Vater von palästinensischem Angreifer nennt Gründe für Tat

Ramallah (APA/AFP) - Im vergangenen Jahr organisierte Bahaa Allyan eine Lesung, an anderen Tagen verkleidete er sich als Clown, um Kindern e...

Ramallah (APA/AFP) - Im vergangenen Jahr organisierte Bahaa Allyan eine Lesung, an anderen Tagen verkleidete er sich als Clown, um Kindern eine Freude zu machen. In dieser Woche wurde der 22-jährige Palästinenser zum Attentäter, der in einem Bus in Jerusalem zwei Israelis tötete und rund zehn weitere verletzte. „Warum?“, fragen dutzende Nutzer im Internet und Menschen, die ihn kannten.

Sein Vater Mohammed sagt, es sei die „Gewalt der Besatzung“, die diese Wandlung in seinem Sohn ausgelöst habe. „Die Gewalt, die die Besatzung auf die Menschen ausübt und die Schwäche der palästinensischen Führung - das war es, was Bahaa beschäftigte“, sagt Mohammed Allyan. Er selbst „respektiere“ diese Haltung, sagt der Vater - obwohl der Sohn vermutlich genau wusste, dass er bei dem Anschlag wohl selbst sterben wird.

Der Anschlag vom Dienstag gehört zu einer Reihe blutiger Angriffe junger Palästinenser auf Israelis mit Messern, Waffen oder Autos seit Beginn der neuen Welle der Gewalt Anfang Oktober. Es war zugleich der blutigste Anschlag in Jerusalem in den vergangenen Wochen. Allyan selbst wurde von der Polizei erschossen, sein Komplize verletzt.

Die meisten Täter der derzeitigen Anschläge scheinen allein zu handeln, ohne Anweisung eines Drahtziehers oder einer militanten Bewegung. Allyan wird im Nachhinein als besonders unwahrscheinlicher Kandidat für eine solche Tat beschrieben. „Er war ein Künstler, voller Energie und nicht gewalttätig - warum erschießt er Menschen in einem Bus?“, heißt es in einem Kommentar auf Allyans Facebookseite.

Es sei auch „das, was vor Al-Aksa geschieht“, sagt sein Vater Mohammed mit Blick auf die Moschee auf dem Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt. Palästinenser werfen den israelischen Sicherheitskräften dort „Provokationen“ vor und kritisieren zunehmende Besuche gläubiger Juden auf dem Areal. Auch Online-Videos von israelischen Sicherheitskräften, die auf mutmaßliche Attentäter schießen, sorgen bei vielen Palästinensern für Unmut. Viele empfinden das Vorgehen als ungerechtfertigt.

Allyans Vater sagt, sein Sohn sei auch von einem im Internet kursierenden Video beeinflusst worden, das einen am Boden liegenden, blutenden 13-jährigen Palästinenser zeigt, der zwei Israelis mit Messern angegriffen hatte und anschließend von Sicherheitskräften angeschossen wurde. Neben dem Jugendlichen ist ein Mann zu sehen, der dem 13-Jährigen sagt, er solle sterben.

Udi Dekel, ehemaliger israelischer Soldat und Vize-Direktor des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien, sagt, viele Palästinenser fühlten sich hilflos. „Sie sehen keine Lösung und keine Zukunft, und Familie und Schule üben keinen Einfluss auf sie aus, der sie in eine andere Richtung drängen würde“, sagte Dekel kürzlich im israelischen Rundfunk.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu weist Überlegungen zurück, wonach der mangelnde Fortschritt im Friedensprozess und der jüdische Siedlungsbau im besetzten Westjordanland die aktuellen Unruhen befördert haben. „Sie greifen uns nicht an, weil sie Frieden oder keinen Frieden wollen“, sagte Netanyahu jüngst. „Sie greifen uns an, weil sie uns hier nicht wollen.“ Die Frustration werde anhalten, „weil wir auch weiterhin hier sein werden“.

Da die israelischen Behörden die Leichen von Attentätern einbehalten können, weiß Allyans Vater nicht, ob er seinen Sohn selbst wird begraben können. Mohammed Allyan sagt: „Ich respektiere die Entscheidung meines Sohnes und das, was er getan hat. Und wenn die israelischen Behörden entscheiden, seine Leiche nicht zurückzugeben und ihn anderswo begraben, dann wird er zumindest in palästinensischer Erde begraben.“