GPA-Forum bringt dritte und vermutlich letzte Amtsperiode Katzians

Wien (APA) - Österreichs größte Einzelgewerkschaft, die GPA, trifft sich kommende Woche zu ihrem Bundesforum. Wolfgang Katzian stellt sich s...

Wien (APA) - Österreichs größte Einzelgewerkschaft, die GPA, trifft sich kommende Woche zu ihrem Bundesforum. Wolfgang Katzian stellt sich seiner zweiten Wiederwahl. Die kommenden fünf Jahre dürften seine letzte Amtsperiode sein, wie er im APA-Interview ankündigt. Inhaltlich dominieren die schwierige Situation am Arbeitsmarkt und die Lohnpolitik. Für Asylwerber will die GPA den Zugang zum Arbeitsmarkt öffnen.

Nur alle fünf Jahre kommt die GPA-djp zu ihrem Gewerkschaftstag zusammen und die Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit ist für die größte Teilorganisation des ÖGB zuletzt keine schlechte gewesen. Nicht ohne Stolz verweist Katzian darauf, dass man in der vergangenen Periode eine positive Mitglieder-Entwicklung genommen habe - auch europäisch gesehen „keine Selbstverständlichkeit“.

Fast 278.000 Mitglieder zählte die GPA im Vorjahr, was sie zu einem gewichtigen Faktor im Land macht. Entsprechend prominent ist auch die Gästeschar bei der Eröffnung des (dreitägigen) Bundesforums Dienstagabend. Erwartet werden im Austria Center Vienna unter anderen Kanzler Werner Faymann und Nationalratspräsidentin Doris Bures (beide SPÖ). Bundespräsident Heinz Fischer meldet sich per Video-Botschaft zu Wort.

Einen Schatten auf die Veranstaltung wirft der Tod von Karl Proyer, dem langjährigen Chefverhandler und stellvertretenden Bundesgeschäftsführer der GPA, der vor wenigen Tagen einem kurzen schweren Leiden erlegen war. Seine Nachfolge in der Bundesgeschäftsführung wird erst in den kommenden Wochen in einer Vorstandssitzung geklärt. Als Favorit gilt Alois Bachmeier aus der Wiener Landesorganisation.

Katzian selbst überlegt ernsthaft seinen Rückzug nach Ende der fünfjährigen Periode, also 2020. Da sei er dann 64 und aus heutiger Sicht sei geplant, dass er sich am Dienstag zum letzten Mal der Wahl stelle. Die Periode will der GPA-Chef aber jedenfalls durchdienen. Weder ein Wechsel in die Bundesregierung noch an die Spitze des ÖGB, wo Präsident Erich Foglar bereits einen Rückzug nach der laufenden Amtsperiode angekündigt hat, kommt für Katzian in Frage.

Inhaltlich will sich die GPA gemäß ihrem vorliegenden Antragsheft in den kommenden Jahren weiter verstärkt der Arbeitsmarkt-Politik widmen, wo auch eine Arbeitszeit-Verkürzung propagiert wird, und das bei vollem Lohnausgleich. Darunter versteht man bei den Privatangestellten freilich auch eine allfällige Ausweitung des Urlaubsanspruchs auf sechs Wochen. Was die Gehälter angeht, strebt die GPA kollektivvertragliche Mindesteinkommen von 1.700 Euro an.

Einmal mehr propagiert wird ein echter „New Deal“ mit einem wirksamen Konjunktur- und ?Investitionspakt in Form eines Marshallplans für Europa. Finanziert werden soll dieser über die Herausgabe von Bonds für Projekte und private/öffentliche Partner, um die europäische Infrastruktur zu stärken. Privatisierungen in diesem Kontext werden freilich abgelehnt.

Ansonsten dominieren gewerkschaftliche Klassiker wie Wertschöpfungsabgabe, Finanztransaktionssteuer sowie Vermögens- und Erbschaftssteuer oder aber auch ein Nein zur vorzeitigen Anhebung des Frauenpensionsalters das Antragsheft des Bundesforums. Interessant ist, dass die GPA in Sachen Integration von Asylwerbern in den Arbeitsmarkt über die Position des ÖGB hinausgeht, der bloß einen Zugang über ein Ersatzkräfteverfahren (also wenn kein anderer Arbeitnehmer verfügbar ist) vorsieht. Die GPA fordert in einem ihrer Anträge, für Asylsuchende den Zugang zum Arbeitsmarkt jenem von EU-Bürgern gleichzustellen.

Katzian hält allerdings gegenüber der APA auf Nachfrage fest, dass man sich auch in der GPA an die gemeinsame Linie des ÖGB halte. Dort habe es eine „schwierige Diskussion mit unterschiedlichen Ansätzen“ gegeben.