Regionalliga West

Bilanz der Tiroler Westligisten: Winterkönig Wattens mit Wurm

Zunächst traf er fast jeden, im Finish keinen mehr – mit 19 Treffern muss sich Wattens-Torjäger Simon Zangerl aber ganz sicher nicht verstecken.
© Böhm

Nach zehn Siegen in Serie holte Westliga-Winterkönig Wattens nur sieben Punkte aus den letzten sechs Runden. „Das ist zu wenig, von einer Krise sind wir aber weit entfernt“, stellt Sportmanager Stefan Köck klar. Auch die anderen Tiroler Regionalligisten zogen Bilanz.

Von Alex Gruber

WSG Wattens: Eine Trainerdiskussion im Gernot-Langes-Stadion – Wacker-nahe Quellen orakelten etwas davon, dass Michi Baur auf Thomas Silberberger folgen könnte – verwies WSG-Sportmanager Köck auch gestern „ins Reich der Fabel“. „Ich kann mich nur wundern. Bei uns gibt es keine Trainerdiskussion.“ Dass die letzten Wochen speziell in der Meisterschaft mit zwei Niederlagen hintereinander in Hard und Eugendorf sowie einer weiteren gegen die Altach Amateure für den Tabellenführer schlicht und ergreifend zu wenig seien, liege auf der Hand: „Jetzt müssen wir uns wieder sammeln, kritikfähig sein und dann zählt im Frühjahr der Titel ohne Wenn und Aber“, beendet Köck seine Ansprache. Im Wissen, dass es im Juni 2016 (6. und 9. 6.) gegen den Regionalliga-Mitte-Meister (dort ist Hartberg Winterkönig) zweier Sahnetage bedarf, um den Aufstieg in die zweite Liga zu lösen.

„Wir sind tauglich für höhere Aufgaben. Das haben die beiden ÖFB-Cupspiele gegen Kapfenberg und Mattersburg gezeigt“, zieht Silberberger aus dem Herbst seine Schlüsse. Dass das Finish in der Regionalliga mehr als durchwachsen war und man nur mit zwei Punkten Vorsprung auf Anif überwintert, löst freilich auch bei ihm keine Freudensprünge aus: „Köcki und ich haben schon im Erfolg gewarnt, dass wir zu wenig machen. Wir haben zu viel nach Ausreden gesucht“, will der „Silbi“ keine beleidigten Spieler in seinem erlesenen Kader sehen. Dem großen Ziel (Juni 2016) müssen sich alle unterordnen. Zum Gerücht seiner möglichen Ablöse? „So ein Gerücht kann nur ein dummer Mensch streuen. Vor fünf Wochen waren wir noch 13 Monate ungeschlagen, haben 17 Siege in Serie gefeiert und der Himmel war voller Geigen. Blablabla. Und jetzt dieses Gerücht. Man sieht nur, dass der Fußball halt ein Tagesgeschäft ist.“

Torjäger Simon Zangerl, der im Westliga-Herbst 19-mal traf, aber die letzten drei Runden auch leer ausging, bringt die Lage bei der WSG Wattens auf den Punkt: „Momentan ist brutal der Wurm drinnen. Dabei stehen ja die gleichen Leute wie bei der Siegesserie am Platz. Es ist höchste Zeit für jeden Einzelnen, dass die Winterpause kommt.“ Dass der Trainer zu kritisch sei, beantwortet der Ex-Wacker-Profi mit einem Griff an die eigene Nase: „Wenn uns der Trainer in Hard in der Halbzeit gelobt hätte, hätte ich mich nicht mehr ausgekannt. Da kann man nicht mehr positiv sein“, stellt er klar. Jeder, der den Fußball kennt, weiß: Mit zu vielen „Mädchen“ in der Kabine steigt man nicht auf.

SC Schwaz: Nach den Abgängen namhafter und verdienter Routiniers im Sommer (Burgstaller, Reiter, Lampl.) senkte sich bei den Knappenstädtern nicht nur der Altersschnitt, sondern war sich Langzeit-Coach Martin Hofbauer (in seiner 5. Saison) auch nicht ganz sicher, was er von seinem Jungbrunnen erwarten darf. Dass es nach 16 Runden und zur Winterpause für Platz sechs in der Tabelle und zum zweiten Rang im internen Tirol-Ranking reichte, kommentiert Hofbauer zweideutig: „Wir können uns nichts dafür kaufen.“ Kurze Atempause: „Natürlich ist es toll.“

Vor allem, weil die Unterländer im abgelaufenen Fußballherbst „nie ein richtiges Tief“ quälte. Platz drei in der Defensivtabelle (nur 19 Gegentreffer) sprechen für Goalie Martin Troppmair, Kevin Kühnlein und die gesamte Defensivarbeit. Und mit Johannes Kinzner blühte im Mittelfeld wieder einer auf, der sich in Wattens nicht durchsetzen konnte. „Die Qualität in unseren Reihen war mir klar. Überrascht bin ich nur, dass es so schnell so gut funktioniert hat“, lobt „Hofi“ sein Kollektiv.

