Vermisster Ötztaler in Nepal: Kollegen schildern Unfallhergang
Nachdem ein Ötztaler im Himalaya-Gebiet abstürzte und seither vermisst wird, sind seine Bergkollegen wieder nach Tirol zurückgekommen. In einem Schreiben an die Medien schildern sie den Unfallhergang.
Kathmandu, Sölden – Seit knapp zehn Tagen wird ein 27-jähriger Bergsteiger aus Umhausen in der nepalesischen Annapurna-Region vermisst. Wie berichtet, verliefen mehrere Suchaktionen bisher erfolglos. Am Mittwoch meldeten sich die heimgekehrten Kameraden des Unfallopfers öffentlich zu Wort und schilderten den Unfallhergang.
Bereits am 5. Oktober brachen Hansjörg Auer (31) und Alexander Blümel (28) mit ihrem Kameraden Gerhard Fiegl zu ihrer Expedition auf den knapp 6.840 Meter hohen Nilgiri Süd auf. Ziel sei die Besteigung über die bisher unbezwungene Südwand gewesen. „Am 25. Oktober gegen 11 Uhr Vormittag erreichten die Profi-Bergsteiger nach drei Tagen äußerst schwieriger und anspruchsvoller Kletterei durch die mehr als 1.500 Meter hohe Südwand erfolgreich den Gipfel“, schildert das Expeditionsteam in einem Brief. Der nun Vermisste Fiegl sei zu dieser Zeit stark erschöpft gewesen. Wenige Meter unterhalb des Gipfels habe das Trio daher ein ungeplantes Biwak eingerichtet. „Elias Holzknecht, der in Funkkontakt mit dem Expeditionsteam stand, versuchte währenddessen vom Lager aus eine Hubschrauber-Rettungsaktion zu initiieren, was jedoch aufgrund des starken Windes und der Höhenlage unmöglich war“, berichten die Zurückgekehrten weiter.
Nach einer Nacht im Biwak entschied das Trio den Abstieg fortzusetzen, der Zustand Fiegls habe sich offenbar leicht gebessert. Plötzlich habe der 27-Jährige jedoch am Südwestgrad das Gleichgewicht verloren und sei daraufhin rund 800 Meter in die Tiefe gestürzt. „Geschockt und schwer gezeichnet von dem Unglück und den Strapazen des schwierigen Abstiegs“ haben Hansjörg Auer und Alexander Blümel noch am gleichen Tag gegen 18 Uhr völlig erschöpft den Wandfuß erreicht. Das Team setzte sofort die Rettungskette in Bewegung, die Suchaktion wurde jedoch von schlechtem Wetter und starkem Schneefall behindert. Am vergangenen Wochenende fanden dann Suchflüge statt, die bisher ohne Erfolg blieben.
Auer, Blümel und Holzknecht kehrten vor drei Tagen ohne ihren Kameraden nach Tirol zurück. Sie trauern um ihren Freund, der „ein ausgezeichneter Alpinist“ gewesen sei, „dem in den letzten Jahren unter anderem in den Westalpen, Patagonien und Alaska zahlreiche schwierige alpine Kletterrouten gelungen sind. Die Berge waren sein zweites zu Hause und seine große Leidenschaft“, betonen die Freunde des Unfallopfers, die die Hoffnung aufgegeben haben. (TT.com)