Kunst

Der Phantastische Realist ist tot: Ernst Fuchs starb mit 85 Jahren

Künstler Ernst Fuchs auf einem Archivbild (aufgenommen im März 2010).
© APA/Schlager

Ernst Fuchs zählte zu den bedeutendsten Künstlern Österreichs und brachte es zu weltweitem Ansehen.

wien - Ernst Fuchs ist tot. Der bekannteste Vertreter des Phantastischen Realismus verstarb mit 85 Jahren am Montag in Wien an Altersschwäche. Der Maler hat sich über den engen Kreis der Kunstkenner hinaus mit markantem Vollbart und charakteristischen Käppchen im Gedächtnis der Öffentlichkeit verankert. Seinem Wunsch gemäß wird Fuchs zu noch unbekanntem Zeitpunkt auf dem Hütteldorfer Friedhof bestattet.

Geboren wurde Fuchs am 13. Februar 1930 hingegen in Wien-Ottakring als Sohn eines jüdischen Altwarenhändlers und einer katholischen Näherin - und entwickelte sich zum echten Frühstarter. Bereits mit 15 Jahren nahm er sein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien auf und schuf alsbald malerische Traumlandschaften, deren religiöse und mythologische Symbolik sich an den Altmeistern und dem Jugendstil speiste. Folgerichtig gründete Fuchs 1948 mit seinen Studienkollegen Anton Lehmden, Arik Brauer, Wolfgang Hutter sowie dem knapp 15 Jahre älteren Rudolf Hausner die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. 1966 sollte er in seiner programmatischen Schrift „Architectura Caelestis. Die Bilder des verschollenen Stils“ formulieren, das Ziel sei „all der herrliche Kitsch, den die Maschinenpuritaner verboten haben“.

Im Jahre 1950 verließ Fuchs Österreich jedoch für zwölf Jahre und übersiedelte nach Paris, von wo aus er zahlreiche Reisen unternahm und mit Malerfürsten wie Salvador Dali, Giorgio de Chirico oder Jean Cocteau in Kontakt kam. Zugleich experimentierte er auf der Suche nach dem eigenen Stil auch mit Drogen und zog sich 1957 für Monate ins Kloster Dormitio bei Jerusalem zurück. Dort begann er seine monumentale „Abendmahl“-Darstellung, an der er jahrzehntelang arbeiten sollte. Auch die Apokalypse-Kapelle in der Stadtpfarrkirche St. Aegyd in Klagenfurt sollte Fuchs 20 Jahre beschäftigen.

Zugleich kam der Erfolg, der etwa über 100 Einzelausstellungen mit sich brachte. Allerdings begann sich ab den 1970ern Fuchs‘ Wirkungskreis auf Innenarchitektur, Design sowie Bühnenarbeiten zu erweitern. 1972 kaufte er eine von Otto Wagner entworfene Villa in Wien-Hütteldorf, die er restaurierte und umgestaltete. Seit 1988 dient diese als Privatmuseum. Der in Monte Carlo lebende Fuchs wich bei Wien-Besuchen seither auf ein Hotel aus. Im Wiener Palais Palffy eröffnete der Künstler 2013 überdies die „Akademie für visionäre Kunst“ - eine private Kunstschule.

Jedoch nicht Ernst Fuchs‘ Kunst, auch sein Leben gestaltete sich farbenfroh. So zeugte der Künstler in mehreren Beziehungen 16 Kinder, von denen heute noch 15 am Leben sind. Zuletzt machte Fuchs durch die Scheidung von seiner Ehefrau Eva, von der er seit 30 Jahren getrennt lebte und die anschließende Verlobung mit seiner Muse Uta Saabel Schlagzeilen. „Sein Optimismus, seine Spontanität und Großzügigkeit hat Generationen von Künstlern und Freunden inspiriert und wird uns immer in Erinnerung bleiben“, teilte seine Familie mit.

„Universalkünstler, wie er im Buche steht“

Aber nicht nur die Familie, auch die Politik zeigte sich am Montag betroffen von der Todesnachricht. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) sprach von einem „Universalkünstler, wie er im Buche steht“. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zeigte sich betroffen: „Ernst Fuchs war ein großartiger Mensch, der auch mehrmals seine Werke bei Vernissagen im Freiheitlichen Parlamentsklub präsentiert hat.“

ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter beschied indes: „Ernst Fuchs war ein Künstler und Mensch mit Tiefgang und Seele.“ Und vom Grünen Kultursprecher Wolfgang Zinggl hieß es: „Er hinterlässt ein phantastisch faszinierendes Lebenswerk.“ Der ORF kündigte an, sein Programm im memoriam zu ändern. So läuft auf ORF 2 am Montag ab Mitternacht unter anderem das Filmporträt „Ernst Fuchs - Eros & Mystik“. (APA)

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