Forscher erstellten historische Niederschlagskarte der „Alten Welt“

Innsbruck/Wien (APA) - Anhand von Baumring-Daten hat ein Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung einen historischen Niederschlags-Al...

Innsbruck/Wien (APA) - Anhand von Baumring-Daten hat ein Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung einen historischen Niederschlags-Altas von Europa, dem Mittleren Osten und Nordafrika erstellt. Für manche Regionen reichen die Informationen sogar etwa 2.000 Jahre zurück. Es zeigte sich, dass Europa immer wieder mit großer Dürre und Feuchtperioden zu kämpfen hatte. Das 20. Jahrhundert blieb davon relativ verschont.

Besonders „erstaunlich“ sei die Übereinstimmung der Daten, aus denen sich der „Old World Drought Atlas“ (OWDA) zusammensetzt, mit historischen Berichten über Jahre mit extrem viel oder wenig Niederschlag, erklärte der an der im Fachblatt „Science Advances“ vorgestellten Arbeit beteiligte Forscher Kurt Nicolussi vom Institut für Geographie der Universität Innsbruck. Aus dem jährlichen Wachstum des Holzes lassen sich mit modernen Methoden Rückschlüsse auf die damaligen Umweltbedingungen ziehen. Es wirkt sozusagen als Speicher der Vergangenheit. Um dem alten Holz seine Geheimnisse auch zu entlocken, brauchte es teilweise „jahrzehntelange Arbeit von sehr vielen Leuten“, sagte der Wissenschafter zur APA.

Gerade für Europa gebe es mittlerweile viele Daten über die vergangenen tausend Jahre. Davor würden die Holzfunde, aus denen man Schlüsse ziehen kann, einfach rarer. Die gebündelten Informationen aus der Jahresringforschung (Dendrochronologie) hat das große internationale Team zu einer flächendeckenden Rekonstruktion zusammengefasst, die für jedes Jahr eine Einstufung zwischen „sehr feucht“ und „sehr trocken“ erlaubt.

„Im Prinzip machte Österreich das mit, was auch im Rest von Mitteleuropa über die Jahrhunderte hinweg passiert ist“, so Nicolussi. Als besondere Dürrejahre wurden etwa 1540, 1616, 1893 oder 1921 identifiziert, eine Feuchtperiode in vielen Regionen Westeuropas und Großbritanniens, die damals große Hungersnöte auslöste, gab es dagegen zwischen 1315 und 1317. Diese Befunde decken sich mit den in Europa glücklicherweise reichlich vorhandenen „historischen Nachrichten“.

Die Stärke des OWDA sei, dass „man sich solche Perioden jetzt flächenhaft anschauen kann“. Man könne also relativ detailliert vergleichen, wo es besonders trocken war und welche Regionen glimpflicher davonkamen.

Die Identifikation von Extremjahren funktioniere zwar gut. Im Gegensatz zur langfristigen historischen Entwicklung der mittleren Jahrestemperaturen, wie der vom 15. bis ins 19. Jahrhundert hinein andauernden „Kleinen Eiszeit“ in Europa, zeichnet der Niederschlagsatlas aber kein so „eindeutiges Bild“ über längere Zeiträume hinweg, wie Nicolussi erklärte. Es lasse sich aber ein Trend dahingehend ablesen, dass das 20. Jahrhundert eher feuchter war, wirkliche Extremereignisse allerdings in den Jahrhunderten davor tendenziell häufiger stattfanden.

Mit Projektionen in die Zukunft angesichts der nun verfügbaren Daten müsse man aber vorsichtig sein. Denn aufgrund der bereits wahrnehmbaren Erwärmung „kommen wir in einen Bereich, den wir in den letzten 2.000 Jahren eigentlich nicht abgedeckt haben“, so der Forscher. Es deute aber einiges darauf hin, dass längere Trockenphasen eher zunehmen, „weil wir in den Sommermonaten zunehmend in den Bereich der Subtropenluft kommen und in Richtung Mittelmeerklima tendieren“.

Hinter der Idee des OWDA steht der US-Forscher Edward Cook von der Columbia University in New York. Unter seiner Federführung entstanden bereits ähnliche Atlanten für Nordamerika und Teile Asiens.

(S E R V I C E - Die Publikation im Internet: http://dx.doi.org/10.1126/sciadv.1500561)