Gold wert für die Amateure – Marco Hesina.
© gepa

Wacker Amateure: Phasenweise – zum Beispiel das 3:3-Remis gegen Wattens – war es richtig stark, was die schwarzgrünen Amateure im Herbst präsentierten. Und einer wie Marco Hesina rührte mit 16 Treffern (mehr als die Hälfte des gesamten Teams) die Werbetrommel.

Das letzte Match gegen Dornbirn war ohne den „Hesi“ aber alles andere als ein Bewerbungsschreiben nach oben. „Ein 0:5 befremdet mich auch“, sprach Fohlen-Coach Thommy Grumser, der sieben Profis (Wedl, Renner, Augustin, Nitzlnader, Tekir, Rosenbichler, Krismer) in der Startelf hatte. Dabei dürften einige vergessen haben: Wer oben ankommen will, muss unten punkten. Profitrainer Klaus Schmidt wird Grumser mit Sicherheit noch ausführlich „interviewen“. Für Platz sieben sorgten viele Junge.

FC Kufstein: „Für das Geleistete haben wir mit Sicherheit zu wenig geholt. Es gibt nicht wieder, was die Mannschaft zeigt. Natürlich müssen wir uns auch dem Resultat stellen“, sprach Kufstein-Coach Christian Schaider nach der abschließenden 1:2-Niederlage gegen die Altach Amateure, die nach klarem Chancenplus „aus einer Standardsituation und einem Eigenfehler“ resultierte. Aus den letzten fünf Spielen gab’s nur magere zwei Zähler.

Nicht nur beim Spiel mit und gegen den Ball ortet Schaider dennoch einen positiven Entwicklungsprozess, mit etwaigen Neuverpflichtungen sei viel Luft nach oben vorhanden. Nach dem Abgang von Daniel Steger (berufliche Gründe) schauen sich die Festungsstädter am Transfermarkt um. Damit’s (10.Platz) im Frühjahr einstellig wird.

Kitzbühels Topscorer – Luka Dzidiguri.
© www.muehlanger.at

FC Kitzbühel: Nach zehn Runden und mit nur vier Zählern am Konto war der FC Kitzbühel eigentlich schon „mausetot“ oder zumindest so gut wie schon abgestiegen. Trotz der finalen Derbyniederlage gegen Schwaz haben sich die Gamsstädter mit elf Punkten aus den letzten sechs Spielen im Überlebenskampf aber retour gemeldet.

„Dass wir gut dastehen, wäre übertrieben. Aber wir haben relativ viel gut gemacht. Die Mannschaft ist nach dem irren Tief brutal aufgestanden“, lobt Trainer Alex Markl die Moral: „Am Anfang der Saison haben ein paar nicht mit der Situation umgehen können, dass wir nach zwei erfolgreichen Saisonen zuvor auf einmal nicht mehr gewinnen können“, gab’s laut Markl auch ein mentales Leck. Dieses ist geschlossen, die Chance auf den Klassenerhalt lebt.

SVG Reichenau: Der Wunsch von Reichenau-Obmann Gernot Amoser, mit einem Auswärtssieg in St. Johann und einer zweistelligen Punkteanzahl zu überwintern, ging in Salzburg in Erfüllung. „Wenn’s von der Kraft und von der Einstellung passt, können wir mit einem Großteil der Liga mithalten“, schloss der Sportliche Leiter Helmut Hupfauf. Die Interimstrainer-Lösung (Kraxner-Schober) hätte nach dem Abgang des Trainergespanns (Schwarz-Brunner) gefruchtet.

Neben der Platzmisere wird auch die Trainersuche die Innsbrucker in den kommenden Wochen beschäftigen. Der neue Mann, so Hupfauf, soll aber eine langfristige Lösung und nicht nur ein Feuerlöscher für den Westliga-Abstiegskampf sein. Ein Torjäger wäre laut Hupfauf auch willkommen: „Wir wollen schon oben bleiben.“

Verwandte Themen