Architektur

Verwandlung einer Insel in eine Ente

© galerie rhomberg

Martino Gamper unterzieht Möbelklassiker einer radikalen Metamorphose. Vorgeführt in der Innsbrucker Galerie Rhomberg.

Von Edith Schlocker

Innsbruck – „Bitte nicht hinsetzen“ warnt nicht ohne Grund ein Schild die Besucher der Ausstellung des Südtiroler Designers Martino Gamper. Der in die Galerie Rhomberg Sofas und Sitzmöbel hineingestellt hat, die nicht nur formal wunderbar schräg, sondern auch einladend bequem daherkommen. Angesichts der Warnung wird aber klar, dass diese Objekte nicht zum realen Besitzen gemacht, sondern rein skulpturale Objekte sind.

Vom in London lebenden, international umtriebigen 44-Jährigen allerdings aus Details gepuzzelt, die er unübersehbar von seriell hergestellten Sitzmmöbeln renommierter Designer wie Toshiyuki Kita oder Ron Arad „geklaut“ hat. Um etwa Kitas „Samuyama Island“ in so etwas wie eine überdimensionale Ente (Bild) zu verwandeln. Mit einer Haut, die fröhlich bunt ist und sich angenehm weich und stoffig anfühlt. Um in ihrer Ganzheit ein reizvoller Zwitter aus etwas Möbel -bzw. Spielzeugartigem zu sein.

Mit welcher Leichtigkeit Gamper die durchwegs vom italienischen Möbelbauer Moroso hergestellten Möbel ihrem ursprünglichen Kontext entführt und in einen ganz neuen überführt, ist verblüffend. Weist ihn nicht zuletzt als guten Schüler von Michelangelo Pistoletto aus, seinem Lehrer an der Wiener Akademie der bildenden Künste.

International bekannt wurd­e Gamper mit seinem 2005 begonnenen Projekt „100 Chairs in 100 Days and its 100 Ways“. Gebaut aus 100 ausrangierten Sitzmöbeln unterschiedlichster Art, die er auf Londoner Straßen gefunden und völlig neu zusammengesetzt hat. Nicht zuletzt, um den Stellenwert von Design auf lustvoll hintergründige Art und Weise zu hinterfragen. Um dieses Thema kreist­e auch Gampers Ausstellung „Design is a state of mind“, die diesen Sommer im Bozner Museion zu sehen war.