Dreißig Jobs in einem Jahr
Auf der Suche nach ihrem Traumjob probierte Jannike Stöhr dreißig verschiedene Jobs innerhalb eines Jahres aus. Sie ist eine der Vortragenden auf der Wiener TED-Konferenz, die heute ihr fünfjähriges Jubiläum feiert.
Von Carina Engel
Wien – Es ist ein Konzept, das sich nicht nur weltweit, sondern auch in Österreich immer weiter verbreitet: der TED Talk. Bereits seit 25 Jahren finden die jährlichen Konferenzen in Kalifornien statt, mit Sprechern aus den unterschiedlichsten Branchen, mit immer mehr Aufmerksamkeit, aber stets demselben Ziel: „Ideas worth spreading“, also Ideen vorzustellen, die es wert sind, verbreitet zu werden. Mit dem Start der „TEDx-Lizenzen“, die seit dem Jahr 2009 vergeben werden und die es Menschen auf der ganzen Welt ermöglichen, selbst eine Konferenz in diesem Format zu erstellen, schwappte die TED-Welle in den vergangenen Jahren auch auf Europa über.
Zentrales Element der Talks ist dabei die magische Zahl 18: Kein TED-Beitrag darf länger als 18 Minuten sein. „Studien haben gezeigt, dass unsere maximale Aufnahmefähigkeit bei diesen 18 Minuten liegt, so lange können wir uns wirklich konzentrieren“, erklärt Réka Artner, Kuratorin von TEDxVienna, der Wiener Version der Konferenz.
Die Zeitangabe ist nicht nur charakteristisch für die TED Talks, sondern ist laut Artner auch einer der Gründe, weshalb das Event so gut ankommt: „In einer Zeit, in der ununterbrochen Informationen auf uns hereinprasseln, haben wir keine Zeit mehr, uns stundenlange Vorträge anzuhören. Die TED-Beiträge sind kurz und trotzdem auf den Punkt gebracht.“
Das Wiener TED-Format feiert heute im Volkstheater sein fünfjähriges Jubiläum unter dem Motto „Was wäre wenn ...?“. 22 österreichische sowie internationale Vortragende tragen den rund 1000 Teilnehmern ihre Überlegungen zu diesem Thema vor, darunter auch Attac-Mitbegründer Christian Felber mit seinem Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie oder Katharina Unger, die einen Insekten-Brutkasten für zuhause entwickelt hat (siehe Artikel unten).
Auch Jannike Stöhr ist unter den Vortragenden. Auf der Suche nach ihrem Traumberuf führte die 29-Jährige einen Selbstversuch durch: Sie hängte ihren Job vorerst an den Nagel, kündigte ihre Wohnung und probierte innerhalb eines Jahres dreißig verschiedene Jobs aus.
Dabei konnte sich Stöhr eigentlich nicht beschweren: Fast sechs Jahre lang arbeitete sie in der Personalabteilung eines großen deutschen Industrieunternehmens, bei „guter Bezahlung und mit guten Perspektiven“, wie sie selbst sagt. Richtig glücklich wurde sie trotzdem nicht. „Dieses Gefühl, das etwas fehlt – das hat mich nicht losgelassen“, erinnert sich die 29-Jährige.
Vor zwei Jahren startete sie dann ihr Experiment. Die Minipraktika, die jeweils eine Woche dauerten und die verschiedensten Branchen abdeckten, mussten vor allem ein Kriterium erfüllen: „Das Wichtigste für mich war, dass die Menschen, bei denen ich meine Praktika absolvierte, leidenschaftlich bei der Arbeit waren.“
So arbeitete Stöhr etwa als Lehrerin in ihrer deutschen Heimstadt Emden, versuchte sich als Tierpräparatorin in Wien, schnupperte in einem Architekturbüro in Berlin oder jobbte als Pathologin in Leipzig.
Vergangenen Juni – ein Jahr und 30 Jobs später – endete ihr Projekt schließlich. Ihren Traumjob hat die Ex-Praktikantin zwar nicht gefunden, dennoch sieht sie ihr Experiment als vollen Erfolg. „Ich bin mehr als zufrieden mit dem Ergebnis, weil ich herausgefunden habe, was ich kann und was mir wirklich Spaß macht“, resümiert Stöhr, die derzeit an einem Buch über ihr Projekt arbeitet.
Zudem habe sie gelernt, weniger zu planen und sich bei Entscheidungen stärker auf die eigene Intuition zu verlassen, wie sich auch bei ihrer weiteren Zukunftsplanung zeigt: Erst einmal werde sie ihr Buch beenden, „aber was dann passiert, weiß ich nicht. Das wird sich alles zeigen.“