FIFA-Skandal

DFB-Chef Niersbach dementierte WM-Korruptionsvorwürfe

Was wissen Blatter, Beckenbauer und Radmann (v.l.)?
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Es habe auch keinen Stimmenkauf gegeben, versicherte Niersbach in einem Interview auf der Verbandsseite

Zürich/Berlin – Die Macher des Endrunde 2006 wehren sich energisch gegen die Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft vor neun Jahren in Deutschland. „Das kann ich absolut und kategorisch ausschließen“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Weiters meinte der 64-Jährige: „Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine Schwarzen Kassen beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat“, betonte Niersbach und wies die in einem Artikel des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ erhobenen Vorwürfe am Samstag zurück.

„Würde sogar meine Aussage beeiden“

Es habe auch keinen Stimmenkauf gegeben, beteuerte Niersbach - damals einer der Stellvertreter von OK-Chef Franz Beckenbauer - in einem Interview auf der Verbandsseite. „Ganz sicher nicht. Das kann ich allen Fußball-Fans versichern“, sagte der DFB-Chef und ergänzte: „Nochmal: Die WM war nicht gekauft.“

Auch Fedor Radmann als früherer Vizepräsident des Organisationskomitees wies den Vorwurf des Stimmenkaufs mit Nachdruck zurück. „Das Bewerbungskomitee hat niemals irgendjemanden bestochen. Ich bin bereit, dies sogar zu beeiden. Wir haben keine Stimmen gekauft“, sagte Radmann am Samstag dem TV-Sender Sky Sport News HD.

Aus der Politik gab es am Samstag den Ruf nach schneller Aufklärung. Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte bei einem Besuch im Iran, er könne dem DFB „nur raten, jetzt schnellstmöglich Untersuchungen einzuleiten und die offenen Fragen zu klären“. Steinmeier betonte zudem: „Das ist im Interesse des Sports und des Fußballs. Aber das ist auch unser gemeinsames Interesse, dass da nichts hängen bleibt.“

Der DFB kündigte eine zügige Aufarbeitung der brisanten Angelegenheit an. „In einer Telefonkonferenz hat unser gesamtes DFB-Präsidium am Freitag zum Ausdruck gebracht, dass wir alle offenen Fragen schnell beantworten müssen und uns gemeinsam für eine lückenlose Aufklärung einsetzen“, erklärte Niersbach.

Zahlung nicht in Zusammenhang mit mit WM-Vergabe

Die Ungereimtheiten rund um eine Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Fußball-Weltverband (FIFA) aus dem Jahr 2005 würden derzeit bereits intern vom Kontrollausschuss sowie extern von der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields-Bruckhaus-Deringer untersucht. „Das Ergebnis der laufenden Prüfungen ist offen, aber ich kann aufgrund der zeitlichen Abläufe dieses Zahlungs-Vorgangs schon jetzt definitiv ausschließen, dass die Zahlung in Zusammenhang mit der WM-Vergabe im Jahr 2000 steht“, versicherte Niersbach.

Das Magazin „Der Spiegel“ hatte am Freitag über eine angebliche Schwarze Kasse berichtet. Daraus könnte dem Bericht zufolge der Kauf der Stimmen von vier asiatischen Mitgliedern der FIFA-Exekutive bezahlt worden sein. Der DFB hatte dies als haltlos bezeichnet, die Ungereimtheiten rund um die Tranche an die FIFA jedoch eingeräumt.

Die Sportausschuss-Vorsitzende des deutschen Bundestages, Dagmar Freitag (SPD), verlangte eine externe Untersuchung. Im „Inforadio“ des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) sagte Freitag, interne Untersuchungen beim DFB seien jetzt nicht mehr das Maß der Dinge.

Sie habe nicht nur in diesen Fragen schon seit langem Zweifel an den Selbstreinigungskräften des Sports, „und ich vermute mal, dass sich auch die Staatsanwaltschaft für die Vorgänge interessieren könnte“, fügte die SPD-Politikerin hinzu. Der Fußball-Weltverband FIFA hat ebenfalls eine Untersuchung der Vorgänge angekündigt.

Freitag vermutete mit Blick auf etliche suspendierte und gesperrte Spitzenfunktionäre, dass es bei der FIFA mittlerweile möglicherweise einige gebe, die noch alte Rechnungen begleichen wollten: „Da sind ja ganz viele Leute, die ganz viel aus der Vergangenheit wissen, und die sicherlich nicht besonders amüsiert sind über das, was ihnen mittlerweile widerfahren (...) ist, und da kann es schon zu der einen oder anderen Veröffentlichung kommen.“

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FIFA vergab WM-Finalkarten an Richter und Staatsanwälte: Der Fußball-Weltverband FIFA soll einem Bericht zufolge Richtern und Staatsanwälten aus Zürich auf Anfragen bezahlte Karten für die WM-Endspiele von 1990 bis 2006 zur Verfügung gestellt haben. Um die Tickets für die Gruppe zu erhalten, habe er eine „normale nette Bewerbung“ an die FIFA geschrieben, sagte der langjährige Präsident des Zürcher Arbeitsgerichts, Hans-Peter Egli, dem „Tagesanzeiger“.

„Mal waren es bessere, zum Beispiel Haupttribüne, mal waren es schlechtere, in der Kurve“, erklärte der pensionierte Egli. Ob er in seiner Funktion beruflich mit der FIFA zu tun gehabt habe, wollte Egli nicht sagen. Einige der Schreiben seien angeblich beim suspendierten FIFA-Präsidenten Joseph Blatter gelandet, berichtet die Zeitung unter Verweis auf eine nicht genannte Quelle aus dem Verband. Eine mögliche Vorteilsannahme sieht Egli nicht, da die Karten bezahlt worden seien. Der frühere FIFA-Antikorruptionsberater Marc Pieth sprach dagegen von einem möglichen „Verstoß gegen die Berufsethik“.

Der langjährige Oberstaatsanwalt Andreas Brunner, der drei WM-Endspiele als Zuschauer verfolgt hatte, räumte ein: „Hätte ich bei der Spitze der FIFA unter Angabe meines Namens und meiner Funktion ein Ticket bestellt oder bestellen lassen, hätte selbstredend ein Interessenskonflikt bestanden.“ (APA/dpa)