„Verwandelte das Antlitz des Rock ‚n‘ Roll“: Buch über Brian Jones

Wien (APA) - Brian Jones, am 2. Juli 1969 unter mysteriösen Umständen mit 27 Jahren gestorben, war Gründer der Stones. „Er verwandelte das A...

Wien (APA) - Brian Jones, am 2. Juli 1969 unter mysteriösen Umständen mit 27 Jahren gestorben, war Gründer der Stones. „Er verwandelte das Antlitz des Rock ‚n‘ Roll. Da gab es nichts mehr zu tun. In dieser Welt benötigte man ihn danach nicht mehr“, sagte ein Enkel des Musikers dem britischen Journalisten Paul Trynka. Dieser schrieb mit „Sympathy For The Devil“ ein gründlich recherchiertes Buch über Jones.

Das nun auch auf Deutsch erschienene Werk ist eine gute Ergänzung zu Keith Richards „Life“, in dem der Gitarrist die Rolle seines ehemaligen Kollegen doch stark minimiert. Trynka, der auf einigen Seiten seine Begeisterung für Jones und den Versuch, die „offizielle“ Popgeschichte zu korrigieren, vielleicht etwas zu offen erkennen lässt, aber am Ende entsprechende Fakten offenlegt, hat für das vielseitige Porträt rund 130 Insider - von Roadies über Familienmitglieder bis zu Kollegen - interviewt.

„Die Zeitspanne zwischen dem großen Erfolg und der Erkenntnis, das sein Leben außer Kontrolle geriet, war für Brian schwindelerregend kurz“, analysiert Trynka, der chronologisch, unterhaltsam und informativ, aber zugleich sehr konventionell das Drama um Jones aufrollt. Auch die Schattenseiten des Musikers zeigt der Autor, enthüllende Neuigkeiten findet ein eingefleischter Stones-Fan allerdings nicht. Dafür wird dem Leser vor Augen geführt, wie Jones mit seiner Vorliebe für amerikanischen Blues und Experimentierfreudigkeit den Sound der Stones und letztendlich der Rockmusik generell entscheidend mitprägte.

Anschaulich, aber nicht zu ausschweifend schildert Trynka die Kinderjahre des späteren „bösen Buben des Rock“, der mit Anfang 20 bereits drei uneheliche Kinder mit drei unterschiedlichen Frauen hatte. Die Konzentration gilt der Musik, wie aus dem von Alexis Korner, einer Schlüsselfigur der britischen Bluesszene der 60er-Jahre, geförderten Jones ein Vorreiter einer neuen Art von Musiker wurde. Plastisch erzählt Trynka von der damaligen Szene im Swinging London.

Hat Keith Richards in seiner Biografie „Life“ mitunter kräftige ausgeteilt, holte Trynka für seine alternative Sicht der Dinge Prominente wie Ginger Baker an Bord: „Brian brachte die Showeinlagen“, erinnert sich der Drummer (Cream) an ein frühes Konzert der Stones. „Jagger stand da rum und sang, während Brian mit der Gitarre ins Publikum rannte. Mick lernte das von Brian, Stück für Stück.“

Oder Dick Taylor, temporärer Stone und Mitglied der Pretty Things, räumt mit dem Mythos auf, Richards habe sich seinen Stil von Ry Cooder abgeschaut. Die Open-G-Stimmung der Gitarre, eine Blues-Stimmung mit einem Country-Blues-Unterton, stamme viel mehr von Jones, meint sich Taylor zu erinnern.

Wie Rock and Roll bestimmten Sex und Drogen Jones‘ kurzes Leben. Die Anfeindungen der Gesellschaft, Razzien der Polizei, Frauen- und Drogengeschichten sowie medial ausgeschlachtete Gerichtsverfahren nehmen in „Sympathy For The Devil“ entsprechend Platz ein. Schön, dass Trynka der Versuchung widersteht, die Skandale aufzubauschen, und lieber sachlich bleibt. Und auch wenn er an einen Unfall im Zusammenhang mit dem Tod des Musikers glaubt, präsentiert der Autor mehrere Theorien zum Ableben des Lewis Brian Hopkins Jones, ohne es die Stones so nie gegebenen hätte.

(S E R V I C E - Paul Trynka, „Sympathy For The Devil - Die Geburt der Rolling Stones und der Tod von Brian Jones“, Verlag Hannibal, 368 Seiten, Taschenbuch 20,60 Euro, eBook 9,90 Euro)