert, seine Thesen zur „expandierten Architektur“ vor allem in seinen Publikationen und als Lehrer dargelegt und tut dies nach wie vor.
Auch im laufenden Wintersemester hält Feuerstein am Innsbrucker Institut für experimentelle Architektur eine Vorlesen mit dem Titel „Kultur der Gegenwart“. „Es wird von einem ‚expandierten‘ Kulturbegriff ausgegangen, der zwar die konventionellen Themen der bildenden Kunst beinhaltet, immer im Kontext mit der Architektur, aber darüber weit hinausgeht“, heißt es in der Beschreibung der Lehrveranstaltung.
An der Technischen Universität (TU) Wien als Assistent von Karl Schwanzer am Institut für Gebäudelehre und Entwerfen (1961-68) und Lektor für Gegenwartsarchitektur (1966-96) sowie als Ordinarius für „Umraumgestaltung“ an der Hochschule für Gestaltung in Linz (1973-96) hat der am 21. Oktober 1925 geborene Feuerstein im Zeitalter des Funktionalismus versucht, der Fantasie und der Welt der Gefühle zu ihrem Recht zu verhelfen. Die Arbeit an der TU war vor allem geprägt durch seine Zusammenarbeit mit den Experimentalgruppen „Coop Himmelb(l)au“ und „HausRucker-Co“. Den intellektuellen Freiraum, den die konservativen Hochschulen der sechziger Jahre noch vermissen ließen, schuf er sich in außeruniversitären Aktivitäten. In „Klubseminaren“ oder Veranstaltungen zum „Experimentellen Entwerfen“ wurden auch Gesellschaftskritik geübt und Aktionen geplant.
1962 gründete Feuerstein sein eigenes Atelier in Wien. Zu seinen bekanntesten Bauprojekten zählen die Wohnsiedlung Hörsching bei Linz (1967-79), die Wohngruppe Hirschstetten in Wien-Donaustadt (1985-87) und ab 1988 die Revitalisierung des Wiener Augartens. In seiner publizistischen und wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftigte er sich mit Randgebieten der Architektur. „Visionäre Architektur - Wien 1958-1988“ (1988), „Androgynus - das Mann-Weibliche in Kunst und Architektur“ (1996) sowie als zweiter Band „Androgyne Architekur - coincidentia oppositorum“ (1998) sind Titel seiner Bücher.
1996 erschien „Visionäre Architektur in Österreich in den 60er und 70er Jahren“, der Katalog zur gleichnamigen Wander-Ausstellung, mit der Feuerstein im Österreich-Pavillon der Architekturbiennale Venedig vertreten war. 2002 erschien „Biomorphic Architecture - Menschengestalten und Tiergestalten in der Architektur“. Neben seinen Buchveröffentlichungen verfasste Feuerstein zahlreiche Beiträge für Fachzeitschriften, die Tagespresse und den ORF. Dort wurde anlässlich seines 75. Geburtstags im Jahr 2000 auch der Film „Expandierte Architektur“ von Doris Fercher präsentiert.
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